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Damals in Döhren: Jubilarehrung mit vielen Geschichten aus alter Zeit

Helmut Rohde, damals noch Bundestagsabgeordneter und Bundesminister a.D. gratuliert.
Hannover: Döhren | Kurt Pfeiffer kam aus einer „roten“ Familie. Sein Vater trat 1908 in die SPD ein, der Schwiegervater war gar schon seit 1893 Sozialdemokrat. Im Jahr 1925 wurde Kurt Pfeiffer dann selbst als Schriftsetzer des Hannoverschen Anzeigers Mitglied der Partei.

Kurt Pfeifer war einer von einer ganzen Reihe von Jubilaren, die am 20. November 1986 beim traditionellen Grünkohl-Essen der Döhrener SPD für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt wurden. Die Jubilarehrungen in den80iger Jahren waren noch ein Quell wertvoller historischer Informationen. Lebten damals doch noch Zeitzeugen, die selbst die Weimarer Republik miterlebt hatten. Die Jubilare konnten viel erzählen und es ist schade, dass diese Geschichten kaum aufgezeichnet und überliefert wurden.

Eine andere Jubilarin an jenem Tag vor rund 30 Jahren war Lilly Langguth. Sie fand über den Sport zur Sozialdemokratie. Mit zwölf trimmte sie sich im Arbeiter-Turnverein Linden, im Alter von 16 Jahren beantragte sie dann 1926 das rote Parteibuch. Zur selben Zeit schrieb sich auch Emilie Nortmann bei der Döhrener SPD als Mitglied ein, machte dann aber doch bei ihren Freunden in der Wülfeler Gruppe der Sozialdemokratischen Arbeiterjugend mit, weil es ihr „in Döhren nicht gefiel.“

Alle drei genannten SPDler wurden damals für ihre 60jährige Treue zur SPD geehrt. Zusammen mit den „25jährigen“ – Anneliese Schrader und Erwin Thielert – erhielten sie neben Ehrennadeln und –urkunden im roten Einband vom scheidenden Bundestagsabgeordneten Helmut Rohde und seiner designierten Nachfolgerin Edelgard Bulmahn (die zum September 2017 nun selbst endgültig aus dem den Bundestag ausscheiden will) jeweils einen dicken Blumenstrauß. Helmut Rohde erinnerte in einer Ansprache an die vielen Widrigkeiten, die Sozialdemokraten in den zurückliegenden 60 Jahren zu überstehen hatten. So musste auch Lilly Langguth miterleben, wie sie und ihre Sportfreunde 1938 mitten im Training durch einen SA-Trupp vom Sportplatz gejagt wurden. Ihren Bruder sperrten die neuen Machthaber sogar für drei Jahre ins KZ Oranienburg.

Kurt Pfeiffer sammelte damals unter seinen Anzeiger-Kollegen Spenden für gefangene Genossen. Die schlimmen Zeiten sind zwar vorbei. Doch in einem Punkt blickte Pfeiffer doch etwas wehmütig sechs Jahrzehnten zurück. „Die Solidarität war früher besser und wir kannten uns noch alle untereinander“ erinnerte er sich.

Seit weit über 30 Jahren gehe ich mit der Kamera auf Pirsch und begleite das Geschehen im heutigen Stadtbezirk Döhren-Wülfel fotografisch. Einige der Aufnahmen von damals scanne ich jetzt nach und nach ein, um sie ins digitale Zeitalter herüber zu retten. Unter der Überschrift "Damals in Döhren" bzw. "Damals in ..." möchte ich den myheimat-Usern kleine Einblicke in mein Fotoarchiv geben. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere noch an die damaligen Ereignisse oder erkennt sich auf einem der alten Fotos sogar wieder.
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