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Hannover 96 und Fans im siebten Fußballhimmel

Wer Fan dieses Vereins ist, hat zurzeit allen Grund zur Freude.
 
Nach der Aufstiegspartie vor dem Neuen Rathaus war klar, dass es in der neuen Saison nur gegen den Abstieg gehen könnte.
Hannover: HDI Arena | Man kann es kaum glauben und man muss sich erstmal kräftig die Augen reiben, wenn man auf die noch unvollständige Tabelle des vierten Bundesligaspieltages schaut. Dort steht an der Spitze ein Name, den man am wenigsten an dieser Stelle vermutet hätte: Hannover 96.

Nach dem Abstieg glich die letzte Zweitligasaison unter Trainer Daniel Stendel einer Achterbahnfahrt zwischen den Tabellenplätzen eins bis vier. Man konnte sich nicht sicher sein, ob die Roten den Aufstieg tatsächlich schaffen würden. Braunschweig, Stuttgart und Union Berlin waren harte Konkurrenten. Doch einige Spieltage vor Ende der Saison zog Clubchef Martin Kind die Reißleine, gab es doch, wie er sagte, zum Aufstieg keine Alternative. Mit André Breitenreiter, von Manager Horst Heldt engagiert, kam ein neuer Trainer und der brachte Kontinuität in die Spielweise der Mannschaft. Außerdem holte er Niclas Füllkrug, der unter Stendel meist auf der Bank schmoren musste, ins Team, der neben Harnik (der Mann mit Torgarantie - 17 Tore in der 2. Liga!) mit entscheidenden Toren maßgeblich zum Aufstieg beitrug. Und unter Breitenreiter verlor die Mannschaft (bis heute) in Pflichtspielen kein einziges Mal mehr, gewann die meisten Partien und sicherte so hinter Stuttgart mit dem zweiten Tabellenplatz den Aufstieg.

Trotz dieser Energieleistung in den letzten Spielen wurde 96 bei Umfragen unter den Bundesligatrainern und anderen so genannten Fußballfachleuten als erster Abstiegskandidat gehandelt. Und auch in Hannover war klar, dass es in der kommenden Saison nur darum gehen könnte, den Abstieg zu vermeiden. Würde die Truppe mit einigen Neuzugängen, von denen man nicht sicher war, ob es wirklich Verstärkungen sein würden, mit den anderen Erstligateams mithalten können?

Doch nun wissen wir es: die Roten können es. Und nicht nur das. Sie gaben die Antwort mit einem Paukenschlag, denn nun stehen sie in der Tabelle dort, wo eigentlich die Bayern, Dortmund oder Leipzig hingehören. Und auch wenn die Tabelle nur eine Momentaufnahme ist, da der BVB und Hoffenheim erst am Sonntag spielen und 96 noch vom ersten Platz verdrängen können, so gibt sie für alle Fußballfans der Roten doch ein wunderschönes Bild ab. Und auch die beiden Konkurrenten müssen erst einmal gewinnen, um vorbeiziehen zu können.

Das kleine Nordderby gegen den großen HSV aus Hamburg, einem Lieblingsgegner der Roten, der regelmäßig seine Punkte in Hannover lässt, war in der ersten Halbzeit ein grottenschlechter Kick. Fehlpässe über Fehlpässe und um jeden Ball wurde gefeitet. Zwar hatten 96 mehr Ballbesitz. Doch Chancen? Fehlanzeige. Aber das sollte sich in der zweiten Hälfte ändern. Nun wurde es ein Spitzenderby, das den Namen auch wirklich verdient hat. Nachdem (mal wieder) Harnik in der 50. Minute die Kugel im Gewühl vor dem Hamburger Tor ins Netz gestochert hatte, platzte der Knoten. Von nun an ging das Spiel fast nur noch in eine Richtung, in die des Torraums der Hanseaten. Diverse Chancen wurden erspielt. Und so war es dann nur logisch, dass irgendwann das zweite Tor fallen würde. Es war der Neuzugang Bebou aus Düsseldorf, der nach einem Freistoß an der richtigen Stelle stand, den Abpraller einschob und damit alles klar machte. Zwar bemühten sich die Hamburger danach noch um eine Verbesserung des Ergebnisses. Doch sie brachten nur brotlose Kunst zustande.

Und natürlich war die Stimmung im Stadion riesig, so wie es sich für ein Nordderby gehört. Zum elften Mal hintereinander war die Arena gegen den HSV ausverkauft. Und die üblichen Rufe „Kind muss raus!“ wurden von der großen Mehrheit der Zuschauer schließlich von "Ultras raus!"–Rufen deutlich übertönt. Das wird auch dem Clubchef gefallen haben. Und zum Spielende wurde dann sogar „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ angestimmt.
Es war unter Flutlicht ein prächtiger Fußballabend für die Fans der Roten, so, wie er nicht allzu oft vorkommt. Die Hamburger hingegen hatten vermutlich keine Freude auf ihrem Nachhauseweg in die Hansestadt.

Und noch etwas ist an diesem Tabellenstand besonders großartig, was mindestens so schön ist, wie der erste Tabellenplatz. Die großen Bayern stehen in der Platzierung hinter den Roten, können sie auch an diesem Spieltag nicht überholen. Und das kommt ja auch nicht allzu oft vor.

Nun heißt es allerdings auf dem Teppich bleiben. Auch wenn es bisher super läuft, so muss doch Bodenhaftung bewahrt werden. Nach wie vor geht es gegen den Abstieg. Doch diese ersten Spiele zeigen schon, dass die Roten auch in der obersten Klasse mithalten können. Wenn sie so weitermachen würden, dürften sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Aber es ist eben erst der vierte Spieltag.
Und nun schauen wir Fans alle gespannt auf den Sonntag, was in Dortmund und Hoffenheim passiert. Ein Selbstläufer werden die Begegnungen für die Heimmannschaften dort nicht werden. (Nach Beendigung des Spieltages steht 96 zwischen Dortmund und Bayern auf Platz zwei - auch das ein schönes Tabellenbild. Die beiden ersten mit 10 Punkten, die Bajuwaren einen Punkt zurück.)

Und auch 96 muss am nächsten Mittwoch in Freiburg aufpassen, dass es den Gegner nicht unterschätzt. Breitenreiter wird sicherlich die passenden Worte für sein Team finden. Aber wie es auch ausgeht, denn die erste Niederlage kommt bestimmt. Die Roten sind auf einem guten Weg, sie machen jede Menge Freude. Und das Team und die Fans schweben zurzeit auf Wolke sieben, eben im Fußballhimmel.
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Frank Kurpanik aus Burgdorf | 16.09.2017 | 14:32  
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