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Mehr Naturschutz für das Altwarmbüchener Moor

Moore haben in der Natur eine wichtige Funktion. Sie speichern gigantische Mengen an Kohlendioxid. Würden diese freigesetzt, würde die Klimaerwärmung noch schneller voranschreiten.
 
Nur wenige Wege führen ins Altwarmbüchener Moor, und diese werden nur selten von Menschen begangen. Und in den zentralen Moorbereich gelangt man schon gar nicht. In den vollkommen zugewucherten alten Wegen wimmelt es nur so von Zecken, die auf frisches Blut warten.
 
In nur wenigen Bereichen haben sich Freiflächen mit Moorgewässern erhalten.
Hannover: Altwarmbüchener Moor | Die Europäische Union macht Druck. Deutschland hinkt nicht nur den Klimazielen, sondern auch den Naturschutzzielen weit hinterher. So ist es auch in Niedersachsen und der Region Hannover. Millionenstrafen drohen. Trotzdem geht es nur schleppend voran. Ob bei der zum Großteil menschengemachten Klimaerwärmung, dem dramatischen Insektensterben durch den Einsatz von zu viel Pestiziden oder den Monokulturen, Ökowüsten in Feld- und Wald. Die Politik reagiert nur träge, nimmt scheinbar die sich verändernde Umwelt nicht wirklich ernst. Nur mit Druck von oben, der EU, auf vehementes Anraten der Wissenschaft, scheint sich, wenn auch nicht genug, langsam etwas zu ändern. Allerdings viel zu langsam, denn es drängt. Rund 35 Prozent der gesamten weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängt von der Bestäubung der Pflanzen durch Insekten ab. Die sollen in Deutschland laut wissenschaftlicher Untersuchungen seit 1980 um bis zu 80 Prozent an Biomasse abgenommen haben. Und sie sind es auch, die als Grundlage für die Ernährung vieler Tierarten dienen. Ob Vögel, Amphibien, Reptilien oder Fledermäuse. Sie alle sind davon betroffen, und nicht wenige ihrer Arten sind dadurch vom Aussterben bedroht.

In Deutschland gibt es noch 18.000 Quadratkilometer Moorflächen, knapp 40 Prozent davon in Niedersachsen. Und wenn das auch nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Moorflächen ist, die durch Torfabbau, Trockenlegung und Kultivierung für Weide- und Feldflächen verschwunden sind, so sind diese doch gerade wichtig für die Artenvielfalt und auch das Klima. Obwohl Moore weltweit nur einen kleinen Teil der Landmasse ausmachen, so sollen sie doch 30 Prozent des gesamten Kohlendioxids unserer Erde speichern. Während Wälder das CO2 bei der Vermoderung von Pflanzenresten relativ schnell wieder abgeben, speichern es Moore dauerhaft, da Bakterien das saure Moorwasser nicht mögen und so die Pflanzenreste erhalten bleiben. Und je mehr CO2 im Boden gebunden ist und je weniger in die Luft gelangt, desto besser ist es für unser Klima, wird doch der Treibhauseffekt weniger schnell angeheizt.

In den Jahren 1981 bis 1986 wurde das Niedersächsische Moorschutzprogramm ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist noch nicht abgetorfte Moore oder naturschutzwürdige Moore zu erhalten. Andere, in denen der Torfabbau beendet ist, wiederzuvernässen, zu renaturieren. Zu diesen gehört in der Region Hannover neben dem Toten Moor, dem Helsdorfer Moor, dem Otternhagener Moor, dem Bissendorfer Moor und dem Oldhorster Moor auch das Altwarmbüchener Moor. Es liegt etwa 10 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums von Hannover und hat eine heutige Größe von 15 Quadratkilometern. Nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren in einer Bodensenke entstanden, wurde dort seit dem Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg Torf abgebaut. Die Straße Schiffgraben am Aegi, der einstige Torfkanal, erinnert daran. (siehe auch: Eine Radtour vom Aegi, dem einstigen Verlauf des Schiffgrabens folgend, zum Altwarmbüchener Moor). Zu den Randbereichen betrug die Torfdicke ein bis zwei Meter, im Zentrum immerhin bis zu fünf Meter. Erst vor gut einem Jahrhundert setzte sich die Steinkohle aus dem Deister durch, die von da an verheizt wurde.

