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Die Schlacht um das Gebiet Mudisa (das heutige Misburg)

Hannover: Misburg | Ein Beitrag vom Chronisten Juan Carlos Blanco Varela (Zeremonienmeister der Bruderschaft der Mudzborgh) mit der Unterstützung des Publizisten und Chronisten Wolfgang Illmer (Gran Canciller der Bruderschaft der Mudzborgh), über die Geschichte und Kultur Misburgs. Wie und wann entstand unser Heimatort Misburg? Diese Bericht ist eine detaillierte Wanderschaft durch die Zeit und beginnt 12.000 Jahre vor unser Zeitrechnung bis zur Gegenwart.

Als erstes chronologisch die historischen Bewegungen in der Entwicklung des Volkes der Sachsen, die unser Land Niedersachsen wie kaum ein anderes Volk entscheidend verändert und geprägt haben.

100-178 n. Chr.:
Die erste Beschreibung der Sachsen lieferte im 2. Jahrhundert der spätgriechische Historiker und Karthograf Ptolomäus. Er zeichnete auf einer Karte die Heimat der Sachsen auf der kymbrischen (Jutland) Halbinsel an der Nordsee.

257 n. Chr.:
Die Sachsen verheeren die Nordsee und die Atlantikküste bis Iberien. Sie drangen entlang der Flüsse in die römische Provinz Hispania (Spanien) ein. Dabei kamen sie öfters in schwere Konflikte mit den Römern.

300 n. Chr.:
Es gab einen Zusammenschluss germanischer Stämme, in der Zeit als die Sachsen friedlich in das thüringische Gebiet eingedrungen sind. In Mudisa wurden die Sachsen geduldet, sie machten Tauschgeschäfte mit den ansässigen Thüringern. Später stellten die Sachsen Landansprüche im Gebiet um Mudisa (Misburg). (Siehe Chronik der Sachsen und auch die Chronik Misburg 2012).

528-531 n. Chr.:
Mit Hilfe der Sachsen wurde das thüringische Reich von den Merowinger-Franken erobert. In dem Gebiet Mudisa war die erste Schlacht gegen die Thüringer und zwar dort wo sich heute die Anderter Schleuse befindet. Es war im Jahr 528, die Thüringer wurden von einer Kriegsallianz zwischen Merowinger und Sachsen vernichtend geschlagen. Wie mit den Merowingern abgemacht, bekamen die Sachsen das Gebiet von Mudisa bis zur Nordsee, die Thüringer haben sich nach Runibergun (Ronnenberg) zurückgezogen und die Siedlung Mudisa wurde sächsisch. Drei Jahre später 531 n. Chr. in der Schlacht an der Unstrut, wurden die Thüringer wieder vernichtend geschlagen, sie zogen sich danach hinter das Harzgebirge ganz zurück.

772 n. Chr.:
Beginn der 30-jährigen Sachsenkriege. Die Franken, diesmal die Karolinger mit König Karl der Große, erstürmten im Jahr 772, die Eresburg und zerstörten das Heilige Irminsul der heidnische Sachsen. Karl der Große zog bis zur oberen Weser und ließ sich von den Sachsenfürsten Hassio von Ostfalen und Bruno von Engern huldigen. Widukind der größte Fürst aus Westfalen, fehlte als wichtigster Sachsenfürst bei dieser großen Huldigung. Widukind wollte sich nicht unterordnen, er wollte für die Freiheit seiner Heimat gegen die Übermacht der Franken kämpfen. Er versteckte sich in der sicheren Siedlung Mudisa (das mystische Marklo), dort wo das Althing der Stammesfürsten stattfand. Der König der Franken der gern Widukind verhaftet hätte, verfolgte ihn, Karl kam in der Nähe von Mudisa vorbei, etwa 40 Meilen davor bog er in Richtung Paderborn ab, er hat die sächsische Siedlung Mudisa nie gefunden.

