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Weitwinkelobjektive bringen mehr aufs Bild

Der Kleine Deister oder Osterwald in Weitwinkelsicht: mit einem 24-Millimeter (bezogen auf das Vollformat bzw. Kleinbildformat) fotografiert.
Fotografische Themen sollen bei mir verstärkt in den Fokus geraten. Den einen oder anderen Leser meiner Beiträge ist es vielleicht schon aufgefallen, dass ich mich in letzter Zeit häufiger der Fotografie gewidmet habe. Bei der Frage, was interessiert und über was könnte man berichten könnte, fiel mir ein alter Artikel in die Hände, den ich im März 1981 geschrieben habe. Damals gab es noch die Fotogruppe Döhren. Mit einer kleinen Artikelfolge „Tipps und Tricks von der Fotogruppe“ in einem örtlichen Anzeigenblatt versuchten wir Fotofreunde, weitere Menschen in den hannoverschen Stadtteilen Döhren und Wülfel für die Fotografie zu begeistern – und natürlich etwas Werbung für unsere Gruppe von Hobbyfotografen zu machen. Damals schrieb ich also etwas über Weitwinkelobjektive. Trotz der vergangenen drei Jahrzehnte ist das Thema nach wie vor aktuell. Deshalb will ich nun die myHeimatler nicht damit verschonen.

Vorweg gesagt: Dass Weitwinkelobjektive im Sinne von optischen Abbildungsfehlern verzeichnen, kommt heute meistens nur noch bei den preiswerteren Exemplaren dieser Gattung vor. Hochwertige Linsen verfügen über eine so ausgetüftelte Konstruktion, dass dort so etwas der Vergangenheit angehören sollte. Was heute gemeinhin als „Verzeichnung“ eines Weitwinkelobjektivs bezeichnet wird, liegt nicht am Hersteller, sondern an einem optischen Gesetz. Was näher dran ist am Fotoapparat, kommt auch größer aufs Bild. Und bei Weitwinkelobjektiven fällt dieser Umstand verstärkt auf. Es entsteht die typische Weitwinkelansicht, weil eben ein größeres Umfeld abgebildet wird. Die eigentliche Perspektive ändert sich aber nicht. Ein Experiment zeigt das. Wir fotografieren vom selben Standort ein Motiv sowohl mit einem Tele als auch einen Weitwinkel (bzw. bei einem entsprechend großen Brennweitenbereich eines Zoomobjektivs mit Weitwinkel- und Teleeinstellung), stellen von der Weitwinkelaufnahme aber eine Ausschnittvergrößerung im Umfang der Teleaufnahme her und legen beide Bilder nebeneinander. Je nach Auflösung des Filmes (bzw. heutzutage des Chips) wird die Weitwinkelaufnahme bedingt durch die Vergrößerung vielleicht etwas unschärfer wirken oder detailärmer sein, aber ansonsten werden sich beide Aufnahmen gleichen. Eine andere Perspektive wird nur durch Veränderung des Standortes der Kamera erreicht, nicht aber den Einsatz unterschiedlicher Objekte (lassen wir Fischaugen-Objektive hier einmal außen vor). Die besonderen Wirkungen des Weitwinkels sind auf den größeren Bildwinkel verbunden mit mehr Bewegungsfreiheit des Fotografen (Standortveränderung) und des größeren Schärfentiefenbereiches (manche sagen auch Tiefenschärfe) zurückzuführen.

Das Weitwinkel verändert also nicht die Perspektive an sich, bildet aber von der Welt mehr ab. In der Praxis bedeutet dies, dass derartige Objektive nicht gerade die idealen Porträtobjektive darstellen. Weil Weitwinkel eben ein größeres Bildfeld zeigen, geht der Fotograf unwillkürlich näher an sein Modell heran und schwupps ist es geschehen. Wir erinnern uns: Dinge, die näher am Objektiv sind, werden größer abgebildet als Sachen, die weiter weg sind. Und da die Nase eines Menschen gemeinhin etwas aus dem Gesicht herausragt, ist sie näher an der Kamera als der Rest und … na ja, mit solchen Aufnahmen macht man sich keine Freunde unter den Porträtierten. Für den kreativen Fotografen eröffnen sich durch die sich ergebende - untechnisch gesagt - „Weitwinkel-Perspektive“ jedoch tolle Gestaltungsmöglichkeiten. Doch Vorsicht. Nicht übertreiben. Oft ist weniger mehr. Deshalb sollte ein Weitwinkelobjekt bzw. die Weitwinkelstellung eines entsprechenden Zooms mit Überlegung gewählt werden.

Für den Anfang kann als Weitwinkel ein 28mm-Objektiv (bezogen auf das Kleinbildformat – bei kleineren Chips ergeben sich entsprechende Verlängerungsfaktoren) empfohlen werden. Es bietet mehr als das übliche 35-mm-Objektiv (wieder bezogen auf das Kleinbild bzw. „Vollbildformat“) und ist nicht viel teurer. Zum Einsatz kommt es immer dann, wenn das Normalobjektiv das Motiv nicht mehr ganz erfassen kann. Achtung bei Architekturaufnahmen: leicht entstehen durch das Verkanten der Kamera hier stürzende Linien, die zwar optisch korrekt sind, jedoch nicht unseren Sehgewohnheiten entsprechen und deshalb meistens als störend oder unnatürlich empfunden werden. Dann lieber einen erhöhten Standpunkt suchen und die Kamera gerade auf das Motiv ausrichten.

Für Hobbyfotografen mit mehr Ambitionen reicht ein 28-Millimeter nicht mehr aus. Das Spiel mit der Perspektive und dem großen Bildwinkel fängt erst bei einem 24-Millimeter (bei Kleinbildformat) an und endet bei Superweitwinkeln und Fischaugenobjektiven mit ihrer typischen Kugelperspektive (die coole Bildeffekte ermöglicht, jedoch bei häufigen Einsatz auch schnell langweilig werden kann). Durch geschickten Einsatz dieser Hilfsmittel kann der Fotograf Abwechslung ins Fotoalbum oder in seine Bilderschau bringen. Er kann ein Bild mit einem großen Tiefenschärfenbereich aufnehmen, den Vordergrund betonen und trotzdem noch viel Umgebung zeigen und er kann durch formatförmiges Aufnehmen des Motivs die charakterische "Weitwinkelperspektive" für seine Bildgestaltung nutzen.
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3 Kommentare
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Johanna M. aus Stemwede | 09.01.2013 | 22:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.01.2013 | 23:02  
64.124
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 10.01.2013 | 07:44  
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