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Die Zeit nach dem Bau der Mudzborgh.

Hannover: Misburg | Der Historiker und Chronist Juan Carlos Blanco Varela mit der Unterstützung des Chronisten und Publizisten Wolfgang Illmer, beide sind Brüder in der Bruderschaft der Mudzborgh, berichten weiter über den Zweck des Baus der Mudzborgh und den Dienst der Festung als Schutzbastion und Sicherheit für Menschen, Kirche und Land, eine Leistung in einer Zeitspanne, die mehr als 500 Jahre (1013-1523) andauerte und die immer noch in der Geschichte Misburgs unvergesslich bleibt.

Es gab viele Höhepunkte in der Zeit, in der die Mudzborgh als eine imposante Festung, für Sicherheit im Gebiet des Bistum Hildesheim sorgte. Als die Nordmänner (Wikinger) sich für die Eroberung Englands entschieden, haben die Menschen aufgeatmet, das Schlimmste war damit vorbei. Aber es begannen danach andere Probleme, das Mindener Stift forderte wieder Landansprüche und stellte sich erneut gegen den geregelten Verlauf der Grenzen. Das führte wieder zu Spannungen. Eine der Aufgaben der Mudzborgh war die Sicherung der festgesetzten Grenzen zu garantieren, das war auch eine sehr wichtige und bedeutende Aufgabe im Sinne der Bischöfe von Hildesheim. Wir wissen, das Bistum Hildesheim hatte sehr gute Kontakte zur Kaiserkrone in der Zeit der Ottonen. Als mit Heinrich II. der letzte Kaiser der Ottonen starb, war die Linie der Ottonen als regierende Dynastie zu Ende.

Es begann die Regierungszeit der Salierkönige. Die Bischöfe von Hildesheim versuchten sich mit der Dynastie der Salier gut zu verstehen, um ihre Machtposition und auch die Integration des Territoriums des Bistums zu erhalten. Es war König Heinrich III. (Salier), der im Jahr 1069 die Macht über den Gau Astfala dem Bischof Hezilo von Hildesheim übertrug. Zur Erhaltung der Macht des Bischofs Hezilo von Hildesheim war die Mudzborgh (Misburg) ein bedeutendes und wichtiges Bollwerk für die Sicherheit und für die Erhaltung der Bistumsgrenzen. Die Mudzborgh war nicht nur für den Schutz von fremden Angriffen zuständig, sondern auch für die Sicherheit des Bistums und die Sicherung der Grenzen, besonderes gegen die Landansprüche des Mindener Stifts, zu verteidigen.

Wir wollen uns aber erst einmal mit dem Vorgänger vom Bischof Hezilo befassen. Zwischen 1044 und 1054 war Azelin der Bischof von Hildesheim. In seinem Pontifikat hatte sich ein schwerer Brand im Hildesheimer Dom ereignet. Bei diesem schweren Brand, ist unter anderem die Dombibliothek und das Bistumsarchiv ein Opfer der Flammen geworden. Fast alle wichtigen Dokumente sind auf einmal zu Asche geworden. Diese Katastrophe geschah am 23. März 1046, in der Zeit des Pontifikat von Azelin, der 16. Bischof von Hildesheim. Fast alle wichtigen Dokumente wurden vernichtet, darunter auch die Urkunden über die Festlegung der Bistumsgrenzen und auch der für uns ganz wichtigen Dokumente und Pläne über den Bau der Mudzborgh. Bischof Azelin begann sofort mit der Behebung des Schadens. Zuerst widmete er sich mit der Reparatur am Hildesheimer Dom, starb aber vor der Vollendung und es war Bischof Hezilo der alles zu Ende brachte. Nachdem alles wieder ziemlich restauriert wurde, begann er mit der Rekonstruktion der verlorenen Dokumente. Einige wurden durch die Krone erneut bestätigt, die Urkunde der Grenzregulierung von 983, wurde von zwei Mönchen unter Eid rekonstruiert. Ob sich alles so zugetragen hat, wie sie es beschrieben haben, ist nicht sicher?, wir müssen es aber akzeptieren.

