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Der Hochadel trifft sich zur Welfenhochzeit in Hannover - Erbprinz Ernst August tritt mit Ekaterina Malysheva vor den Traualtar

Nun sind sie auch kirchlich ein Paar. Prinz Ernst August von Hannover und die Modedesignerin Ekaterina Malysheva.
 
Das Neue Rathaus war zwei Tage zuvor Ort der standesamtlichen Trauung.
 
Oberbürgermeister Stefan Schostok führte die Zeremonie durch. (Foto: Christel Wolter)
Hannover: Marktkirche | Bilderbuchwetter, überall gute Laune und dazu die Kulisse einer Traumhochzeit. Wer das erleben wollte, war am vergangenen Sonnabend um die Mittagszeit vor der hannoverschen Marktkirche am richtigen Ort. Nicht oft hat man als Normalsterblicher die Möglichkeit so viel blaues Blut zu sehen. Ein Zehntel Prozent aller Deutschen sind Adlige. Und viele davon sind aus allen Teilen des Landes angereist, um diesem Ereignis beizuwohnen. Doch auch andere Adelshäuser in Europa haben ihre Vertreter geschickt. Und so kam eine illustre Gesellschaft zusammen, was nicht oft geschieht und was den Blätterwald der Regenbogenpresse ordentlich rauschen lassen wird.
Nun ist er unter der Haube, Prinz Ernst August von Hannover, Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Geehelicht hat er die Modedesignerin Ekaterina Malysheva, die mit EKAT ihr eigenes Label gegründet hat. Sie stammt aus einer angesehenen russischen Familie, hat ihre Kindheit und Jungendzeit in Prag verbracht und ist später nach London übergesiedelt, wo sie den hannoverschen Prinzen auf einer Party kennen lernte.

Auch wenn der Adel in Deutschland nach Beendigung des Ersten Weltkriegs abgeschafft wurde, so übt er doch auf viele Menschen nach wie vor Faszination aus. In vielen anderen Ländern aber ist er noch immer präsent, sind sie doch parlamentarische Monarchien. Und deren Bewohner, wie z. B. in Großbritannien, Holland, Spanien, Monaco oder Griechenland, um nur einige zu nennen, sind zum Großteil stolz auf ihre Königshäuser. Diese sind natürlich, wie es sich für Blaublütige gehört, verwandtschaftlich sämtlich miteinander verbandelt, stammen sie doch alle irgendwie von der großen Viktoria ab, die einst dem größten Weltreich vorstand, das die Erde je gesehen hat und die ihrerseits der letzte Welfenherrscher aus dem Hause Hannover auf dem englischen Königsthron war. 1917 wurde dann, bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die Nähe der Herrscher zum deutschen Kaiser, das Königshaus in Windsor umbenannt, obwohl nach wie vor Deutschstämmige auf dem englischen Thron saßen.

Der Stammbaum der Welfen ist der am weitesten zurückreichende Europas. Ernst August kann seine Ahnentafel über Viktoria Luise, die viele aus den älteren Generationen bei den Schützenausmärschen in Hannover selber noch erlebt haben und die die Tochter Kaiser Wilhelms war, über seinen Ururgroßvater König Ernst August, der als Reiterstandbild vor dem Bahnhof steht, Kurfürstin Sophie, die das Anrecht auf den englischen Königsthron erwarb und den Großen Garten in Herrenhausen prägte, über den bekanntesten Welfen, Heinrich den Löwen, bis hin zu Graf Argenau, der um 790 gestorben ist, zurückverfolgen. Das sind immerhin beachtliche 40 Generationen, die so manchen Ahnenforscher blass werden lassen. Nun ist Ernst August das vorerst letzte Glied dieser ellenlangen Kette, und deswegen ist es schon etwas Besonderes, wenn er vor den Traualtar tritt.

So haben sich an diesem schönen Tag Geschichtsinteressierte, Leser der Klatschpresse und Neugierige vor der Marktkirche und später auch in Herrenhausen in den großen Gartenanlagen versammelt. Einmal die Persönlichkeiten aus der Nähe sehen, die man sonst nur aus der Zeitung oder dem Fernsehen kennt. Einmal an dem Flair der großen Adelshäuser schnuppern. Das hat schon was und deswegen lohnt es sich auch, mal die Beine in den Bauch zu stehen. Und Standfestigkeit und Geduld musste man tatsächlich dazu mitbringen, waren doch zwei bis drei Stunden dichtgedrängtes Stehen angesagt.

Um 12 Uhr sollte die Trauung beginnen. Doch natürlich war der Marktplatz hinter den Sperrgittern schon lange vorher mit Menschen angefüllt. Über die Köbelinger Straße und die Schmiedestraße rollten schwarze Limousinen mit abgedunkelten Scheiben heran, denen die mehr oder weniger bekannten Promis entstiegen. Das Schaulaufen bis zum Eingangsportal der Marktkirche begann. Und natürlich fragte man sich, wer das denn sein kann, der da gerade an einem vorbei geht. Doch wohl nur Eingeweihten oder Regenbogenpresselesern erschloss sich das wirklich. Immerhin gab es bei den Damen schicke Hüte und High Heels jeder Art zu bewundern, die auf dem groben Pflaster vor der Kirche auch schon mal ins Straucheln gerieten. Obenrum wurde von elegant bis sommerlich leicht alles getragen. Etwas mehr leiden mussten bei dieser Hitze vermutlich die Männer. Im feinen Zwirn und mit Weste kam der eine oder andere sicher ordentlich ins Schwitzen. Doch das kamen auch die Zuschauer, die in der prallen Mittagssonne standen. Aber viele hatten vorgesorgt und sich für alle Fälle einen schattenspendenden Regenschirm mitgebracht.

