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Vom Pestacker zum Baudenkmal: Historische Friedhöfe in Hannovers Norden

Stöckener Friedhof
 
Beeindruckender Eingang am Stöckener Friedhof
Hannover: Stadtfriedhof Stöcken | Der verträumte kleine Friedhof neben der Klosterkirche Marienwerder liegt weit abseits vom Trubel der Großstadt. „Das älteste Gotteshaus unserer Stadt und der Gottesacker sind ein weihevolles Museum hannoverscher Grabmalkunst“, schwärmte der Heimatforscher Helmut Zimmermann in seinen Büchern über Hannover. Die ältesten Zeugnisse der Bildhauer stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die wertvollsten Denkmale haben inzwischen wettergeschützte Plätze im Kreuzgang gefunden. Die uralte Ruhestätte ist nicht der einzige historische Friedhof im Norden der Landeshauptstadt. Die Experten vom Niedersächsischen Amt für Denkmalpflege haben eine ganze Reihe von Begräbnisstätten in ihre Liste der Baudenkmale aufgenommen.

In diesem Verzeichnis findet sich auch der Stöckener Friedhof. 1891 wurde er als zweiter Hauptfriedhof der wachsenden Großstadt eröffnet, zehn Jahre später musste er bereits auf die doppelte Fläche erweitert werden. Den Nordwestteil der Anlage gestaltete der Stadtgartendirketor Julius Tripp als Park im landschaftlichen Stil mit See, Waldbäumen, Azaleen und Rhododendren. Tripp selbst hat in Stöcken seine letzte Ruhestätte gefunden, ebenso wie die Verlegerfamilie Madsack und Hinrich Wilhelm Kopf, der erste Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. In der Abteilung 49 wird die Erinnerung an ein schauriges Kapitel hannoverscher Kriminalgeschichte wachgehalten: Die Opfer des Massenmörders Fritz Haarmann haben hier eine Gedenkstätte bekommen.

Begräbnisplatz der Menschen aus den Vororten in der heutigen Nordstadt war ursprünglich der Nikolaifriedhof am Klagesmarkt. Er wurde schon Ende des 13. Jahrhunderts als „Pestacker“ angelegt und diente vom 14. Jahrhundert an auch den Bewohnern des Nikolaistiftes als letzte Ruhestätte.

Irgendwo auf diesem Friedhof liegt seit 1748 der Dichter Ludwig Hölty begraben. 1901 wurde ihm ein Denkmal gesetzt – eine Bronzestatue in der Form eines Jünglings. Grabdenkmale sind aus derZeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erhalten geblieben. 1860 wurde der Nikolaifriedhof geschlossen und den Nordstädtern die Benutzungsrechte gekündigt. Daraufhin entstand 1863 an der Strangriede der „Neue St. Nikolai-Friedhof“. Die 1866 erbaute Kapelle entwarf Ludwig Droste als einfachen neogotischen Backsteinbau. Nicht weit von dieser Ruhestätte entfernt legte die jüdische Gemeinde 1861 den „Israelitischen Friedhof“ an, der bis 1922 benutzt wurde.

Bis zum Neubau der Anlagen an der Strangriede wurden die Menschen jüdischen Glaubens auf dem Friedhof „Am Judenkirchhof“ zur letzten Ruhe getragen. Der älteste Grabstein hier stammt aus dem Jahr 1654. Wann der Friedhof angelegt wurde, ist nicht bekannt. In einem Schreiben vom 8. Januar 1661, verfasst von den Juden der Neustadt Hannover und gerichtet an den Kanzler und die Räte des Landesherrn heißt es, dass seit „undenklichen Jahren“ Juden ihre Begräbnisstätte mit fürstlicher Erlaubnis dort gehabt hätten. Der Sandhügel wurde 1746 von einer Mauer umfasst und gleichzeitig der Friedhof erweitert. Kostenpunkt: 100 Reichstaler mussten dafür an die Stadt Hannover und weitere 60 Reichstaler an die Inhaber von Hude- und Weiderechten in den Dörfern Herrenhausen und Hainholz gezahlt werden.
Dicht gedrängt reiht sich seither am Judenkirchhof ein Grabmal an das andere. Neben dem Eingang weist ein in Stein gehauener Schutzbrief auf die Erteilung des herzoglichen Privilegs von 1671 hin. Der Schutz des Landesherrn war dringend notwendig. In dem Schreiben von 1671 beschwerten sich die Verfasser, dass Fuhrleute aus der Stadt Hannover und dem Amt Langenhagen „unter gröbster Nichtachtung der Gräber und der Bestatteten“ dort Sand abfuhren. Obwohl der Amtsvogt von Langenhagen angewiesen wurde, für den Schutz des Friedhofes zu sorgen, kam es zehn Jahre später zu neuen Beschwerden.

Die Kündigung der Benutzerrechte des Nikolaifriedhofes am Klagesmarkt traf außer den Nordstädtern auch die Herrenhäuser Einwohner. Sie legten schon 1859 zwischen Hanstein-und Kiepertstraße den ebenfalls als Baudenkmal geschützten Herrenhäuser Friedhof an.

Wer jetzt einen Hinweis auf den Neustädter Friedhof St. Andreas an der Langen Laube vermisst: darüber wurde im Beitrag über die historischen Friedhöfe im Westen von Hannover berichtet.


Mehr lesen?

Hier geht es zum Bericht über historische Friedhöfe im Süden von Hannover:


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https://www.myheimat.de/hannover-seelhorst/kultur/...

Hier geht es zum Bericht über historische Friedhöfe im Westen von Hannover:

oder diese Seite aufrufen:
https://www.myheimat.de/hannover-linden-limmer/kul...

Hier geht es zum Bericht über historische Friedhöfe im Osten von Hannover

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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 16.10.2019 | 10:21  
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Werner Szramka aus Lehrte | 16.10.2019 | 11:44  
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