Die Dokumente über den Bau der Mudzborgh, hat Bischof Hezilo nicht rekonstruieren lassen, er war der Meinung, dass es automatisch dem Bistum Hildesheim gehört, da die Burg sich in dem Gebiet des Bistum Hildesheim befindet. Innerhalb der Grenzen, die durch König Heinrich III. (Salier) als Hildesheimer Gebiet bestätigt wurden sagt man: was sich auf meinem eigenen Land befindet, ist mein Eigentum. Es ist trotzdem schade, das diese Dokumente über den Bau der Mudzborgh, damals nicht rekonstruiert wurden. Bestimmt hätten wir viel mehr über den Bau der Mudzborgh gewusst und auch viel mehr über die historischen Momente berichten können.

Im Jahr 1115 ist Linden in Verbindung mit der Mudzborgh gegründet worden.

Im Jahr 1155 wurde der heutige Stadtteil Hannover-Linden durch Graf Wedekind von Schwalenberg ins Leben gerufen. Graf Wedekind von Schwalenberg befand sich auf dem Weg Richtung Linden (damals noch keine Siedlung). Dort befand sich eine sehr alte und große Linde. Hier wollte er, wie es damals üblich war, Gericht halten. Die Sachsen hielten ihre Gerichte immer unter Bäumen ab, besonders unter alten und mächtige Eichen und Linden. Im Glauben der Germanen waren diese Bäume die Verbindung zwischen der Erde und ihren Göttern.
Der Graf und seine Begleiter wurden von einer Bande von Wegelagerer bedroht und mussten auf einem anderen Weg flüchten. Nach einem sehr langen Ritt kam der Graf in das Grenzgebiet der Mudzborgh. Er und sein Gefolge wurden von einer Grenzwache der Mudzborgh gestellt. Der Graf gab sich sofort zu erkennen, danach wurden alle zur Mudzborgh geleitet. Graf Wedekind bat den Kastellan der Mudzborgh um sicheres Geleit, so konnte er unter der Linde sein Volksgericht abhalten. Aus dieser Gerichtstagung des Jahres 1115 ist Linden entstanden. Heute ein ganz berühmter Stadteil von Hannover .

Wir machen einen kurzen Zeitsprung ins 12. Jahrhundert und befinden uns in der Epoche in der die Dynastie der Hochstaufer mit Kaiser Barbarossa das deutsche Kaiserreich regierte.

In der Zeit als Friedrich I. Barbarossa als Kaiser des römisch-deutschen Reiches regierte (1155-1190), war Ritter Dietrich I. v. Alethen (später v. Alten) der Kastellan der Mudzborgh des Bistum Hildesheim. Ritter Dietrich I. v. Alethen stammte aus einer Sippe der Ur-Mudisasachsen (sie hatten den Namen Alethen, aus dem „Althing" abgeleitet angenommen). Sie waren eine Dienstmannsgeschlecht-Familie, Vasallen des Bichhofs von Hildesheim. Die v. Alethen waren die ehemaligen Besitzer des Velberschen Bruchs. Später „Sick" oder auch „Sekbruch" genannt, auf dessen Gelände die Mudzborgh gebaut wurde. Auf Wunsch von König Ludwig der Fromme wurde dieses Stück Land im Jahr 815 für die Diözese Hildesheim als Landaustattung ins Bistum integriert. Im Rahmen dieser Schenkung von König Ludwig der Fromme, übertrugen die v. Ahlten als Besitzer, dieses Land dem Bistum Hildesheim und erhielten es später wieder als Lehen zurück.

Ritter Dietrich I. v. Alethen war der Kastellan der Mudzborgh, in der Zeit wo die Fehde zwischen Kaiser Barbarossa und seinem Vetter Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, ausgebrochen ist. Damals war das Pontifikat von Bischof Adelog von Hildesheim (1171-1190) und es gab viel Ärger zwischen den Bischof und dem Herzog. Es ging um das Land des Bistums, dass der Welfenherzog für sich einvernehmen wollte, darum hat sich Bischof Adelog in dem Streit zwischen Kaiser und Herzog, auf die Seite des Kaisers gestellt. Dagegen war Ritter Dietrich von Alethen ein ehemaliger treuer Kämpfer und Freund von Heinrich der Löwe. Doch er hielt sich mit seinen Äußerungen gegenüber dem Herzog zurück, da er der neue Ministeriale des Bistum Hildesheim werden sollte und wollte diese Aufgabe nicht gefährden.

