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Die Thüringer und die Sachsen, eine Zweckgemeinschaft?

Hannover: Misburg | Ein Beitrag des Chronisten Juan Carlos Blanco Varela (Zeremonienmeister der Bruderschaft der Mudzborgh), mit Unterstützung des Publizisten und Chronisten Wolfgang Illmer (Gran Canciller der Bruderschaft der Mudzborgh) über die Geschichte und Kultur Misburgs.

Die Varus-Schlacht lag weit zurück, die Römer konnten nicht mehr Germanien erobern, die Mudisa-Germanen lebten danach in Frieden weiter. Etwa Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. trafen mehrere Sippen von Thüringer in unser Gebiet ein, sie waren auch ein Germanenstamm, darum wurden sie im Gebiet Mudisa geduldet. Es kamen aber immer mehr dazu, sodass unser Gebiet Mudisa in das Reichsterritorium der Thüringer integriert wurde. Mudisa wurde ein Teil von Thüringen. Im Jahr 250 n. Chr. bauten die Thüringer eine größere Siedlung und gaben ihr den Namen des Gebietes „Mudisa". Etwa 40 Familien wohnten in Sippen in dem Dorf in der Nähe der Götter, dort in der Nähe der Sümpfe wo die Göttin Nerthus ihr Reich hatte.

Mudisa - von der heutigen Waldstraße bis zur Kreisstraße

Das Dorf erstreckte sich auf einem Dünenzug, der sich von der heutigen Waldstraße bis zur Kreisstraße erstreckte. Es lag quasi auf einer Insel inmitten von Sumpf und Moor, von einem dichten Wald (Nordwald) umgeben, ein Waldgebiet, das von der Leinemasch bis nach Braunschweig reichte. Die strategische Lage der thüringischen Siedlung bot Schutz und Siedlungskonstanz für viele Jahre und etliche Generationen, weil sie im besten natürlichen Schutz lag. Neben der Siedlung entstand der „Ahnenfriedhof“ (siehe der Urnenfriedhof in Misburg, Chronik Misburg 2012).

Die gesamte Gemarkung Mudisa war danach thüringisches Reichsgebiet, ein magischer Ort seit der Ankunft der ersten Germanenstämme. Die Thüringer bestatteten Ihre Toten, indem sie sie vorher verbrannten, die Asche wurde dann in Keramik-Urnen gefüllt und vergraben. Solch ein Urnen-Friedhof wurde im Jahr 1958 in Misburg entdeckt. Dort lagen als Zeugen der Zeit die Keramik-Vasen aus dem 4./5. Jahrhundert. Dieser Fundort der Grabstätte ist der Beweis der damaligen Existenz der mystische Siedlung „MUDISA", die Heimat und der Ort des Althing der Germanen-Stämme.

Der römische Geschichtsschreiber Flavius Vegetius Renatus, war ein Theoretiker der Kriegskunst, er gehörte zum Ende des 4. Jahrhunderts zur hohen römischen Patrizierfamilie. Seine Stärke war die Kriegstheorie und die Pferdeheilkunde (heute würden wir Veterinär dazu sagen). Einer seiner besten Sprüche war damals: „Was für den Feind zum Vorteil ist, ist ein Nachteil für dich und was dir hilft, schadet deinem Feind". Flavius Vegetius Renatus, nannte die Thüringer „Thoringi", andere meinten der Name sei eine keltische Sprache und heißt so viel wie „Teurier". Es wird aber erzählt das Tacitus bereits im Jahr 98 als Berichtsausstatter über ein Land der „Thoringier" schrieb und nannte die Bewohner „Söhne Thors".

Am Ende des 3. Jahrhunderts traten die Sachsen in Erscheinung. Sie kamen von der Nordsee, von der kimbrischen Halbinsel. Das Eindringen der Sachsen nach Norddeutschland ist vielen Wissenschaftlern noch ein Rätsel. Wir wissen, dass die Sachsen, genauso wie später die Wikinger, auf See die Küsten Europas bis weit nach Spanien unsicher machten. Dadurch kamen sie auch in Kontakt mit den Römern und anlässlich der Kriegszüge gegen die Römer erhielten sie den Namen „Saxen", bekannt durch ihr kurzes Schwert das „Sax“. Sie wurden von den Römern als „Saxnot-Söhne" bezeichnet. In diesem 3. Jahrhundert sind sie in das Gebiet der Thüringer um Mudisa, massiv eingedrungen. Sie taten es aber friedlich, da sie hier ihre neue Heimat suchten. Sie begangen die Tauschgeschäfte in beidseitigem Interesse und deshalb wurden sie von den Thüringern geduldet. Die Thüringer ahnten nicht dass die Sachsen sich in diesen Gebiet ganz etablieren (Niederlassen) wollten.

