Wie lange wird es den Menschen auf der Erde geben?

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Ein wunderschöner Planet. Aber ein sensibler Lebensraum. (20 m große Erdkugel im Gasometer/Oberhausen.) (Foto: Christel Wolter)
Das Universum ist nach heutigem Wissensstand sozusagen wie aus dem Nichts vor 13,8 Milliarden Jahren entstanden, unser Sonnensystem vor rund 4,5 Milliarden. Und damit auch die Erde, der schönste Planet den wir kennen. Es dauerte gar nicht mal so lange, bis sie sich von einem glühenden Inferno so weit abgekühlt hatte, dass Ozeane entstehen konnten, und damit nach etwa 700.000 Jahren auch das erste Leben. Es waren einfachste Bakterien, die sich über große Zeiträume nur sehr langsam zu komplexeren Lebesformen entwickelten. Doch je weiter sie sich entwickelten, desto schneller schritt diese Entwicklung voran, bis das Leben schließlich durch exponentielles Wachstum förmlich explodierte. Und so haben sich aus den ersten Bakterien heute geschätzt neun Millionen verschiedene Lebensarten gebildet, wobei die meisten vermutlich noch gar nicht entdeckt worden sind. Im Laufe dieser fast vier Milliarden Jahre hat sich das Leben durch Aussterben der nicht an die Umweltbedingungen Angepassten immer weiter fortentwickelt. So sind aus kleinen nagetierähnlichen Säugetieren und schließlich den Affenartigen vor ungefähr sieben bis acht Millionen Jahren die ersten Frühmenschen entstanden. Und auch dabei kam es wieder zur Auslese, so dass nur unsere Art, der Homo sapiens mit kleinen Anteilen von Neandertaler-Genen und denen des Denisova-Menschen in Asien, überlebte. Nach heutigem Wissen gibt es diesen modernen Menschen seit rund 300.000 Jahren. Also ist das im Vergleich zum Bestehen der Erde ein nur äußerst kleiner Zeitraum.

Doch wie lange wird die Geschichte dieses Menschen weitergehen? Das wissen wir nicht, auch wenn ein Ende so sicher ist wie das Amen in der Kirche oder ein täglicher Sonnenaufgang. Aber immerhin wissen wir, dass in jedem Fall durch die Lebensdauer der Sonne auch unsere Lebensspanne begrenzt sein wird. Viereinhalb Milliarden Jahre schickt sie ihre Strahlen zur Erde herüber. Ihr Brennstoff aber wird irgendwann aufgebraucht sein. Schätzungsweise in den nächsten fünf bis sieben Milliarden Jahren. Dann wird sie sich zu einem Riesenstern aufblähen, der in sich zusammenfallen wird, um vermutlich als Weißer Zwerg zu enden. Einer kleinen, kalten, toten Gesteinskugel von unglaublicher Dichte.

Das allerdings wird die Menschheit schon längst nicht mehr miterleben. Schon in etwa einer Milliarde Jahre wird die Sonne ihre Aktivität so erhöhen, dass auf der Erde kein Leben mehr möglich sein wird. Die Ozeane werden durch die Hitze verdampfen. Eine Milliarde klingt im Vergleich mit fast vier Milliarden Jahre Leben auf der Erde nicht unbedingt viel. Doch das sollte uns nicht beunruhigen. Torschlusspanik ist fehl am Platz, denn es ist etwa 3.000mal so lange, wie es den modernen Menschen, den Homo sapiens, überhaupt gibt. Also ist es immer noch ein gigantisch langer Zeitraum, zumal wir in unserer Welt in Jahrhunderten und Jahrtausenden rechnen. Als Maßstab: Die erste sesshafte Hochkultur dieser Erde, die Sumerer, begannen mit ihrer Zivilisation im Zweistromland von Euphrat und Tigris vor etwa 6.000 bis 7.000 Jahren.

Allerdings ist es alles andere als wahrscheinlich, dass es der Mensch bis zu dieser eine Milliarde Jahre bringen wird, gibt es doch verschiedenste Möglichkeiten, die unser Dasein mehr oder weniger schnell beenden könnten. Zum Beispiel wie vor 65 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag. Irgendwann wird es wieder passieren. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und wenn dieser groß genug ist, wäre das unser Ende. Z. B. wurde 2004 ein Asteroid namens Aphophis entdeckt. Immerhin 300 Meter im Durchmesser. Zunächst dachten die Astronomen, dass er die Erde treffen könnte und das mit einer Geschwindigkeit von etwa 25.000 km/h. Neuere Berechnungen haben jedoch ergeben, dass er in 31.000 km Entfernung an uns vorbeirauschen wird. Das ist nicht viel. Am 13. April 2029 wird er dann mit bloßem Auge zu sehen sein. Blicken wir 14 Millionen Jahre zurück, dann können wir einen Einschlagkrater erkennen, der sogar auf deutschem Boden liegt, das Nördlinger Ries. Rund einen Kilometer war der Brocken groß, der damals mit einer Geschwindigkeit von 70.000 km/h einschlug. Hätte es Städte wie München, Stuttgart und Nürnberg schon damals gegeben, so wären sie ausgelöscht worden.

