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Der 30-jährige Krieg erreichte 7 Jahre nach Ausbruch (1625) auch das Dorf Misburg

Der 30-jährige Krieg wurde brutal ausgetragen, vom Prager Fenstersturz im Jahr 1618 bis zum westfälischen Frieden im Jahr 1648, stand das deutsche Land in völligem Chaos.

Als Folge von Religionskämpfen und ständigen Diskrepanzen zwischen Fürsten und Kaiser, wurde der Weg für einen langen und dauerhaften Krieg geebnet, der fast das ganze Kaiserreich in Schutt und Asche legte. Die ländlichen Orte waren ungeschützt, sie bekamen das größte Übel dieses Krieges mit, sie übernahmen eine ganz leidtragende Rolle in dieser sehr langen und brutalen Auseinandersetzung. Alles begann mit dem böhmischen Aufstand der am 23. Mai 1618 zum Prager Fensterwurf führte und dauerte 30 lange Jahre. Unsere Gegend war vorerst nicht so stark von dem Krieg betroffen wie die süddeutschen Gebiete. Unsere Bevölkerung litt trotzdem zwischen 1625 und 1647 unter den Grolltaten der immer wieder lagernden oder durchziehenden Söldnertruppen (Soldadeska), die in den Dörfern wie eine Heuschreckenplage einfielen und in einer kurzen Zeitspanne alles restlos plünderten. Diesen Söldnern war es gleichgültig ob es sich um freund- oder feindliche Dörfer handelte.

Wer war dieser mächtige Leutnant Putzstohl?:

Anfang des 17. Jahrhunderts kam Leutnant Putzstohl (1603-1673) nach Misburg. Über sein Leben in unserem Dorf wird wenig berichtet, doch er musste eine wichtige und mächtige Person gewesen sein. Als Dank für seine Verdienste im 30-jährigen Krieg bekam er das beste Grundstück in Misburg. Er baute sein Wohnhaus an der Stelle, wo sich früher die Hauptgebäude der Mudzborgh befanden. Später wurde es als Hof Nr. 7 aufgeführt. Dieses Grundstück wollten auch die 3 Vollmeier als Meiergut haben, sie bekamen es in einem Lehenvertrag aber nicht zugesprochen. Beim Bau der St. Anna Kapelle im Jahr 1932, wurde der Grabstein von Leutnant Putzstohl ausgegraben. Der Grabstein seiner Tochter Anna Ilse, wurde auch gefunden und zwar dort an der Stelle wo später die Germania Apotheke stand. Leutnant Putzstohl war zweimal verheiratet, der Name der ersten Frau ist nicht bekannt, sie schenkte ihm die Tochter Anna Ilse (1640-1676). Die 19-jährige Anna Ilse heiratete Heinrich Julius Warmbold (1635-1680), der aus der Pinkenburg (Zollstelle in Großbuchholz) kam. Aus der Ehe gingen 6 lebende Kinder hervor, weitere 3 Kinder wurden nicht lebend geboren. Anna Ilse starb bei der letzten Todgeburt, drei Jahre nachdem ihr Vater, der Leutnant, gestorben war.

(Die Grabsteine befinden sich heute noch in der Kapelle vom Waldfriedhof in Misburg, siehe Berichte in der Misburger Chronik 2012)


Der Krieg kam auch nach Misburg und das Leiden der Menschen im Dorf war sehr groß.


Der Anstoß zu einer Spaltung der Kirche, wurde ungewollt durch Martin Luther herbeigeführt. Luther, der wie viele Zeitgenossen, die Kirche als Ganzes dringend reformieren wollte, brachte dieses magische Wort „REFORMATION“ ins Spiel. Das wurde damals im Mittelalter der Großbegriff, so wie in unserer Zeit, noch vor kurzem „DEMOKRATIE" der Begriff war. Das Wort Reformation war die Folge des 30-jährigen Kriegs, der auch durch fremde Mächte in Deutschland ausgetragen wurde. Das brachte dann offiziell die Spaltung der Kirche, ein brutaler Kampf der Protestanten (Reichstände) gegen die katholische Kirche, die sie als Ketzer bekämpften, ein bitterer und langer Kampf zwischen der „Protestantischen Union" gegen die „Katholische Liga".

