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Damals in Wülfel: Der Thekenwalzer gehörte zum Schützenfest dazu

Bezirksbürgermeisterin Inge Meier (Mitte) marschierte mit
 
Schützenausmarsch am Sonntagnachmittag
Hannover: Wülfel | Zur Stärkung ließen die Wülfeler Schützen erst einmal Burgunderschinken servieren, zum Erfrischen gab es hinterher ein kühles Eis. Doch dann wurde es ernst. Die im Festzelt versammelte Prominenz wurde aufgefordert, zum „Thekenwalzer“ Platz zu nehmen. Die Schützen schoben eine gelbrote Treppe an die Festzelttheke, mit zwei, drei Hammerschlägen an den Zeltplanken befestigt, und dann bestieg als erster Brauereidirektor Hinrich Maler die Stufen hinauf. Während die Kapelle das von ihm gewünschte Niedersachsenlied intonierte, kreisten derweil die Gläser mit Freibier. Der „Thekenwalzer“ am Montag nach dem großen Schützenausmarsch war wieder einmal zweiter Höhepunkt des Wülfeler Schützenfestes im August 1990.

Der alte Brauch mit Freibier und Wunschkonzert stammt noch aus den Tagen des früheren Dorfes Wülfel. Reiche Bauern nutzen das Schützenfest, um während „ihres“ Liedes eine Runde zu spendieren. „Die Kapelle spielte damals oft die Strophen noch einmal, damit mehr getrunken werden konnte“wird in Wülfeler Schützenkreisen erzählt. Vor 29 Jahren hingegen fielen die Ständchen schon etwas kürzer aus und die mit dem Thekenwalzer geehrten lokalen Politiker, Schützenkönige und Geschäftsleute teilten sich einträglich die Kosten für das spendierte Bier.

Der Chef der Wülfeler Brauerei, die es damals noch gab, blieb nicht der Einzige, der den Ehrenplatz auf der Theke einnehmen durfte. Kaum war das Niedersachsenlied verklungen, wartete schon die Damenkönigin von 1990, Ingrid Tidow darauf, die Leiter nach oben zu besteigen, gefolgt von Bezirksbürgermeisterin Inge Meier.

Das Schützenfest selbst startete bereits am Samstagabend mit einem Kommers. Am Sonntag dann wurden die neuen Majestäten – Schützenkönig Peter Wedemeyer, Damenkönigin Ingrid Tidow, Alterskönig Johannes Bayer und Jugendkönig Sejmen Jonas – von zu Hause abgeholt, dann stand der große Ausmarsch durch die Straßen des Stadtteils auf den Programm. Inge Meier und ihr Kollege aus dem zentralen Rat, Leopold Merkelbach, marschierten bei sommerlich schwülen Wetter tapfer an der Spitze des Zuges mit. Begleitet wurden sie und die Wülfeler Schützen von 14 Gastvereinen und zahlreichen Musikzügen.

Während die befreundeten Vereine am Sonntagabend wieder abrückten, ging für die Wülfeler Honoratioren das Fest auch mit dem Thekenwalzer am nächsten Morgen noch lange nicht zu Ende. Mittags zogen die Schützen erst einmal zu Walter Tidow. Er war Sieger im Wettkampf um die „Albert-Behn-Scheibe“. Und am Montagnachmittag bat die Schützengesellschaft noch zu einem Gästeschießen. Aber nicht nur die Schießsportler und ihre Ehrengäste hatten bei dem Fest ihren Spaß. Buden, Karussells und ein Autoscooter lockten die Wülfeler alle drei Tage an. Am Montagnachmittag luden dann die Schützen sogar den Nachwuchs aus dem Stadtteil ein. Über 600 Mark waren zuvor beim Festessen für die Kinder gesammelt worden.

Seit über 40 Jahren gehe ich mit der Kamera auf Pirsch und begleite das Geschehen im heutigen Stadtbezirk Döhren-Wülfel fotografisch. Einige der Aufnahmen von damals scanne ich jetzt nach und nach ein, um sie ins digitale Zeitalter herüber zu retten. Unter der Überschrift "Damals in Döhren" bzw. "Damals in ..." möchte ich den myheimat-Usern kleine Einblicke in mein Fotoarchiv geben. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere noch an die damaligen Ereignisse oder erkennt sich auf einem der alten Fotos sogar wieder.
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1 Kommentar
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 02.04.2019 | 08:08  
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