Auch gigantische Magmaausbrüche aus dem Erdinneren, wie vor 250 Millionen Jahren in Sibirien, könnten dazu führen. Alles schon dagewesen. Auch eine Supernova, ein explodierender Stern, könnte uns den Garaus machen. Ein solches Ereignis ist so heftig, dass es eine komplette Galaxie mit Hunderten von Millionen Sternen überstrahlen kann. Wenn so etwas in unserer, astronomisch gesehen, unmittelbaren Nähe geschehen würde, gäbe es kein Entrinnen. Erst kürzlich war der Riesenstern Beteigeuze im Sternbild Orion ein Kandidat dafür, da er seine Helligkeit veränderte. "Nur" 800 Lichtjahre entfernt. Glücklicherweise hatte das aber, wie die Astronomen herausfanden, dann doch einen anderen Grund. Aber sollte ein solches Szenario tatsächlich geschehen, würden wir es überhaupt nicht mitbekommen. Mit Lichtgeschwindigkeit, ohne jede Vorwarnung, würde uns die tödliche Strahlung erreichen und in einer Millionstel Sekunde alles Leben auf der Erde auslöschen.

Aber es gibt natürlich auch menschengemachte Katastrophenszenarien, die die Menschheit stark dezimieren oder ihr sogar ein Ende bereiten könnten. Möglich wäre ein Atomkrieg. Schon mehrmals sind wir an einem solchen, der alles menschliche Leben auf der Erde gleich mehrmals hätte vernichten können, knapp vorbeigeschrammt. Und Atomraketen gibt es entgegen aller menschlicher Vernunft immer noch. Es könnten Viren sein, gegen die wir keinen Impfstoff finden. Es könnten in einer fernen Zukunft intelligente Roboter sein, die sich selbst vervielfältigen und immer intelligenter machen, so utopisch es auch klingen mag, die uns Menschen satthaben und die Macht übernehmen.

Aber so weit brauchen wir gar nicht schauen. Im Moment arbeitet die Menschheit mit Macht selbst daran, dass es schon bald zu einem Kollaps kommen könnte. Vier große Massenartensterben haben sich in den letzten 450 Millionen Jahren ereignet. Hätte es den Menschen zu diesen jeweiligen Zeitpunkten schon gegeben, so hätte er keine dieser Katastrophen überlebt. Nun aber steuert die Menschheit aus eigenem Antrieb auf einen Abgrund zu. Die Tiefe vor Augen gibt sie weiterhin Gas, anstatt zu Bremsen. Zwar ist in Sachen grünerer Umwelt schon einiges in Gang gesetzt worden. Doch das alles wird durch immer mehr Menschen, die immer mehr konsumieren, zunichte gemacht. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre, der eigentlich sinken sollte, steigt weiterhin an. Die Landwirtschaftlichen Böden werden wohl schon in naher Zukunft ausgelaugt sein, so dass sie nicht mehr viel hergeben werden. Immer mehr Waldflächen werden vernichtet, immer mehr Moorflächen, besonders wichtige Kohlenstoffspeicher, in Agrarlandschaften umgewandelt. Das Methan, 15mal so klimaschädlich wie CO2, rülpsen nicht nur 1,4 Milliarden Rinder aus, sondern es wird aus den riesigen auftauenden Permafrostböden der nördlichen Breiten freigesetzt. Auch die Plünderung der Meere, ein wichtiges Standbein der weltweiten Ernährung und auch deren starke von uns verursachte Versauerung und Verschmutzung wird uns zusetzen.

Das alles wird die Menschheit, wenn es nicht doch noch zu einer Kehrtwende kommen sollte - die zurzeit unwahrscheinlich ist -, wohl zwar nicht vernichten, aber in eine katastrophale Welt mit Kriegen, Tod durch Verhungern, Verwüstung und Versteppung der Erdoberfläche, Artensterben und natürlich extrem weniger Wohlstand führen. Und es könnte zu einer deutlichen Dezimierung der Weltbevölkerung kommen. Das bietet dann immerhin die Chance für die Überlebenden in einer aufgeheizten Welt mit viel weniger lebenswerter Landfläche alles besser zu machen.

Was von all dem Angesprochenen eintreffen wird, wobei es sicher noch viele andere schlimme Szenarien gibt, die wir vielleicht noch gar nicht kennen, ist nicht absehbar.  Schlechte oder katastrophale Lebensumstände oder sogar die vollständige Vernichtung des menschlichen Lebens könnten in sehr weiter Ferne liegen, aber auch ganz nah. Doch sollten wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Es lohnt sich immer, für gute Lebensverhältnisse zu kämpfen. Wir selbst könnten zumindest in den Bereichen, die wir beeinflussen können, etwas dafür tun. Doch dann müssten wir nicht langsam, sondern sofort damit anfangen. Ein ewiges Wachstum, wie es uns von Wirtschaft und Politik suggeriert wird, gibt es nicht auf einem endlichen Planeten. Das bisherige hat die Erde schon jetzt krank gemacht. Sie liegt auf der Intensivstation. Wollen wir hoffen, dass es nicht zu noch Schlimmeren kommt. Noch haben wir es vielleicht in der Hand.
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8 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.01.2022 | 20:51  
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Günther Gramer aus Duisburg | 14.01.2022 | 10:08  
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Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 14.01.2022 | 13:43  
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Jost Kremmler aus Potsdam | 14.01.2022 | 19:36  
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Yvonne Rollert aus Halle | 11.02.2022 | 10:30  
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Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode | 11.02.2022 | 22:50  
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Jost Kremmler aus Potsdam | 12.02.2022 | 19:39  
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Heimatler Rainer Bernhard aus Seelze | 20.03.2022 | 17:40  
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