Es vergingen 7 Jahre nach dem Prager Fenstersturz, als der Krieg im Jahr 1625 auch Misburg erreichte. Die welfischen Gebiete blieben zunächst von den wirrenden sich ausbreitenden Krieges verschont, bis der „Tolle Christian", Herzog von Braunschweig und Bischof von Halberstadt, den Kampf gegen die katholische Liga aufnahm. Seine Söldner zogen im Schnellmarsch Richtung Süddeutschland, aber sie handelten sich nur noch Niederlagen ein, immer wieder mussten sie sich zurückziehen und so brachten sie den Krieg nach Norddeutschland. Die zurückgekehrten Söldner des „Tollen Christian" waren auch die ersten, die plündernd unsere Gebiete durchzogen.

Krieg, brennende Häuser, Krankheiten in unserer Gegend bei der Belagerung Hannovers durch die kaiserlichen Truppen von Graf Tilly. Der Religionskonflikt brachte eine schreckliche Zeit für Menschen und Land.

Die Truppen der katholischen Liga unter dem Befehl von Graf Tilly nahmen die Verfolgung auf und bewegten sich uneinhaltbar von Süden aus Richtung Hannover. Da das norddeutsche Land und seine Fürsten sich mehrheitlich zum Protestantismus bekannten, mussten sie sich in Eile Christian IV. von Dänemark anschließen. Christian IV. von Dänemark war gleichzeitig der Herzog von Holstein und deshalb wählten ihn die norddeutschen Fürsten zu ihrem Schutzherrn.

Hier ein Kriegsbericht aus der damaligen Zeit, wobei die Truppen des „Tollen Christian" gemeinsam mit den Truppen von Mansfeld, vergeblich versucht haben die von den Spaniern belagerte Stadt Breda zu befreien:

„Der Graf von Mansfeld und Herzog Christian von Braunschweig sondierten ihre Soldaten, so dass sie mit 12.000 Mann zu Fuß und 2.000 zu Pferd waren, von dem städtischen Lager ab und zogen damit sofort zum Rhein und lagerten sich bei Wesel ein. Nun aber trat ein Mangel an Geld, Victualien (Lebensmittel) und andere Notdurft ein, welches allem Vorhaben im Krieg den Krebsgang zu machen pflegt. So fing das Volk an, sich haufenweise zu verlaufen. Um den gänzlichen Ruin der Armee zuvorzukommen, haben Mansfeld und Herzog Christian dem Volk den Zaum etwas lassen müssen, welches darauf in den kölnischen Dörfern und Flecken mit Rauben und Brennen großen Schaden getan."

Diese Aktion brachte der kampferprobten Truppe der katholischen Liga unter Tilly zum Aufbruch Richtung Norden mit einer beträchtlichen Armee.
Weil das dänische und niedersächsische Kriegsvolk dem Weserstrom näherkam, hat Graf Tilly sein in Hessen und der Wetterau und anderen Graf- und Herrschaften einquartiertes Volk gesammelt und zog damit ins Stift Paderborn.
Die dänischen Garnisonen an der Weser konnten den Vormarsch der kampferprobten Truppe Tillys nicht aufhalten.

Johan Tserclaes Graf von Tilly, nahm im Jahr 1625 die Stadt Hannover ins Visier. Er ließ seine Truppen in Ricklingen lagern, um von dort aus Hannover zu erobern. Zuvor schlug er in einer Schlacht am 25. Oktober 1625, den General Ritter von Obentraut in Seelze (bei Hannover). Ritter Michael von Obentraut, ist in Deutschland als der „Deutsche Michel" bekannt, er starb durch eine schwere Verletzung. Nach seinem Tod wurde er in der Marktkirche von Hannover beigesetzt. In Seelze wo er tödlich verwundet wurde, steht heute ein 6 Meter hohes Denkmal zu Ehren vom Ritter von Obentraut.

Wie bereits berichtet, die Truppen von Graf Tilly standen in Ricklingen vor der Stadt Hannover. Die Stadt wurde belagert, Teile der kaiserlichen Truppen bezogen auch in Misburg Quartier. Sie waren bis Ende Oktober in verschiedenen Scharmützeln gegen die Dänen verwickelt. Im November versuchte Tilly, Hannover endgültig einzunehmen, ist aber gescheitert und musste dieses Vorhaben abbrechen und abreisen. Beim Abmarsch der Truppen aus Misburg wurde das ganze Dorf verwüstet. In Misburg gab es nichts zu essen und es herrschte eine noch nie dagewesene große Hungersnot. Die Seuchen breiteten sich rasch aus. Die kaiserlichen Truppen von Graf Tilly hinterließen eine Spur des Grauens in Misburg.

