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Meine Eltern - eine Hommage

Wann? 07.05.2010

Wo? Stadtteilfriedhof Misburg, Waldstraße, 30629 Hannover DEauf Karte anzeigen
Die Mutter, 1934
Hannover: Stadtteilfriedhof Misburg | Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Aber je älter ich werde, desto öfter muss ich an meine verstorbenen Eltern denken.
Jetzt am 7. Mai hatten sie ihren 75. Hochzeitstag, und meine Gedanken gingen zurück in die Vergangenheit. Sie hatten ein hartes und auch schönes, langes Leben, welches hauptsächlich durch Arbeit geprägt war. Meine Schwester und ich wurden kurz vor Ausbruch des Krieges geboren, der Vater musste an die Front nach Frankreich und Russland, die Mutter blieb mit der Verantwortung für uns Kinder, Haus und Garten allein. Viele Tage und Nächte haben wir in Keller und Bunker verbracht. Zum Glück blieb unser Haus verschont; die Bombe fiel "nur" in den Garten und verursachte Risse und zersplitterte Fensterscheiben.
Wie meine Eltern diese schrecklichen Zeiten seelisch und körperlich verkrafteten ohne größeren Schaden davon getragen zu haben, ist einfach bewundernswert und bedarf der höchsten Anerkennung.
Sie haben sich bis ins hohe Alter noch selbst versorgt, bis auf die letzten Jahre ihres Lebens, in denen sie auf unsere Hilfe und Pflege angewiesen waren. Vater ist 90 Jahre und Mutter 88 Jahre alt geworden.

Anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit am 7. Mai 1995 hatte ich ihr Leben in Reime gefasst:
"Die Geschichte begann im Dezember, im Schnee,
da trat in sein Leben wie eine Fee
ein Mädchen mit Namen Emilie.
Er kam aus Jamke und sie aus Schlosswalden.
Sie stach Spargel in Burgdorf, er Mergel auf den Halden.
Sie passte zu ihm in Größe und Breite
und wich nicht mehr von seiner Seite.
Es geschah dann im Mai, am siebten,
1935 war das Jahr.
Da fanden sich die zwei, die sich liebten,
vor dem Traualtar.
1937 kam das erste Kind zur Welt.
Ich bin es selbst, das sieht man, gelt?
Zwei Jahre drauf im Februar
ein zweites Mädchen den Himmel sah.
Dann zog man in ein neues Haus,
es kam der Krieg und fast alles war aus.
Vater musste in den Krieg hinein
und ließ die Familie im Bombenhagel allein.
Er schickte uns Briefe und Märchen,
und lange waren sie kein Pärchen.
Dann kam er zurück, der Krieg war aus
und Freude und Glück zogen ins Haus.
Es wurde gewerkelt und umgebaut,
die Kinder wuchsen und wurden Braut.
Man arbeitete hart und feierte Feste.
Die beiden hatten sich, und das war das beste.
Enkelkinder, im ganzen vier,
sorgten für Leben im Revier.
Da gab es wieder viel Arbeit und Krach,
aber auch Spiele, Musik und Schach.
Die Jahre vergingen, die Kinder sind groß,
drei Urenkel fielen Euch in den Schoß.
Die bringen Leben ins stille Haus,
doch wenn sie zu laut sind, müssen sie raus."

Danke!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Deister-Anzeiger | Erschienen am 17.05.2010
1 Kommentar
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Michael Wald aus Laatzen | 29.09.2010 | 22:50  
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