Heute ist vom Altwarmbüchener Moor, von drei Autobahnen durchschnitten, allerdings nicht das übrig geblieben, was man sich unter einer Moorlandschaft vorstellt. Statt weite, freie und feuchte oder sumpfige Flächen, hat sich durch die Trockenlegung ein Birken-Kiefern-Moorwald entwickelt. Darin eingelagert sind einige Weideflächen und immerhin etliche kleinere freie Moorbereiche mit Moortümpeln und der entsprechenden Moorvegetation. Und man trifft auch überall auf die alten bäuerlichen Torfstiche, in denen sich das Wasser sammelt. Zurzeit sind sie allerdings durch das extreme Trockenjahr 2018 und auch durch die zu geringen Niederschläge in diesem Jahr zum Großteil ausgetrocknet. Kreuzotter, Schwarzstorch, Kranich, Amphibien und andere Tierarten leben im Moor ebenso wie die typische Moorvegetation. Wollgras, Torfmoose, Schwingrasen, Moos- und Rauschbeere.

Diese biologisch immer noch wertvolle und vom Menschen nur selten besuchte Landschaft ist es, die durch das Moorschutzprogramm erhalten werden soll. Stehen bisher 40 Hektar des Gebiets unter Naturschutz, so sollen sie nun auf 1200 Hektar ausgeweitet werden. Das täte der Natur gut. Aber es gibt Widerstand. Für die Landwirtschaft, die Waldbesitzer und Jäger käme es zu Einschränkungen. Das ist einerseits verständlich. Doch im Zeichen des Umdenkens in Sachen Klimawandel und des großen Artenaussterbens durch den Menschen kann es nicht genug Naturschutzgebiete geben. Das Allgemeinwohl muss Vorrang haben. Und das wird durch mehr Naturflächen verbessert, verlangsamt es doch den Klimawandel. 

Immer mehr Natur weltweit wird durch Besiedlung, Bau von Straßen, Landwirtschaft und Industrie versiegelt und vernichtet. Und die Natur ist es, ohne die wir Menschen nicht leben und überleben können. Sie hilft uns bei der Nahrungsproduktion, sie sorgt für unsere Atemluft und nur sie ist es, die das für uns passende Klima schaffen kann. Wenn wir diese für uns so wichtigen Grundlagen zerstören, dann haben wir diesen Planeten nicht verdient. Und deswegen ist es auch eine gute Sache, da die unfähige Politik auf die warnende Wissenschaft nur unzureichend reagiert, wenn junge Menschen - denen sich eigentlich alle Altersgruppen anschließen sollten -, angeführt von Greta Thunberg, Freitags auf die Straße gehen und ebenso ein Youtuber namens Rezo die großen Parteien wegen ihres mangelhaften Umweltschutzes anprangern. Sie sind es, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und auch etwas dagegen tun, nämlich zu demonstrieren. Bei der Europawahl haben die althergebrachten Parteien schon ihren Denkzettel bekommen. Vielleicht wird sie das, auch wenn sie nicht wirklich dahinterstehen, in Zukunft zum Umdenken zwingen. Und das ist die gute Nachricht: Auch wenn die Unterschriften von  23.000! Wissenschaftlern der neu gegründeten Scientists for Future nicht wirklich helfen, mit denen sie die Politik zu intensivieren Anstrengungen zum Klimaschutz auffordern und dass sie die Schüler ernst nehmen soll, so tun es doch Wählerstimmen.  
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