Die Folgen des Krieges waren Tod und brennende Dörfer, es kam aber noch viel schlimmer über unser Gebiet und das ganze Land. Der „Schwarze Tod" brach aus. Gegen die Pest waren die Menschen ohnmächtig, viele starben grauenvoll in jungen Jahren. Die Pest nahm einen großen Teil der Bevölkerung mit. Man sagt, dass nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa etwa 30% der Menschen durch den Schwarzen Tod umgekommen sind. Die Truppen sind Gott sei Dank abgezogen, aber es dauerte nicht lange bis die Schweden im Jahr 1632 in unsere Gegend kamen, sie blieben auch zum Teil in unserem armen Dorf Misburg und plünderten das Wenige, was die Bauern noch besaßen, unser Dorf musste erneut Hunger leiden.

Während des Aufenthalts der Schweden in Misburg, musste die Witwe Block eine Tragödie erleiden. Ihre Hofstelle Nr.1 (später im Besitz von Knauer), wurde nicht nur geplündert, sondern auch von den Soldadeska in Brand gesteckt. Es war grauenvoll wie sich die fremden Soldaten benahmen. Es war eine schreckliche Zeit, die armen Misburger mussten mit Ohnmacht die Gräueltaten der fremden Mächte ertragen. Die Schweden zogen ab, als es nichts mehr zu essen gab, doch der Krieg war längst noch nicht vorbei. Bereits 2 Jahre später (1634) zog der Graf von Waldeck und Schellhammer (Kommandant aus Minden) mit seiner 4.000 Mann starken Truppe durch Misburg in Richtung der Pinkenburg. Ein Teil der Truppe blieb kurze Zeit in Misburg stationiert und nahmen den armen Bauern das ganz wenige was ihnen noch geblieben war einfach weg. Wieder litten die Misburger Hungersnot.

Mit dem westfälischen Frieden im Jahr 1648, war der 30-jährige Krieg endlich beendet. Für die deutsche Bevölkerung eine große Erleichterung. Die, die es überlebt haben waren froh und blickten zuversichtlich in die Zukunft, ein neuer Beginn in Frieden.

Ich möchte hiermit eine kleine Geschichte erzählen die sich während des 30-jährigen Krieges im Misburger Wald im Jahr 1626 abgespielt hat. Es ist die Geschichte vom „Spanischen Friedhof" im Misburger Wald, Jagen 56:

Der „Spanische Friedhof“ im Misburger Wald


Hierüber hatte bereits der Heimatforscher und Anton Scholand in seinen Misburger Chroniken berichtet. Er hatte sich aber um 100 Jahre geirrt. Nach seinen Vermutungen hätte dieser Vorfall in der Hildesheimer Stiftsfehde stattgefunden. Anton Scholand stolperte über eine Aufzeichnung von einem Vogt aus Anderten, der sie Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst hatte. Demnach ist der „Spanische Friedhof“ sogar mit einen Stein markiert gewesen. Dieser befand sich auf der Grenze zwischen dem Misburger und Ahltener Wald.

Beim Verfassen der Misburger Chronik „Ursprung bis Gegenwart" von 2012, wurde über diese alte Misburger Geschichte recherchiert. Durch neue Erkenntnisse, die bezeugen, das es nicht in der Epoche der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523), in der Zeit von Ernst der Beckener gewesen ist, sondern es geschah in der Zeit, als der Graf Ernst II. von Mansfeld (1580-1626) im Kampf gegen die katholische Liga war, geführt vom General Wallenstein (1583-1634).Wallenstein war der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen. Am 25. April 1626 kam es zur fürchterlichen Schlacht von Dessau, bei der sind die protestantischen Truppen von Graf Ernst II. von Mansfeld vernichtend geschlagen worden. Der Graf selbst konnte mit einem kleinen Geleit treuer Soldaten fliehen. Als General Wallenstein von der Flucht erfuhr, schickte sofort einige seiner spanischen Söldner hinterher. Um wieviel Männer es sich hierbei gehandelt hatte, ist nicht überliefert worden, sicher ist, Wallenstein hatte ihnen eine hohe Belohnung versprochen, wenn sie den größten Widersacher, den Grafen Ernst II. von Mansfeld lebend zurückbringen würden. Die spanischen Söldner waren damit besonders motiviert.

