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Cappuccino blu - ein romantischer Roman

Cappuccino blu

Umberto Perruzzi, ein ehemaliger Piratendarsteller in einem Freizeitpark bei Napoli, hat irgendwo an der Küste des tyrrhenischen Meeres in dem kleinen Ort „Solo un Monte“, was übersetzt so viel wie heißt „Wo nur ein Berg ist“ , die kleine Caffeeteria mit dem ungewöhnlichen Namen „Cappuccino blu“ eröffnet. Umberto wirbt damit, dass bei ihm der „Kaffee mit der sahnigen Seele“ mit einer Prise feinsten Mittelmeersalzes gewürzt wird. Und tatsächlich ist der Cappuccino bei Umberto blau. Es wird viel darüber spekuliert, wie dem „Pirata“, wie sich Umberto auch gerne nenne lässt, diese Färbung gelingt. Aber bislang blieben alle Spekulationen Spekulationen.
Der Apotheker Pietro Finghi, eher ein nüchterner Mensch und täglicher Gast im „Cappuccino blu“, führt die Färbung auf die Kraft der Imagination zurück, darauf dass sich die Gäste von Umberto nur einbilden, der Cappuccino sei blau, weil man ja extra ein stattliches Sümmchen mehr dafür bezahlt habe, einen blauen Cappuccino zu bekommen.
Ein anderer Gast im „Cappuccino blu“, die „Gräfin Viola di Violetta“, ein Travestie-Künstler mit eigener kleiner Bühne in „Solo un Monte“ teilt mit dem Apotheker die These der Imagination, führt die Imagination allerdings auf die Wirkung des einzigen Berges in „Solo un Monte“, dem „Monte Blu“ zurück, der in seinem spiegelglatten Gestein das unter ihm sanft wogende Meer reflektiert und diese Reflektion in die Phantasie von Umbertos Gästen tranzendiert.
Da bislang ausnahmslos alle Gäste „Das heiße Getränk mit der sahnigen Seele“ – wie es Umberto gern verklärt, nur in Blau gesehen haben wollen, kann man der These der Imagination – ganz gleich welcher Ableitung - durchaus etwas abgewinnen.
Obwohl SuM – so die moderne Schriebweise des Ortes - sehr abschieden liegt, hat sich doch hin und wieder der eine oder andere Fremde in diesen Ort verirrt und nachdem er ihn wieder verlassen hatte, in die Welt hinaus posaunt, dass es dort blauen Cappuccino gäbe, so dass sich SuM nach und nach zu einem Fremdenverkehrsmagneten entwickelt hat.
„Gut so!“, sagte der Apotheker. „ Es drohte sich ja schon der Inzest ausbreiten!“
„Gut so!“, sagte auch der Schauspieler, dessen kleines Theater nun auch von Menschen von außerhalb besucht wurde, welches er ganz dem Trend gehorchend von „Piccolo Theatro Violetta“ in „Piccolo Theatro Blu“ umbenannt hatte und selbst fortan nur noch blaue Kostüme trug und sich mit blauen Pfauenfedern schmückte.
„Gut so!“, sagte auch Karla Vivaldi, die alles andere als mit dem berühmten Komponisten verwandt ist, eine junge Lehrerin aus Firenze, die sich beim Besteigen des Monte Blu in den Hobby-Bergführer Alfredo Carbone verliebt hatte, den man in SuM aber nur „Al Dente“ nennt, weil er hauptberuflich der Spagetti-Chef der kleinen Pasta-Fabrik am Fuße des Monte Blu ist. Alfredo hört sich aber lieber „Al Freddo“ – „der Kalte“ gerufen, weil er sich gerne als der Al Capone von Solo un Monte sieht, zumindestens was dessen Hutmode angeht. Neider nennen ihn deshalb auch oftmals „Al Carbone“ – „die Kohle“, woraufhin ihnen Alfredo – Sie verzeihen! - Al Freddo natürlich – nur die kalte Schulter zeigt.
„Gut so!“, sagt auch Claudia, die saftigste Serviererin unter der Sonne – so der poetische Umberto. „Da bekommt man endlich mal eine andere Hand auf den Arsch! Nicht nur diese Apothekerpfoten!“
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