Die Schlacht um das Gebiet im Bereich Mudisa

Nach den Völkerwanderungen der Germanenstämme, die durch die Brutalität der Hunnen verursacht wurde, begann der Expansionsdrang der Friesen, Jüten und Angeln an der Nordseeküste Richtung Westen. Viele Sachsen, auch aus dem Gebiet Mudisa zogen zusammen mit den Angeln nach Britannien, sie gründeten dort das angelsächsische Volk. Die Bevölkerung der Sachsen auf Mudisa wurde bis etwa zur Hälfte reduziert. Das Leben in Frieden mit den Thüringern ging gemeinsam weiter. Die Bevölkerung der Sachsen vermehrte sich langsam und erreichten erst Anfang des 6. Jahrhunderts ihre Volksstärke wie vor der Völkerwanderung.

An dieser Stelle möchte ich folgende Erklärung geben:
Ein Zeugnis aus dieser Zeit zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert ist der Urnenfriedhof der Siedlung Mudisa (Misburg). An dem Platz liegt heute ein Gedenkstein mit der Inschrift „ZUR ERINNERUNG AN DEN MISBURGER URNENFRIEDHOF DER IN DER VÖLKERWANDERUNGSZEIT- ETWA 5. JH. N. CHR. – HIER AUF EINER DÜNE VOR DEM SECKBRUCH- DER SPÄTEREN HOFSTELLE NR. 11- ANGELEGT UND 1958 VON ANTON SCHOLAND AUSGEGRABEN WURDE.“
Der Heimatforscher und Chronist Anton Scholand hat viel für die Entdeckung der Geschichte Misburgs vollbracht, wir die Chronisten Juan Carlos Blanco Varela und Wolfgang Illmer möchten es hier mit großem Respekt bestätigen. Anton Scholand war vielleicht der Pionier, der die Verfassung der aktuellsten Chronik Misburg 2012 auch in diesen hohen Dimensionen, möglich machte. Aber wir möchten auch andere wichtige Menschen hervorheben die genau so viel für die spannende und schöne Geschichte Misburgs geleistet haben und kaum genannt wurden.
Einer dieser wichtigen Heimatforscher war Rudolf Niemeyer, er hatte sich körperlich eingesetzt bei den Ausgrabungen des Urnenfriedhofs in Misburg. Man sagt das er zusammen mit seinen Schülern der eigentliche Entdecker war, Anton Scholand hatte es an die Öffentlichkeit gebracht. Aber es war der Heimatforscher Rudolf Niemeyer der 1948 als Lehrer nach Misburg kam und derjenige war, der die Ausgrabungen führte, das möchten wir hiermit klarstellen. Es war auch der Lehrer Rudolf Niemeyer der seine Schüler immer mit der Geschichte Misburgs vertraut machte. Sie fanden im Jahr 1980 im Misburger Wald, Jagen 63, eine Siedlungstätte aus der Mittelsteinzeit. Er hat vieles für die Misburger Geschichte geleistet. Er starb im Jahr 1999.
Genau wie Anton Scholand, verdient Rudolf Niemeyer unseren Dank und Anerkennung und möchten ihn hiermit, als einer der großen Männer in der Geschichte Misburgs, darstellen.

Ein homogener Kampf um die Macht im Westen Europas

Alles begann in 6. Jahrhundert, in der Regierungszeit des Merowinger Königs Theoderich I. und dem thüringischen König Herminafried. Die Merowinger wollten das verkörpern, was das römische Imperium gewesen ist, aber auch die Alemanen und die Markomanen wollten das gleiche, es begann einen homogenener Kampf um die Macht in Westen Europas. Die Merowinger waren die erste Dynastie, die es versucht haben ihre Macht durchzusetzen und schafften es auch durch ihre Aggressivität, Kampfeinsatz und Ordnung. Jetzt standen die Thüringer im Weg. Die Merowinger versuchten mehrmals, aber ohne Erfolg das thüringische Reich zu erobern und zu zerschlagen.