Der Standort der Kapelle der Mudzborgh, befand sich damals dort, wo sich heute die St. Anna-Kirche in Misburg befindet, ein wichtiger Ort der Besinnung, damals wie heute. Hier, wo heute die katholische Gemeinde betet, beteten damals die Burgherren und auch die Hildesheimer Bischöfe. Die Burgkapelle war der Lieblingsort von Bischof Bernward, der gern im Sommer in der Mudzborgh zu Besuch war. Für die Bruderschaft der Mudzborgh ist dies der heilige Ort überhaupt, denn die Bruderschaft wurde hier im Jahr 1182 hier gegründet.

Auszug aus der Chonik Misburg 2012 „Ursprung bis Gegenwart“:

„Zum alltäglichen Leben in der Burg gehörte auch der „Kapellan". Er nahm die Beichten ab und hielt Gottesdienste. Die Burgkapelle wurde immer besonders geschmückt, wenn der Bischof von Hildesheim zu Besuch in die Mudzborgh kam, aber auch wenn sich ranghohe Gäste in der Burg aufhielten."


Zu Ostern 1182 suchte Herzog Heinrich der Löwe und seine Familie in Eile Schutz in der Mudzborgh.

Diese Geschichte ist ein wichtiger Teil in der Geschichte der Dynastie der Welfen (heute die älteste adlige Dynastie Europas). Ohne die Mudzborgh und die Gründung der Bruderschaft der Mudzborg, stand damals der Fortbestand der Welfen in größter Gefahr. Mit diesem Beitrag versuchen wir die damaligen historischen Momente zu rekonstruieren und Klarheit zu geben:

Seit dem Italienfeldzug von 1155, in dem Heinrich der Löwe in Rom seinem Vetter Friedrich I. Barbarossa entscheidend zur Kaiserkrone verhalf, begann Heinrich mit Bewilligung des Kaisers sein Land ständig auf Kosten von anderen Herzögen und Bischöfen, agressiv zu vergrößern. Das Herzogtum von Heinrich, Sachsen und Bayern wurden ständig grösser und mächtiger. Die Beschwerde über diesen agressiven Landhunger des Welfenherzogs, wurde fast von allen deutschen Fürsten und Bischöfen beim Kaiser angezeigt, doch der Kaiser ignorierte alle Klagen, das führte dazu, das Heinrich der Löwe immer mächtiger wurde, so mächtig, das er sogar dem Kaiser und der Kaiserkrone bald zu gefährlich wurde.

Wir sind sicher, diese Intrigen im Deutschen Reich, dieser damalige schwere Streit zwischen Kaiser und Herzog, war auch ein Kampf zwischen den damaligen starken Reichsdynastien der Welfen und Hochstaufer. Dabei haben sie etwas verkannt, etwas was bald die Politik des Reiches ganz entscheidend verändern würde, die Erhebung der Bürger der Städte, die damals „Freie Bürger" sein wollten und in „Freien Städten" leben wollten. Es war eine Revolte des Bürgertums gegen die Feudalherrschaft und Kirchenordnung. Später wurde mit der Bildung von „Städtebunden" die Freiheitsbestrebungen und auch die Macht der Städte noch verstärkt. Über diesen neuen Trend, der mit den italienischen lombardischen Städten begann, leistete der Kaiser und auch Herzog Heinrich der Löwe kaum Aufmerksamkeit, sie waren durch den eigenen Streit beschäftigt. Doch es war von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung des Reiches. Kaiser Friedrich I. Barbarossa hielt es am Anfang für einen kleinen Aufstand der Bürger, der dann für ihn gefährlich wurde als die lombardischen Städte sich zum Bund vereinten und dem Kaiser die Zahlung von den abgemachten Steuerzahlungen verweigerten. Darüber war der Kaiser verärgert, ohne diesen Steuern aus dem Süden, war das deutsche Kaiserreich finanziell entscheidend gefährdet.
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