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Intolleranza -Proben- IV.

Hannover: Opernhaus | Das Wasser kommt näher, es steigt und steigt.
Werde ich allein sterben? Wird jemand bei mir sein?

"Zerreiße deine Augenbinde als wäre es ein Stück von deinem Körper."

Ich ziehe die schwarze Augenbinde aus meinem Rockbund, zerreiße sie dicht an meinem Körper, meine Augen reißen mit. Langsam hebe ich meine Hand und mein Gesicht, blicke mein Gegenüber an und reiche ihm die Hand. Wird er sie nehmen?

Ich drücke die Hand, drehe mich langsam um und gehe auf meinen Platz zur Mitte der Bühne. Die Decke lege ich auf den Boden und ich kniee mich langsam hin. Ich halte die Augenbinde in meinen Händen und verharre, dann binde ich mir die Augen zu.

„Ich will nicht sterben, nein, ich will nicht sterben!!“

Ich schaue zu der angstvoll Schreienden hin. „Qui bisogna restare“ (Hier muss man bleiben)
Die Stimme des Engels beruhigt mich, langsam erhebe ich mich und gehe dem Wasser entgegen.

Jeder nimmt seinen Platz zum Sterben ein.

„Laveremo le città dei mondi“ „Qui bisogna restare“

Der Vorhang schließt sich und hebt sich etwas später.

Applaus, Applaus.


Nachsatz:
Die Musik ist überwältigend, sie kommt von allen Seiten.
Es ist eine neue, andere Art Oper zu erleben.
Oper war gestern, Intolleranza ist heute.
Intolleranza 1960 ist Arnold Schönberg gewidmet.

Hätte ich geahnt, was auf mich zu kommt, ich weiß nicht ob ich dabei geblieben wäre. Aber jetzt im Nachhinein bin ich stolz und froh, dass ich es gemacht habe.

Diese Proben habe ich aus meiner Sicht geschrieben, denn jeder Statist hat seine eigene Aufgabe.
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3 Kommentare
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 24.09.2010 | 10:43  
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Irene Deseke aus Burgdorf | 24.09.2010 | 12:48  
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 26.09.2010 | 17:43  
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