Die Verfolgung ging über mehrere Tage, bis sie in dem Misburger Wald angelangt sind. Graf Ernst von Mansfeld hoffte, dass er bald auf ein protestantisches Dorf trifft, um dort Unterschlupf zu finden. Er hatte Glück, als er mit seinem kleinen Gefolge aus dem Wald geritten kam, sah er sich weiten Feldern gegenüber, auf denen Bauern ihre Arbeit verrichteten. Der Graf rief den arbeitenden Bauern zu: „Ich werde von Söldnern der katholischen Liga verfolgt, ich bitte euch um Hilfe". Die Bauern merkten sofort in welcher Bedrängnis sich die verfolgten Reiter befanden, sie waren auch Lutheraner. Spontan griffen sie ihre Arbeitsgeräte, Harken, Pflüge, Mistgabeln und eilten dem Grafen zu Hilfe. Die Verfolger kamen nach einer kurzen Weile auch aus dem Wald heraus, sahen die wütenden Bauern und kehrten rasch in den Wald zurück und tief im Wald schlugen sie ihr Lager auf.

Die spanischen Söldner haben aber während der Auseinandersetzungen und Verfolgung einen Gefolgsmann des Grafen in ihre Gewalt bringen können. Vergeblich versuchte danach der Graf das Versteck zu finden um seinen treuen Diener zu befreien. Es gelang ihm nicht. Schließlich verabschiedete er sich von seinen Rettern und ließ den Diener zurück. Diesem gelang nach einiger Zeit die Flucht, sodass er die Bauern zum Versteck der Söldner führen konnte. (Graf Ernst II. von Mansfeld, starb ein paar Monate nach diesem Ereignis noch im Jahr 1626).

Die Erzählung sagt weiter, dass die spanischen Söldner der katholischen Liga mehrere Wochen im Wald ausharrten. Sie versorgten sich heimlich und unrechtsmäßig bei den Bauern der Umgebung mit Proviant. Dadurch hatten sie auch den Zorn der Bauern auf sich gezogen. Bei einer ihrer Raubzüge erbeuteten sie auch mehrere Krüge Wein. Als diese geleert waren fielen die Spanier in einen weinseligen tiefen Schlaf. Der Gefangene nutzte die Gunst der Stunde und befreite sich, er alarmierte die Bauern des nahegelegenden Dorfes Ahlten und führte sie bewaffnet zum Versteck der Spanier. Bei diesem Überraschungsangriff wurden die meisten Spanier getötet und an Ort und Stelle begraben. Nur wenige konnten fliehen. Tatsächlich wurden an dieser Stelle im Misburger Wald (Jagen 56) Knochenreste gefunden, die wahrscheinlich von Soldaten stammten. Die Waffen, die in der unmittelbaren Nähe entdeckt wurden, sprechen für die Zeit im 30-jährigen Krieg.

Ob es allerdings wirklich Spanier waren, die hier in dem Misburger Wald ihre letzte Ruhestätte fanden, kann man heute nicht mehr sagen. Nach einer anderen Version dieser Sage, eine Überlieferung zufolge handelte es sich lediglich um fremdländische Personen, daher die Vermutung von Anton Scholand, dass der Begriff „Spanischer Friedhof" auf die Redewendung „das kommt mir spanisch vor" zurückzuführen ist. Diese Redewendung ist offenbar bereits seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich und steht für alles, was man nicht versteht oder was einem seltsam vorkommt.

Diese alte Geschichte des „Spanischen Friedhofes" gehört heute zu Misburgs Geschichte wie die alte Festung Mudzborgh und der Misburger Wald selbst.

Erfreulich war, das Misburg zu der Zeit als Jochen Mövens zum ersten Mal als Lehrer in Misburg tätig war, die Geschichte des „Spanischen Friedhofs" zu seinem Lieblingsthema machte, wenn er die Schulkinder über Heimatkunde unterrichtete. Jochen Mövens kam im Jahr 1647 als Lehrer nach Misburg, ein Dorf, das etwa 120 Einwohner zählte. Er kam ein Jahr vor dem westfälischen Frieden. Es war eine schwierige Zeit, die Misburger versuchten mit viel Geduld und Fleiß die brach liegenden Felder zu beackern und das verlorene Vieh zu ersetzen. Durch den langen Krieg und seinen Folgen, die Krankheiten wie Pest, hatten sie alles verloren, dadurch waren viele Höfe nicht mehr in der Lage den jährlichen Zins aufzubringen. Die Misburger verloren dadurch viele Rechte am Wald und den Wiesen.

Mit viel Freude wird der Historiker und Chronist Juan Carlos Blanco Varela, gemeinsam mit dem Publizisten Wolfgang Illmer, weiter berichten über die erste Schule, der Pferdespannstation der Post, das erstes Forstamt, sowie den Besuch einer großen Persönlichkeit der damaligen Zeit in dieser kleine Bauerngemeinde mit den Namen Misburg.
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