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Heinrich der Löwe gründete die älteste Bruderschaft Deutschlands

Hannover: Misburg | Über dieses Ereignis berichtet Bruder Juan Carlos Blanco Varela gemeinsam mit Bruder Wolfgang Illmer. Beide sind Chronisten, die nach vielen Recherchen beim Verfassen der Misburger Chronik, (2007-2012) auf diese für Misburg bedeutende historische Handlung in der Kapelle der Mudzborgh gestoßen sind. Dort, wo heute in Misburg die St Anna-Kirche steht, gründete am Gründonnerstag, dem 25. März 1182, der Herzog von Sachsen und Bayern die Bruderschaft der Mudzborgh als eine ritterliche Bruderschaft, die die gefährliche Reise der Herzogfamilie ins Exil nach England sichern sollte. Diese Geschichte war über viele Jahrhunderte verschollen, bis die beiden Chronisten im Jahr 2009 darauf stießen. Und so beschlossen sie am 17. Oktober 2009, die Bruderschaft der Mudzborgh wieder zum Leben zu erwecken. An diesem Tag im Oktober besiegelten beide die Neugründung der Bruderschaft der Mudzborgh unter dem Kreuz vor der St. Anna-Kirche.

(Fortsetzung von: Heinrich sah die imposante Mudzborgh zum erstenmal)
Mathilde und die Kinder nahmen ihr erstes Tagesmahl in der Kemenate ein. Dort war auch das Gesellschaftszimmer der Frauen und das Spielzimmer der Kinder. Hier blieben sie auch die meiste Zeit, sie spinnten die Wolle, webten Tücher und nähten Kleider, während die Kinder unbesorgt zusammen spielten. Ab und zu sahen sie aus dem Fenster, um die Soldaten zu beobachten, die ihre Trainingseinheiten absolvierten, dabei lachten sie öfters und amüsierten sich sehr. Mathilde wusste, dass ihr Gatte mit der Reise ins Exil sehr beschäftig war, auch das er auf die Hilfe der Mudzborgh-Ritter angewiesen war, aber im Moment wollte sie diese Sicherheit in der Mudzborgh genießen, hier fühlte sie sich mit ihren Kindern sicher, geborgen und glücklich wie in vergangenen Zeiten in der Burg Dankwarderode.

In der Zwischenzeit hatten die Ritter ihr Morgenmahl zu sich genommen. Heinrich stand plötzlich auf und begann zu erklären weshalb er in großer Eile zur Mudzborgh gekommen ist. Heinrich sprach über das Motiv und warum er in der Mudzborgh um notwendige Hilfeleistung bitten musste: „Euch ist sicher bekannt das mein Vetter der Kaiser Friedrich I. Barbarossa, alle von mir eroberten Ländereien und auch alle Lehen, die mein Herzogtum vom Kaiser erhielt, aberkannt hat. Das war noch nicht genug, er ließ mich ächten. Damit hat er mich als vogelfrei deklariert, ich und meine Familie waren gegen Repressalien nicht mehr sicher, ich hatte Angst um sie, deshalb habe ich mich für die Flucht ins Exil entschieden", der Herzog erzählte mit traurigem Blick weiter über seine Lage, er musste fast gegen die Tränen kämpfen, dadurch wurde seine Stimme etwas leiser und sprach weiter: „Ich, sowie meine liebe Gattin Mathilde und meine lieben Kinder, müssen sofort, bevor meine Flucht erkannt wird weiter. Etwa in drei Tagen wird ein Schiff aus England in Brema (Bremen) einlaufen, das wir unbedingt erreichen müssen. Es wird etwa 9 Tage am Hafen ankern und auf uns warten. Dieses Schiff soll uns nach England bringen, wenn wir es nicht schaffen pünktlich dort zu sein, segelt das Schiff ohne uns aus. Für diese Fluchtreise nach Brema (Bremen) benötigen wir ein sicheres Geleit, meine Flucht soll unentdeckt bleiben. Ich bin mir sicher, der Kaiser und alle meine Feinde, spionieren alle Wege und haben Truppen auf mich angesetzt, deshalb soll alles was wir besprechen ein Geheimnis zwischen uns bleiben, selbst der Besitzer der Mudzborgh, Bischof Adelog darf davon nichts erfahren. Unser Leben hängt davon ab, ich bitte euch um Beihilfe für dieses schwierige und gefährliche Unternehmen".

