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Erotik in der Antike - Die himmlischen „Wolkenmädchen“ von Sigiriya in Sri Lanka

Mehr als 1500 Jahre alt. Die besterhaltendsten Wandfresken der Antike Südostasiens.
 
Bevor sie im neuen Königssitz Sigiriya entstanden, war Anuradhapura Hauptstadt des Inselreichs. Dort steht, von 320 steinernen Elefanten getragen, die 110 Meter hohe Ruwanweli Dagoba.
 
Und dort herrschte König Dhatusena. Doch um selber König werden zu können, wurde dieser von seinem nicht erbberechtigten Sohn Kashyapa umgebracht.
Sigiriya (Sri Lanka): Wolkenmädchen | Kashyapa I. war nicht unbedingt ein guter Mensch. Um an die Macht zu kommen war ihm jedes Mittel recht. Und so brachte er im Jahr 473 n. Chr. seinen Vater Dhatusena, den König von Sri Lanka, kurzerhand um. Auf diese unschöne Art machte er sich selbst zum König des paradiesischen Inselreichs. Sein Halbbruder Moggalana, der rechtmäßige Thronerbe, musste daraufhin nach Südindien fliehen, wäre er doch vermutlich ansonsten der nächste Todesfall in der Familie geworden.

Doch Kashyapa war nach dieser Freveltat, die ihn wahrscheinlich so manche schlaflose Nacht bereitet haben wird, nun selbst beunruhigt. Er fühlte sich daraufhin seines Lebens nicht mehr sicher, rechnete er doch damit, dass sein Bruder irgendwann zurückkommen würde, um ihm die Macht streitig zu machen. Sollte diesem das nämlich gelingen, so würde das seinen eigenen Tod bedeuten. Schließlich hielt er es in der Hauptstadt Anuradhapura nicht mehr aus.

Unweit davon, in Sigiriya, erhebt sich mitten aus dem Dschungel ein Hügel, der von einem 200 Meter hohen Felsen mit ringsherum senkrechten Wänden gekrönt wird. Genau der richtige Ort, um darauf einen Königspalast samt Festung zu errichten. Um den Felsen herum, der Löwenfelsen genannt wurde, da damals die Besucher des Königs nur durch das Maul einer 50 Meter hohen Löwenstatue zu ihm gelangen konnten, wurden prachtvolle Gartenanlagen mit Kanälen und Springbrunnen angelegt und es entstand, von starken Mauern umgeben, eine neue Königsstadt. Dort oben saß Kashyapa nun auf seinem Fels, konnte in alle Richtungen weit ins Land hineinschauen und fühlte sich sicher. Das währte immerhin lange 18 Jahre so.

Doch dann kehrte Moggalana aus Indien zurück und das, man vermutet es schon, nicht allein. Er führte eine riesige Streitmacht mit sich und eroberte damit das gesamte Land. Schließlich belagerte er zum Schrecken von Kashyapa dessen Hauptstadt Sigiriya. Es kam zu einer großen Schlacht, die Moggalana für sich entscheiden konnte. Doch da Kashyapa seinem Halbbruder nicht in die Hände fallen wollte, stürzte er sich in sein Schwert und setzte damit seinem Leben selber ein Ende. Eine andere Variante seines Todes besagt, dass er lebendig im Wall der Stadt eingegraben wurde. Wie dem auch sei. Er fand seinen gerechten Tod und ging unter dem Namen Pithru Ghathaka Kashyapa, was so viel wie „Vatermörder Kashyapa“ bedeutet, in die Geschichte ein.

Diese grausig schöne Geschichte hat zur Folge, das König Kashyapa I. uns etwas hinterlassen hat, nämlich die neben denen von Asparas in Indien am besten erhaltenen antiken Wandfresken Südostasiens, die es ohne den Vatermord nicht geben würde. Kashyapa hatte, wie wohl die meisten Könige, die auch ihre Konkubinen hatten, ein Faible für schöne Frauen. Und so ließ er am Königsfels in der lotrechten Wand ein glattes Felsband anlegen, die so genannte Spiegelwand, in denen schönste Frauenbildnisse in leuchtenden Farben auf den glatten Stein gemalt wurden. Um die 500 sollen es damals an der Zahl gewesen sein, ehe diese in späteren Zeiten von keuschen Mönchen zerstört werden sollten. Doch nicht alle, denn 22 dieser schönen Bildnisse sind unter einem Überhang, vor Unwettern geschützt und für die Mönche wohl unerreichbar, erhalten geblieben. Durch diese kann man sich vorstellen, wie die gesamte Spiegelwand, die eine Länge von etwa 130 Metern aufwies, ausgesehen haben mag. Anhand von übriggebliebenen Farbpigmenten im Fels kann man erkennen, dass sich die Malereien einst auf dieser Breite ausgedehnt haben.