Optolomäus, ein Grieche, der in Alexandrien geboren ist, lebte in der Regierungszeit des römischen Kaisers Mark Aurel (161-180 n. Chr.). Er war der erste der über das Volk der Sachsen berichtete. Er bestimmte als Heimatort der Sachsen die kimbrische Halbinsel. Vieles was Optolomäus über die Sachsen sagte, wurde durch Gregor von Tours (538-594) später bestätigt. Er sagte das sich im 5. Jahrhundert neben den Friesen und Angeln, auch die Sachsen in Britanien ansiedelten.

Die Hunnen wüteten in Westeuropa

Im 5. Jahrhundert kam Unruhe in den Gebieten der Germanen-Stämme auf. Das schreckliche Volk der Hunnen mit ihrem König Attila, ein Nomaden-Volk aus den Steppen im Osten (Ungarn), drangen mit Gewalt raubend und mördernd in Westeuropa ein. Dort wo sie wüteten, standen die Siedlungen in Brand und der Tod zählte viele Opfer (man erzählte, dort wo die Hufen der Pferde traten, wuchs kein Gras mehr). Die Germanen flohen in Eile davon und verließen ihre natürlichen Gebiete, Die Hunnen verursachten die größte Wanderbewegung der Völker Richtung Süd- und Westeuropa. Die Langobarden in ihrer Heimat um Bardowik verließen in Panik ihren Heimatort und flohen vor der Brutalität der Hunnen gen Süden. Sie nahmen den Weg Richtung Italien (Lombardei).

Der Druck vom Attila König der Hunnen, verursachte die größte Bewegung der Germanen Richtung Westen und Süden. Der Weg der Langobarden führte durch das thüringische Territorium. Die Thüringer und Sachsen fühlten sich ebenfalls bedroht, die Friesen und Angeln mit ihrem Expansionsdrang von Norden der Nordsee nach Westen, machten die damalige Situation im Gebiet Mudisa sehr bedrohlich. Thüringer und Sachsen verteidigten gemeinsam das Gebiet Mudisa, die Langobarden zogen rasch vorbei Richtung Süden und Gott sei Dank wählte Attila einen anderen Weg, um nach Rom zu gelangen und machte einen Bogen um Mudisa. Danach verstärkten die Thüringer die Siedlung Mudisa mit einem Palisadenzaun, um sich auch vor den Sachsen zu schützen, die danach einen Anspruch auf ihr Stück Heimat erhoben.

Die Hunnen waren ein Nomadenvolk aus den ungarischen Steppen, sie waren alle ausgezeichnete Reiter. Attila war etwa ab 434 König, zuerst gemeinsam mit seinem Bruder. Attila beschloss eine neue Heimat im Süden Europas zu suchen, dafür unternahm er mehrere Kriegszüge, die er mit ungewöhnlicher Härte duchführte. Gestoppt wurde er nach vielen Jahren, 451 in der Schlacht an den katalaunischen Feldern, dort in der Nähe von Troyes wurde er durch den Feldherr Flavius Aetius mit der Hilfe der Westgoten, Burgunder und Franken besiegt und ihre Kriegszüge gestoppt. Danach berichtete der römische Geschichtsschreiber Ammanius Marcellinus über die Brutalität der Hunnen: „Dieses Volk übertrifft sämtliche Barbareien an Wildheit".

Die Sachsen sind sympathische Schlitzohren

Kaum ein anderes Volk hat das heutige Niedersachsen so geprägt wie die Sachsen. Ihre Spuren der Geschichte sind überall verstreut, man kann sagen sie waren immer ein Volk mit eigenen Ideen des Zusammenlebens in einer eigenen Kultur. Vieles aus der Zeit ist in Niedersachsen immer noch geblieben. Mudisa ist ohne Frage das Kerngebiet des sächsischen Sprachraums. Man kann nicht sagen von wem dieser folgende Spruch kommt, vielleicht vom den Stamm der Thüringer: „Die Sachsen sind sympathische Schlitzohren".

(Fortsetzung folgt)
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