König Theoderich I. war genau informiert über den Sachsenanspruch auf das Gebiet und die Siedlung Mudisa und durchdachte einen Plan. Er sah die Möglichkeit, seinen Plan im Jahr 528 durchzusetzen und schickte den Mudisa-Sachsen ein verlockendes Angebot. Wenn die Sachsen sein Angebot annehmen und in eine Kriegsallianz mit den Merowinger-Franken eingehen, würden die Sachsen nach der Zerschlagung des "apropians Terminis Thürigorum (Reich der Thüringer), das Land zwischen Harzgebirge und der Nordsee als Heimat erhalten. Der Plan ging auf, die Sachsen sind auf dieses Angebot ohne große Überlegung eingegangen. Es gab mehrere kriegerische Auseinandersetzungen mit der neuen Kriegsallianz gegen die Thüringer. Am wichtigsten war für die Mudisa-Sachsen die Schlacht (im Jahr 528) an der heutigen Anderter Schleuse. Dort wurden Gräber mit hinterlassenen Kriegsspuren (Anton Scholand berichtete seit 1927 in einer Chronik darüber. Auch alle anderen Chronisten wie Scholand, Bielecki, Juan Carlos Blanco Varela und Wolfgang Illmer, berichteten über dieses wichtige geschichtliche Ereignis). Als die Kriegsallianz der Merowinger und Sachsen siegten, übernahmen die Sachsen sofort die Siedlung Mudisa und die Thüringer flohen nach der vernichtenden Niederlage nach Runibergun (Ronnenberg), dort verschanzten sie sich.

Zwischen den Jahren 528-531 gab es viele andere Schlachten um die Eroberung des thüringischen Reiches. Erst nach der Schlacht an der Unstrut (531), wurden die Thüringer vernichtend geschlagen. Herminafried wurde mit dem Rest seines Volkes hinter das Harzgebirge vertrieben. Die Kriegsallianz mit den Sachsen haben die Merowinger verschwiegen und die Sachsen hinterließen nichts Schriftliches. Das wir etwas davon erfahren haben, verdanken wir dem Bericht von Gregor von Tours aus dem Jahr 538 sowie von Widukind von Corvey im Jahr 968 und den Quedlinburger Annalen im Jahr 1007. Wir sind heute dankbar, das sie darüber berichtet haben, es hat uns sehr geholfen um diesen Teil dieser wichtigen deutschen Geschichte zu rekonstruieren.

Die Merowingerfranken respektierten den Pakt der Kriegsallianz mit den Sachsen, bis die Linie der Karolingerfranken mit Karl dem Großen die Macht in dem Reich der Franken übernahmen.

Die Merowinger hielten Wort, sie hielten sich korrekt an die getroffenen Vereinbarungen der Kriegsallianz, sie respektierten den Pakt und überließen, wie vereinbart, den Sachsen das Nordgebiet. Sie verlagerten ihre Expansions-Aktivitäten in Richtung Westfrankenland, das spätere Frankreich, Burgund und Lothringen. Die Sachsen und ihre Götter zogen in Mudisa ein, im Reich der Moor- und Sumpfgöttin Nehrtus. Hier siedelten die Saxnot-Söhne mit ihren Göttern Wotan, Thohr und Saxnot, alle fühlten sich sehr wohl und verborgen in diesem heiligen Gebiet.

Für alle Sachsen blieb Mudisa der heilige und geheime Ort, hier wurden im Moor Opfer gebracht und einmal im Jahr, aber auch in Kriegszeiten fand hier das „Althing" die Stammesversammlung der Sachsen statt. Den Standort Mudisa hat kein Sachse preisgegeben, lieber starb er, dieser heilige Standort wurde niemals, von keinem Saxnot-Sohn verraten. Die Sachsen verstärkten die Palisaden der Siedlung, bauten ein Hintertor und in der Mitte der Siedlung setzten sie einen aus Holz gefertigten Beobachtungs-Wachtturm. Aus Sicherheit wurde die Siedlung von einem Wassergraben (dafür wurde Wasser aus dem Moorgebiet hingeleitet) umgeben.

Viele Jahre sind vergangen, die Sachsen lebten in Frieden, sie zahlten dafür Tribut an die Merowinger. In dieser Zeit kamen die slawischen Stämme immer dichter an das Land der Sachsen, gegen Ende des 7. Jahrhunderts waren die Merowinger Franken und die Goten die Mächte in Europa. Doch dann änderte sich die Politik der Franken ganz entschieden, die Lage im Zentrum Europas wurde kritischer, was war passiert?