Dann erkannte man doch den einen oder anderen, hatte man ihn doch schon in der Zeitung gesehen. Prinz Christian, den Bruder von Ernst August, der auch demnächst heiraten will. Seine Halbschwester Alexandra aus Monaco und Mutter Chantal Hochuli, die erste Frau von Vater Ernst August. Ebenfalls aus Monaco Pierre Casiraghi, ein Stiefbruder des Bräutigams und Sohn aus Carolines zweiter Ehe. Nur Vater Ernst August ließ sich wegen Erbstreitigkeiten nicht blicken, was für das Brautpaar einen leichten Schatten auf die Feier warf. Doch das sollte an diesem schönen Tag kein Thema sein.
Auch Politik und Wirtschaft waren vertreten. So zum Beispiel Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Oberbürgermeister Stefan Schohstok, der das Paar am Donnerstag im Neuen Rathaus standesamtlich getraut hatte, Martin Kind von 96 und Dirk Rossmann.
Als Letze erschien das Brautpaar auf der Bildfläche. Applaus, Freudenrufe und Staunen von allen Seiten. Und das war hauptsächlich bei den weiblichen Zuschauern angesagt, die bewundernd auf das weit ausladende Brautkleid von Ekaterina Malysheva schauten. Ein Traum in Weiß. Und nicht nur sie gab eine gut Figur ab, sondern auch der zufrieden dreinblickende Prinz Ernst August an ihrer Seite.
Danach schloss sich die Marktkirchentür für eine Stunde. Damit war Geduld angesagt und das in der sengenden Sonne. Doch wer einen vernünftigen Standplatz hatte, verließ ihn trotzdem nicht, denn einen solchen würde man in dem Gedränge vermutlich nicht wieder ergattern. Und es war trotzdem nicht langweilig, gab es doch bei guter Laune und nettem Geplauder immer was zu sehen: Fernsehteams, die Interviews durchführten, ernst blickende Sicherheitsleute und Reporter, Moderatoren und Organisatoren, die geschäftig hin und her liefen. Doch dann läuteten die Glocken, die Trauung war beendet.

Und diejenigen, die als Letzte die Kirche betreten hatten, kamen nun unter dem Jubel der Menschen als Erste wieder heraus. Ein glücklich strahlendes Brautpaar, flankiert von den grüngekleideten Schützen und dem Bergrüßungssignal des Jagdhornbläserkorps "Das Große Freie" schritten sie winkend an den Menschenmassen vorbei. Hinter ihnen nun in gelöster Stimmung das Gefolge der Hochzeitsgäste, immerhin rund 600 an der Zahl.
Dann fuhr die königliche Hochzeitskutsche vor, die einst schon Ernst Augusts Ururururgroßeltern Georg V. und seine Frau Marie bei ihrer Trauung benutzt haben. Mit ihr ging es durch das Spalier von Tausenden Schaulustigen am frisch sanierten Landtag vorbei, am Hohen Ufer der Leine entlang und über die lange, schnurgerade Herrenhäuser Allee, einen Tross von Radfahrern im Schlepptau, zur ehemaligen Sommerresidenz der Welfen, Schloss Herrenhausen. Dort sollte im Galeriegebäude ein großer Empfang stattfinden. Anschließend in kleinerem Kreise weiter ins Fürstenhaus, in dem sämtliche Ahnen der Welfen in Öl von den Wänden herabhängen. Wer diese reichhaltige Sammlung einmal gesehen hat, war sicher mehr als beeindruckt davon. Zumindest mir erging es so. Vielleicht wird das junge Paar ja dort demnächst einziehen, wollen sie doch London verlassen und sich hier niederlassen. Und im Obergeschoss soll sich eine ganz normale Wohnung befinden.

Und zum Abend machte sich der ausgesuchte Kreis auf den Weg zum Welfenschloss Marienburg, wo die Feier ihren königlichen Abschluss finden sollte, denn dort wird auf einem roten Samtkissen die Königskrone der Welfen ausgestellt.
Es war wahrhaft eine Märchenhochzeit. Für die Beteiligten und besonders für die vielen Schaulustigen, bekommt man so etwas doch nicht alle Tage zu sehen. Und Ernst August und Ekaterina wünschen wir für ihren weiteren Lebensweg alles Gute. Vielleicht ist ja auch bald ein Stammhalter in Sicht, denn natürlich muss die endlose Ahnentafel der Welfen fortgesetzt werden.

Wer mehr über die hannoverschen Welfen erfahren möchte: Vor 300 Jahren begann die Personalunion der Welfen mit Großbritannien - Über einen Zeitraum von 187 Jahren stellte das Kurfürstentum und Königreich Hannover die englischen Könige
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5 Kommentare
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R. S. aus Lehrte | 09.07.2017 | 12:12  
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Volker Harmgardt aus Uetze | 09.07.2017 | 19:00  
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Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 09.07.2017 | 19:49  
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Carmen L. aus Pattensen | 09.07.2017 | 22:07  
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gdh portal aus Brunnen | 10.07.2017 | 13:26  
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