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Damals in Döhren: Als der Döhrener Turm noch am Straßenrand stand

Der Döhrener Turm um 1979/1980
 
Wohl seit Mitte des 14. Jahrhunderts wachte bereits ein Turm an der Grenze zu Döhren. Der heute Turm geht auf einen Neubau 1488 zurück.
Hannover: Döhren | Seit Mitte der 70iger Jahre gehe ich mit der Kamera auf Pirsch und begleite das Geschehen im späteren Stadtbezirk Döhren-Wülfel fotografisch. Einige der Aufnahmen von damals scanne ich jetzt nach und nach ein, um sie ins digitale Zeitalter herüber zu retten. Unter der Überschrift "Damals in Döhren" möchte ich den myheimat-Usern kleine Einblicke in mein Fotoarchiv geben. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere Leser selbst noch an die damaligen Ereignisse.

Heute: Als der Döhrener Turm noch am Straßenrand stand

Zugegeben: genau genommen gehört der Döhrener Turm zur Südstadt. Denn er war Grenzbefestigung der Stadt Hannover nach Döhren hin. Und als solche stand der Landwehrturm zwar an der Grenze, aber noch auf Stadtgebiet. Doch die Döhrener haben die Warte längst für sich erobert.

Bis Anfang der 80iger Jahre wuchs der Döhrener Turm am Rand der Hildesheimer Straße in die Höhe. Dann wurde dieser Hauptverkehrsweg im Zuge des Ausbaus der Stadtbahn (Linie B-Süd) verbreitert und der mittelalterliche Wehrturm stand dem Verkehr im Wege. Das war zwar sein von den Erbauern auch zugedachter eigentlicher Zweck, denn er sollte ja einst notfalls den Zugang zur Stadt versperren. Doch jetzt war dies nicht mehr zeitgemäß.

Während einige unentwegter Bürger und Politiker für eine Untergrundbahn bis nach Döhren hinein stritten, um den Turm zu retten (was wegen der Kosten schon damals unrealistisch war), ein Häuflein andere sogar die Landwehrwarte verschieben wollte, setzten die Planer im Rathaus den Wachturm auf eine schmale Verkehrsinsel. Links und rechts sollte, so ihre Vorschlag, der Verkehr dann hautnah am historisch wertvollen Baudenkmal vorbei rauschen.

Die Stadtverwaltung bereitete die Drucksache Nr. 1033/77 für die Ratspolitiker vor. Darin stand, dass nur der Vorschlag der Verwaltung technisch möglich sei. Zum Glück für den Döhrener Turm gelangten diese Pläne durch eine Indiskretion vorzeitig in die Redaktionstuben der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Am 12. Oktober 1977 entfachte der Artikel „Der Döhrener Turm soll auf eine Verkehrsinsel“ in der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung. Die Verwaltung ruderte daraufhin zurück. Der damalige Stadtbaurat Hanns Adrian beeilte sich, die Sache als „Aufregung um ungelegte Eier“ zu bezeichnen. Die schon fertiggestellte Drucksache 1033/77 wurde nicht verteilt, eine Diskussion sollte ergebnisoffen geführt werden.

Natürlich kam der Turm dann doch auf eine Verkehrsinsel. Aber immerhin: Den im VHS- Arbeitskreis "Döhren wird verändert“ damals aktiven Bürgern ist es zu verdanken, dass die Insel inmitten der neuen Hildesheimer Straße wesentlich breiter ausfiel, als ursprünglich von der Bauverwaltung geplant. Einige der Bürgerplaner kannten sich aus und konnten den Fachleuten im Rathaus Paroli bieten. Sie wiesen nach, dass die westliche Straßenseite der Hildesheimer Straße durchaus auch - anders als die Verwaltung meinte - in einem weiten Bogen um den Turm herumgeführt werden konnte, ohne gegen Vorschriften zu verstoßen oder den Verkehr zu behindern. So kam es zu der heutigen Lösung mit der breiten Mittelinsel.
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Weiterveröffentlichungen:

Hannoversches Wochenblatt | Erschienen am 26.01.2011
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3 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 11.01.2011 | 21:27  
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Jens Schade aus Hannover-Döhren-Wülfel-Mittelfeld | 14.01.2011 | 15:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 14.01.2011 | 17:15  
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