Die Merowinger Könige hatten das Regieren an den Hausmeyer weitergegeben, sie waren danach nur symbolische Herrschafter. Der Hausmeyer Pipin, der Vater des berühmten König und Kaiser Karl der Große, übernahm das Erbe der Merowinger Könige. Er hatte zwei Söhne, Karl und Karlmann, die Brüder hatten sich nie verstanden. Karlmann war der Jüngere aber er stellte größere Ansprüche an die Krone und er behauptete, Karl wäre ein uneheliches Kind von Pipin, darum sei er die alleinige Erbfolge. Sie wurden starke Rivalen, das Verhältnis beider Brüder war sehr angespannt. Die Probleme verschlechteten sich, als Karlmann seinem Bruder die militärische Hilfe in Aquitanien (Westfrankenland) verweigerte. Karl der Große erledigte die Angelegenheit in Aquitanien allein und zog das gesamte Herrschaftsgebiet an sich.

Durch diesen brüderlichen Streit, herrschte Unruhe im Frankenland. Das Reich lag am Boden, Karl brauchte einen politischen Grund um das Frankenland zu festigen und zu einigen. Er fand es in der Kirche, dadurch das er gegen die heidnische Sachsen in ein Christianisierungskrieg zog, ließ er die internen Konflikte vergessen (das war immer so, hast du interne Probleme, dann beginne mit den Nachbarn Krieg und das Volk ist sich wieder einig) und das sächsische Volk musste für die Unruhen im fränkischen Reich mit vielen Toten und viel Blut einen großen Tribut dafür zahlen.

Im Sommer 772 überrannte Karl der Große das Reich der Sachsen. Damit begannen die Sachsenkriege. 32 Jahre dauerte der Freiheitskampf der Sachsen gegen eine militärische Übermacht der Franken.

Mit der Zerstörung des Irminsul, das größte Heiligtum der Sachsen (man weiss heute noch nicht genau, war es eine heilige Eiche? oder war es eine heilige Säule?, ich denke es war eine Säule denn „Irmin" ist gleich Arminius und „sul" heißt Säule deshalb „Irminsul", die „Säule des Armin" in der sächsische Sprache!), begann der Feldzug gegen die heidnischen Sachsen. Karl verkaufte es aber als einen Christianisierungs-Feldzug, damit versuchte Karl die inneren Unruhen und Konflikte im Land der Franken vergessen zu machen. Die Sachsen sind total überrascht worden, sie zahlten seit dem Pakt mit den Merowingern Tribute an die Franken, sie waren tributpflichtig aber keine Untertanen der Franken. Die Sachsen war ein Volk das fest an seinen uralten Traditionen festhielt, sie hatten eine eigene Kultur und eigene Götter, sie wollten nie christianisiert werden und auch nicht in das Frankenland integriert (eingegliedert) werden.

An dieser Stelle möchte ich erklären wie das Sachsenland aufgeteilt war: Das Kernland der Sachsen war in drei große Gauen aufgeteilt, Westfalen, Engern und Ostfalen (Mudisa lag in Ostfalen). Später kam Nordalbingien (Nordelbe) dazu. Jeder Gau hatte einen eigenen Fürst, der durch Losverfahren auf einem Althing gewählt wurde. Diese Hauptgaue, auch Kerngaue genannt (Gebiete oder Provinzen) hatten auch mehrere Untergauen (z.B. Mudisa lag in dem Untergau Fluthwiede des Kerngau Ostfalen), die durch Stammesadlige geführt wurden. In kriegerischen Zeiten wurde ein Fürst als Führer von allen Sachsen gewählt, für den Befreiungs- und Freiheitskrieg gegen die Franken, wurde Fürst Wiedukind von Westfalen gewählt. Folgende Fürsten haben damals in dem Kerngebiet der Sachsen regiert:

In Westfalen Fürst Widukind
In Engern Fürst Bruno
In Ostfalen Fürst Hassio

"Der eindringende Karl der Große war etwa 1,92 m groß, für die damalige Zeit ein Riese. Von 768 bis 814 war seine Eroberungszeit, er befand sich immer im Dauerkrieg. Nur zwei Jahre war es etwas ruhig, es gab keine Feldzüge, das waren die Jahre 790 und 807. Er wurde König der Franken, danach römischer Kaiser, er herrschte bis zu seinen Tod im Jahr 814 in ganzen Mitteleuropa sowie Teile in Italien und Spanien".

(Fortsetzung folgt)
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2 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 20.02.2018 | 00:52  
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Blanco Varela Juan Carlos aus Hannover-Misburg-Anderten | 26.02.2018 | 20:39  
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