Alle diese Frauenbildnisse zeichnet etwas aus, was wohl nicht nur dem Geschmack des Königs entsprochen haben mag. Sie hatten volle Brüste und wohlgeformte Oberkörper. Allerdings nur hinab bis zur Hüfte, denn ein Unterleib fehlte. Sie scheinen mit ihrem Torso auf einer Art roten und weißen Wolken zu schweben, weswegen sie oft auch als Wolkenmädchen oder Himmelswesen bezeichnet werden. Was es nun wirklich mit ihnen auf sich hatte, ist nicht wirklich bekannt. Waren es vielleicht Prinzessinnen mit ihren Dienerinnen, oder doch nur Konkubinen? Oder stimmt die Theorie einiger Historiker aus Sri Lanka, dass König Kashyapa seinen Löwenfelsen als Abbild des heiligen Himalaya-Berges Kailash betrachtet hat? Dann wären die Frauen himmlische Nymphen, Gespielinnen und Dienerinnen der Götter. Was nun zutrifft, wird wohl nie herausgefunden werden können.

Wenn man heute, meist in brütender Hitze, den Löwenfelsen über unzählige Treppenstufen besteigt und schließlich nach Erklimmen einer steilen Wendeltreppe an der senkrechten Felswand die schmale Galerie mit den Fresken erreicht, ist für den Betrachter Staunen angesagt. Staunen über die Schönheit der Malereien, über die wohlgeformten Frauenkörper, über die gut erhaltenen Farben. Und so geht es den Besuchern nicht nur heute. Schon vor Jahrhunderten und sogar 1000 Jahren haben Begeisterte antike Graffitis im Fels hinterlassen und die Himmelswesen darin mit Lobpreisungen überschüttet. Eine Inschrift lautet zum Beispiel: „Frauen euresgleichen lassen die Herzen der Männer zerfließen und ihre Körper beben.“
Heutzutage dürfen die wunderbaren Bildnisse allerdings nicht mehr fotografiert werden. Wächter haben ein strenges Auge darauf. Damals, in den siebziger und achtziger Jahren, als ich den Felsen bestiegen habe, war es noch erlaubt. Deswegen kann ich in diesem Bericht einige Bilder zeigen, von denen zumindest die von der ersten Reise, mangels guten Fotopapieres zu dieser Zeit, stark an Qualität eingebüßt haben. Aber zur Dokumentation werden sie reichen.

Wer nun bei einem Sri Lanka-Urlaub den Felsen ganz besteigen möchte, folgt den Treppenstufen bis auf einen Vorplatz in 150 Metern Höhe. Dort findet er die Vorderpranken des einstigen Löwen. Nur sie sind es leider, die von dem mächtigen Tier übriggeblieben sind. Wer halbwegs schwindelfrei ist, kann dann auch noch die letzten 50 Meter erklimmen. Dort oben auf dem Plateau befinden sich die Reste der einstigen Himmelsburg und der einst prächtigen Palastanlagen. Und man kann sich gut vorstellen, wie König Kashyapa von dieser Höhe so manches Mal beunruhigt in die Ferne geschaut hat, um irgendwo eine große Streitmacht seines Halbbruders Moggalana ausmachen zu können.

Wer in Sri Lanka eine Insel-Rundreise macht, der besucht natürlich auch Sigiriya und ersteigt den Löwenfelsen. Er ist eine Top-Sehenswürdigkeit. Besonders aber sind es die wunderschönen antiken Fresken in ihren immer noch leuchtenden Farben, die in Erinnerung bleiben werden.


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2 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 21.08.2018 | 23:55  
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Shima Mahi aus Langenhagen | 22.08.2018 | 19:13  
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