Anzeige

Windmüller Peter Heinsohn mahlt Korn und bittet zum Tanz

Lithografie, um 1898
Mühlen-Berichterstattung hat bei myheimat zur Zeit Hochkonjunktur.
Heute soll die hannoversche Lister Mühle aus dem Dunkel der Geschichte geholt werden. Sie wird im Jahr 1697 erstmalig erwähnt, als der hannoversche Kurfürst Ernst August in einem sogenannten Erbenzinsbrief dem Vollmeier Heinrich Kollenrodt aus der List (früher: Dorf bei Hannover, seit 1891 eingemeindet) das Recht zum Bau einer Windmühle auf der Vahrenwalder Heide einräumte. Dieser kollenrodtsche Vollmeierhof 1 war dem hannoverschen Stift "Zum Heiligen Geist" (lag etwa dort, wo heute die Schmiedestraße auf den Marstall-Parkplatz trifft) zinspflichtig.
Die Zins-Einnahmen wurden zu jener Zeit dringend für humanitäre Dienste benötigt, wie beispielsweise Krankenversorgung und Hilfe im Alter.
Die Mühle blieb fast 200 Jahre im Besitz der Familie Kollenrodt. Erst danach verkündet ein Kaufkontrakt, ausgestellt am 11. November 1882, einen neuen Besitzer. Bevor der neue Mühlen-Eigentümer in diesem Bericht Beachtung findet, soll noch an ein Ereignis erinnert werden. Am 17. Mai 1819 hatte Johann Heinrich Christian Kollenrodt beim zuständigen Amt Langenhagen beantragt, ob er nicht seine Mühle wegen besserer Windbedingungen 300 Schritte vom bisherigen Platz nach Nordosten verlegen dürfe. Das Amt stimmte wenig später zu. Alte Teile der Mühle, wie Welle und Kammrad, wurden wiederverwendet. 1882 wechselten, wie schon angekündigt, die Besitzverhältnisse. Peter Heinsohn hieß der neue Windmüller. Über 100 Jahre später, so ist im hannoverschen Adressbuch nachzulesen, betreibt Peter Heinsohn neben seiner Tätigkeit als Müller unter der Adresse Lister Mühlenweg (heute: Tannenbergallee) Nr. 6 noch eine Gastwirtschaft.
Eine 1898 als Lithografie versandte Ansichtskarte zeigt auf ihrer Bildseite ein Mühlenhaus, das zu einem Gasthaus ausgebaut wurde. Im Tanzsaal wird, wie zu erkennen ist, eifrig das Tanzbein geschwungen. Auch die Mühle ist lithografisch erfasst. Deren Flügel scheinen im Vergleich zu späteren Fotos etwas zu lang geraten zu sein. Oder täuscht die Perspektive?
Im Jahr 1902 wechselt der gesamte Besitz an Adolf Heuer. Ist der neue Eigentümer neben seiner Tätigkeit als Gastwirt auch Müller? Ja, das war er wohl, im hannoverschen Adressbuch von 1906 ist er in der Abt. I (Verzeichnis nach Ständen und Gewerben) auf Seite 1375 als Müller eingetragen. Noch 1906, als ein weiterer Besitzerwechsel erfolgte, wird die Bockwindmühle stillgelegt und nach Bombenschäden im 2. Weltkrieg Anfang September 1954 abgerissen.

Literatur: Zimmermann, H.: HG Band 51, 1997, Seite 305-311
3 5
2 4
4
2
4
0

Weiterveröffentlichungen:

Hannoversches Wochenblatt | Erschienen am 23.02.2011
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
7 Kommentare
49.518
Kirsten Steuer aus Pattensen | 18.02.2011 | 22:15  
29.907
Heidrun Preiß aus Bad Arolsen | 18.02.2011 | 22:31  
8.189
Dieter Goldmann aus Seelze | 19.02.2011 | 00:55  
26.426
Katja W. aus Langenhagen | 19.02.2011 | 09:59  
86.831
Ali Kocaman aus Donauwörth | 20.02.2011 | 11:57  
5.967
Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 20.02.2011 | 12:58  
3.067
Steffen Liekefett = dl1osl aus Hannover-Bothfeld | 23.02.2011 | 12:36  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.