Als der Herzog Heinrich der Löwe mit seiner rührenden Rede fertig war, erhoben sich alle fünf Vertrauten mit hochgehaltenem Schwert in der Hand, sie beugten ihr Haupt vor dem großen Fürst und sprachen die Worte von Dietrich nach, es hörte sich wie ein Schwur an: „Immer habe ich mein Schwert als ein Ritter in Sachen von Gerechtigkeit eingesetzt und jetzt stehen wir bereit, um meinen Herzog bis zum Tode zu dienen, möge Gott euch und eurer Familie bis zur Exilheimat begleiten, wir werden alles was in unserer Macht steht unserem Herzog der Sachsen und seiner Familie, mit unseren Blut bis zum Tode verteidigen". Mit versteinertem Gesicht hörte sich Heinrich diesen Treueschwur seiner Vertrauten an und erwiderte: „In der Zeit, in der jetzt meine Familie in der Kemenate ist, werden wir zusammen in die Burgkapelle gehen, wir werden einen Geheimbund eingehen un gleich eine Bruderschaft für diese gefährliche Aufgabe ins Leben rufen".

Herzogin Mathilde und die Kinder waren fertig mit dem Morgenmahl, aber zusammen mit den anderen Frauen und Kindern blieben sie weiter in dem Gesellschaftsraum. Die Kemenate war gut beheizt, dort befand sich ein großes Kaminfeuer, wo die Frauen ihre Näharbeiten verrichteten während die Kinder spielten. Die Kemenate der Mudzborgh war der angenehmste Raum, ein intimer Gesellschaftsraum für die Familie der Burgbewohner. Für die Unterhaltung der Frauen und Kinder, hatte Kastellan Dietrich den Burggaukler Zwerg „Capito" beauftragt, in der Kemanate seine Kunststücke vorzutragen, er zauberte Kaninchen und Tauben aus einem alten Hut, konnte Feuerspucken und vieles mehr. Die Frauen lachten viel und laut darüber und die Kinder waren von den Kunststücken hellauf begeistert, besonders die Becherspiele, die der kleine Gaukler Capito mit Schnelligkeit und großer Geschicklichkeit absolvierte.


Der Herzog Heinrich der Löwe suchte die Bestätigung eines Bundes durch einen Geheimschwur in der Burgkapelle.

Wie bereits erwähnt, dieser Gründonnerstag, der 25. März 1182, war ein sehr merkwürdiger Tag, ein historischer Tag in der Geschichte der Mudzborgh und der Dynastie der Welfen. Der Herzog Heinrich der Löwe begab sich zusammen mit den fünf Hauptmännern der Mudzborgh in die Burgkapelle. Es war kalt in dem Gewölbe, aber alle spürten die Wärme und die Nähe Gottes. Der Altar war für die Abendmesse vorbereitet. Als sie eintraten sahen sie den Kapellan vor dem Altar betend knieen. Der Kapellan wandte sich Jesus am Kreuz zu mit den Worten: „Ich glaube fest, du bist Gottes Sohn, du hast dich an einem Tag wie heute vor mehr als tausend Jahren für alle Menschen kreuzigen lassen, du hast dich für uns alle geopfert, dafür möchte ich dir danken". Ganz leise, um nicht bei dem Gebet zu stören, postierten sich alle sechs in einem Halbkreis vor dem Altar. Der Kapellan Ingowert bemerkte gleich, dass er nicht allein in der Kapelle war, er erhob und drehte sich mit den Worten „Willkommen im Gotteshaus, der Friede sei mit Euch". Alle antworteten „Amen". Danach sprach Dietrich: „Wir sind hier mit dem Herzog Heinrich der Löwe und möchten vor dem Alter ein Gebet zu Ostern sprechen, wir hätten dies gern ganz allein getan". Da schaltete sich Heinrich sofort ein: „Mein treuer Freund Dietrich, ich denke der Kapellan sollte als Zeuge in diesem historischen Moment dabei sein, er könnte unser Vorhaben danach in Gottes Namen seinen Segen geben".

