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„Lieder aus Leid“ – Liederabend mit Werken von Gregers Brinch auf hohem Niveau

Jardena Flückiger (Sopran) und Jonathan de la Paz Zaens (Bariton) überzeugten mit großartigen Leistungen
 
Die Musiker des Abends: v. l. n. r.: Gregers Brinch, Jardena Flückiger, Stéphan Aubé und Jonathan de la Paz Zaens (Foto: Bernd Schwabe in Hannover, CC-by-SA 3.0)
Hannover: Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis | Bewegender Liederabend in der Neustädter Hof- und Stadtkirche

Es gibt unzählige hervorragende Konzerte, aber dieses Konzert war ein ganz besonderes. Nicht nur, weil das Werk „Lieder aus Leid“ von Gregers Brinch und Lieder der Komponistin Dorothee Fischer uraufgeführt wurden, sondern auch, weil Komponist Brinch zugegen war und dem Publikum eine Einführung in sein Hauptwerk gab: den vertonten Gedichten von Opfern der Nationalsozialisten, die unter grausamsten und düstersten Bedingungen entstanden sind – in den Konzentrationslagern.

Brinch erklärte, wie die Komposition der Lieder für Sopran, Bariton und Klavier zustande kamen: 1994 beauftragte ihn der Germanist Dr. Michael Moll, Texte aus der Gedichtsammlung „Lyrik gegen das Vergessen“ zu vertonen.

Innerhalb von drei Phasen in einer Zeitspanne von 18 Jahren entstanden 13 Lieder. Zwei davon komponierte Brinch eigens für das Konzert in Hannover.
Die Musiker haben es sich nicht leicht gemacht. Schwere Kost so zu vermitteln, dass dem Zuhörer eine nahezu unbemerkte, innere Distanz zur Darbietung ermöglicht und dabei trotzdem tief berührt wird, ist eine große Kunst.

Die Solisten Jardena Flückiger (Sopran) und Jonathan de la Paz Zaens (Bariton), begleitet auf dem Flügel von Stéphan Aubé, waren dafür hervorragend vorbereitet und präsentierten das komplexe Werk in einer spannungsreichen und bewegenden Interpretation.

Unbekannten und bekannten Menschen aus den KZs, die mit ihren Texten gegen das „Vergessen der erlittenen grauenvollen Unmenschlichkeiten angeschrieben haben“, wurde mit den vorgetragenen Liedern ein Stück ihrer Würde zurückgegeben.
Die Worte der Opfer erstanden wieder auf und wurden durch die herausragende Leistung der mehrfach ausgezeichneten Musiker lebendig.

Der erste Teil des Konzertes umfasste unter anderem die vertonte Lyrik „Der Kamin“ der damals 13-jährigen Ruth Klüger, die später Schriftstellerin wurde, „Niemand weiß von mir“ verfasst von einem Menschen, dessen Name bis heute nicht bekannt ist oder „Vergesst nur nicht“ von Peter David Blumenthal-Weiss.

Jardena Flückiger und Jonathan de la Paz Zaens überzeugten mit großartigen Einzelleistungen und waren auch im Duett (Mein Liedchen, Wir haben kennengelernt, Vergesst nur nicht) bestens aufeinander eingespielt. Brinchs Kompositionen fordern die ganze Bandbreite der expressiven Tonpalette und benötigen mal stark emotionale, ängstliche, tragische, traurige, mal hoffnungsvolle bis lebensbejahende und freudvolle Töne.

Diesem Anspruch kam das Solisten-Duo mit brillanten und facettenreichen Stimmen mit großer Souveränität nach. Auch Pianist Aubé ordnete sich sensibel und präzise und mit hoher Virtuosität den Anforderungen des Werkes unter.

Im zweiten Konzertteil standen Lieder von Dorothee Fischer (1894-1981) auf dem Programm. Brinch umriss Leben und Werk der Komponistin und verhalf so zu einem tieferen Verständnis der Liederauswahl. Neben vertonten Gedichten von Eduard Möricke (u. a. Denk es, o Seele), Hermann Löns (Rose Marie, Das Fensterlein) oder Matthias Claudius (Der Tod) waren eigene vertonte Texte der Komponistin zu hören, die als Tochter des Künstlerpaares Jenny und Otto Fikentscher im badischen Malerdorf Grötzingen bei Karlsruhe aufwuchs.

Brinch stellte den frohen und unbeschwert klingenden Liedern der jungen Komponistin die tragisch-traurigen nach Jahren des Krieges und Leids entgegen und vermittelte so die schöpferische Kraft eines Menschen, dessen Leben von Krieg und Tod überschattet wurde.

Mit einem Konzertabend auf hohem Niveau erreichten die Musiker die Herzen des Publikums. Am Ende Momente der Stille, dann langer Applaus. Einige Besucher erhoben sich von ihren Plätzen. Standing Ovations für ein einmaliges Konzerterlebnis, das würdevoll den glanzvollen Abschluss der Veranstaltungstage „Hannover im Wort“ – Zeichen zum Gedenken an die nationalsozialistische Bücherverbrennung setzte.

Weitere Informationen unter: www.hannover-im-wort.de

"Hannover im Wort" ist ein Kooperationsprojekt der Schriftstellerin Corinna Luedtke, der Landeshauptstadt Hannover (Projekt Erinnerungskultur) und der Region Hannover. Die Veranstaltungen fanden vom 8.5. - 11.5.2012 statt.
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