Bewegendes instrumentales und vokales Musizieren am Karfreitag

Wann? 02.04.2010 15:00 Uhr

Wo? Dreifaltigkeitskirche, Haunsheim DEAuf Google Maps anzeigen
Das instrumentale Quintett, das in der Dreifaltigkeitskirche für bewegendes Musizieren sorgte
 
Heidrun Krech-Hemminger an der Violine, die verdienstvolle Leiterin des Konzertes mit Johanna Wagner, die erstmals in Haunsheim auftrat und sehr überzeugte
Haunsheim: Dreifaltigkeitskirche | Dem Charakter des Karfreitags angemessen erklangen die musikalischen Beiträge in der gut gefüllten Dreifaltigkeitskirche bevorzugt in Moll. Sie bestätigten dadurch die Ernsthaftigkeit des Leidensgeschehens Jesu Christi, das Pfarrerin Sabine Nagel in ihren geistlichen Worten darlegte. Nur das Schlussquartett für Querflöte (Norbert Bender), zwei Violinen (Heidrun Krech-Hemminger und Iris Lutzmann), Basso continuo (Johanna Wagner, Cello und Andreas Käßmeyer, Cembalo) erstrahlte in F-Dur, quasi als Ausblick auf die Auferstehung des Herrn. In allen vier Sätzen herrschte ein heiter gelöster Grundton, der vom sicheren Cembalo und dem runden Celloklang gekennzeichnet war. Wunderschön anzuhören das harmonische Duospiel der Violinen und der galante Melodienreigen der Querflöten. Im Quartett von G. Ph. Telemann, bei dem Heidrun Krech-Hemminger die Viola spielte, bediente die ansonsten gleiche Besetzung den "singenden Stil" des Barockkomponisten. Vor allem die Flöte wob mit elegantem Ton, virtuos und klar artikulierend ihre Melodiengirlanden. In ähnlichen Wohllaut waren zwei Altblockflöten zu hören. Heidrun Krech-Hemminger und Norbert Bender, vom Basso continuo wiederum wirksam begleitet, entfalteten zu Herzen gehendes Duo-Musizieren bei der ersten Suite des italienischen Bach-Zeitgenossen Giovanni Bononcini. Ein weiterer instrumentaler Höhepunkt war die Begegnung mit der Cellistin Johanna Wagner. Die Tochter des früheren Gundelfinger Hauptschullehrers F. Kleinle trat erstmals in der Dreifaltigkeitskirche auf und beeindruckte mit dem Präludium in c-Moll aus der 5. Suite (BWV 1011) für Violoncello solo von J.S. Bach. Johanna Wagner beleuchtete dabei einen besonderen Aspekt des Cellospiels. Aus klanglicher Intension heraus, hat Bach die Anweisung gegeben, die höchste Saite von a nach g herab zu stimmen. Diese Skordatur bewirkte eine Änderung der Resonanzverhältnisse und dadurch gedeckteren Klang. Dieses einmalige Erlebnis hätten die Zuhörer gerne in weiteren Suitensätzen nachvollzogen. In Cello-Normalstimmung erklang, ebenfalls von Bach, das Duo in a-Moll, in dem Heidrun Krech-Hemminger den energischen Violin-Kontrapunkt darstellte. Vom Bach-Neffen Joh. Gottfr. Walther spielte Norbert Bender auf der Branmann-Orgel die Choralbearbeitung "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld", wobei er über dem Cantus firmus im Pedalbereich die lebhaften zweistimmigen Umspielungen fein registrierend dagegen setzte. Der Sängerin Iris Lutzmann war es vorbehalten, aus Oratorien den vokalen Bezug zum Karfreitag herzustellen. Aus "Paulus" von Felix Mendelssohn Bartholdy sang die Sopranistin (von Cello und Orgel unterstützt) die Tenorarie "Sei getreu bis in den Tod" und in Altlage die Bass-Cavantine "Gott sei mir gnädig". Die Ergriffenheit und Erforschung der inneren Befindlichkeit konnte Iris Lutzmann bewegend, von der großen Akustik getragen, mit strahlender Höhe und ausgeprägten tiefen Stimmanteilen ausdrücken. In gleichem Maße anrührend aus dem Himmelfahrtsoratorium von J.S.Bach die Altarie "Ach, bleibe doch, mein liebstes Leben", die Violine, Cello und Cembalo wohltuend begleiteten.
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