Alle schauten sich an, da sagte Dietrich: „Ihr habt Recht mein Herzog, wir haben auch nichts dagegen das der Kapellan Ingowert bei uns bleibt, es ist sehr schön das er uns danach den Segen erteilt, wir wissen, nachdem er den Segen in Namen Gottes erteilt hat, nichts weiter erzählen wird, als Priester ist er verpflichtet darüber zu schweigen". Kapellan Ingowert antwortete: „Ich werde am Kreuz hinter dem Altar stehen, werde alles ganz ruhig verfolgen und wenn ihr mit eurer Zeremonie durch seid, werdet ihr euch in einer Reihe vor den Altar stellen, ich werde dann nach vorn zu euch kommen und im Namen Gottes Euch den Segen erteilen".

In der Kapelle war alles für die Abendmesse vorbereitet, das letzte Abendmahl Christi mit seinen Jüngern sollte gefeiert werden. Der Altar war bestückt mit Korporal, Abendmahlskelch, Messbuch (Evangeliar), eine Schale mit noch nicht konsekrierten Hostien, ein Gefäß mit Weihrauch, rechts und links standen Kerzenständer. An der Wandmauer hinter dem Altar hing ein großes Holzkreuz. Auf dem waagerechten Balken war schwarz der Name „INRI" eingebrannt. Bei der Kreuzigung Christus hatten die Römer ein Schild mit der Aufschrift „INRI" angebracht, damit machten sie sich über den Gottessohn lustig, da diese Aufschrift bedeutet: Jesus von Nazareth König der Juden.

Wir werden in etwa die Burgkapelle der Mudzborgh beschreiben:

Die Burgkapelle war ganz schlicht und sehr fromm ausgestattet. Es war eine typische Kapelle aus der Epoche der Ottonen. Damals verfügten die Burgen über ganz einfache und kleine Kapellen für eine Andacht, sie waren nicht für regelmäßige Gottesdienste gedacht. Es wurden Taufen vorgenommen, die Beichte abgenommen. Es war einfach ein Refugium der Besinnung für die Burgbewohner. Der Altar der Kapelle der Mudzborgh war einfach ausgestattet, es war ein Altar aus Stein, dahinter an der Wandmauer hing ein ganz schlichtes Holzkreuz. Drei Doppelreihen mit Sitzbänken für etwa 20-25 Gläubigern, links vom Altar neben dem Ausgang der Kapelle zur Burg, lagen zwei zusätzliche kleine Sitzbänke um die Beichten vorzunehmen. An der rechten Seite an der Wandmauer neben dem Tor, dass zum Hof der Burg führte (von dort aus gelangten die übliche Burginsassen in die Kapelle) hing eine kleine Statue aus geschnitztem Holz, es war die Figur des Heiligen St. Michael, ein Geschenk von Bischof Bernward an die Kapelle der Mudzborgh.

Alle sechs knieten vor dem Altar eine zeitlang, in einem Gebet vertieft. Dann erhob sich die Stimme Heinrichs:
„Treue Freunde, meine treuen Diener, für diese wichtige und gefährliche Reise ins Exil nach England möchte ich mit Euch eine Bruderschaft ins Leben rufen. Da sie hier in dieser Burgkapelle gegründet wird, soll sie „Bruderschaft der Mudzborgh" genannt werden. Wir werden ein Geheimbund für eine gottgerechte Sache schwören". Alle standen mit einem ernsten Gesicht da, Heinrich sprach weiter: „Wir werden jetzt ein Halbkreis vor diesen heiligen Altar bilden, ziehen unser gerechtes Schwert aus der Scheide und gehen mit dem linken Knie nieder, wir beugen unser Haupt über das Schwert und ihr sprecht mit mir das Schwurgelöbnis nach:
„Ich schwöre bei Gott, der Bruderschaft der Mudzborgh die ewige Treue und bete täglich an meinen Gott, dass er mich von verräterischen Taten und Gedanken abhält und dass er mir die Kraft und den Mut gibt, meinen Brüdern Hilfeleistung zu geben in jeder notleidenden Lage".
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