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«Rocky für Alle» Happy-End für die Freikarten-Aktion

Frau im Rollstuhl mit Freikarte für das Hamburger Rocky-Musical (Foto: Facebook / Max Bryan)
Als "schönste Weihnachtsgeschichte 2012" bezeichnete der Hamburger Hauptpastor Alexander Röder die Aktion des ehemaligen Obdachlosen Max Bryan, der vergangenes Jahr nach 4-monatiger Radtour eine Bleibe im hessischen Bad Nauheim fand und seitdem überregional bekannt ist. Unter dem Motto "Rocky für Alle", sammelte der 37-Jährige nun Spenden für mittellose Menschen, damit auch die Ärmsten der Stadt zu Weihnachten ins Theater gehen können.

(GZ/sb) Vor 6 Wochen angereist, um an einer Theater-Premiere teilzunehmen, "wurde mehr daraus", schreibt Max Bryan in seinem Abschlussbericht, der seit letzter Woche online steht und viele seiner Anhänger tief beeindruckt hat.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/rocky-f%C3...

"Bin sehr beeindruckt, von dem was Du machst, wie Du es machst und vor allem, dass Du Deine Ziele erreichst (...) Du bist eine echte Bereicherung für uns alle", schreibt eine Kommentatorin in Reaktion auf den Bericht, der auch hunderte Fotos enthält.

"So kann jeder sehen, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen", argumentiert Bryan die Lückenlosigkeit seiner Dokumentation und erwähnt auch, dass er sich bei allen Beteiligten entschuldigt, denen er mit seinen endlosen Anfragen auf die Nerven gegangen ist. 5 mal insgesamt hatte der Hobby-Reporter Anlauf genommen, um an Karten für Bedürftige zu kommen. Zunächst war von "Plan B" die Rede, nachdem Plan A, eine Rocky-Sonderveranstaltung für Leute ohne Geld, an der Kurzfristigkeit des Termins (noch vor Weihnachten) scheiterte und die Stage-Macher reagierten sachlich aber bestimmt: "Leider können wir vor Weihnachten nichts mehr tun, weder nach Plan A, B oder C", hieß es in der Absage des Veranstalters vom Dezember letzten Jahres. Bryan aber wollte so leicht nicht aufgeben und initiierte "Plan D", eine selbst gegründete Spendenaktion zu Gunsten des Hamburger Kulturschlüssels e.V., einer Einrichtung, wo Kulturveranstalter Karten für den guten Zweck spenden können. Geplant war, bereits gekaufte Tickets wieder zurück zu kaufen, aber die Spenden reichten nicht aus, was Bryan zu "Plan E" führte, eine "Pappschild-und Klingelbeutel-Aktion", und das hieß, "zurück auf die Strasse, Leute ansprechen, ob sie etwas Geld geben können", damit Menschen, die in Armut leben, zu Weihnachten auch mal ins Theater gehen können und mit dieser letzten Intervention hatte Bryan dann auch Erfolg. Im 5. Anlauf gelang es ihm genug Geld zu sammeln, um endlich die ersehnten Karten für das Rocky-Musical kaufen zu können und einen Karten-Empfänger hatte Max Bryan dann auch schon im Auge.

Es war Dominik, die Rollstuhlfahrerin, die am Tag der Rocky-Weltpremiere vergeblich um Einlass bat und Bryan lud sie ein, zum Hamburger Michel zu kommen, wo Menschen, die niemanden mehr haben, gemeinsam das Weihnachtsfest verbringen. Zusammen mit anderen einsamen Menschen verbrachten die beiden dann Heilig Abend im Gemeindehaus der St. Michaelis Kirche und Bryan schenkte ihr dort dann die Rocky-Karte für den 26. Dezember und es gab noch eine weitere Überraschung.

Denn inzwischen hatte auch Spiegel-Autor Matthias Matussek von der Aktion gehört und kaufte zwei weitere Karten, die Bryan dann bei ihm abholte und zusammen mit den Spenden der Facebook- und Michel-Gemeinde gelang es am Ende vier mittellose Menschen ins Theater zu bringen. "Freikarten für die Ärmsten der Stadt", hieß es im begleitenden Text dazu und die Portraits der Beschenkten gehen unter die Haut. So berichtet Bryan von einem gewissen "Klaus", der schlimm dran ist und auch "Rex", ein ehemaliger Weggefährte bekommt die Karte angeboten. Bryan führt Dutzende Gespräche mit Leuten, die lange schon in keinem Theater mehr waren und für Interessenten gab es nur zwei Bedingungen:

"Ich wollte jemanden finden, der lange schon in keinem Theater mehr war und dem die Geschichte von Rocky etwas bedeutet - auch für´s eigene Leben", erklärt der Aktivist, der bis vor einem Jahr selbst noch auf der Strasse lebte.

Sein Kumpel "Rex", er hat nur noch ein Bein, wäre gerne auch mitgegangen, aber es scheitert an den Hosen und der notwendigen Dusche, denn ändern wollte Rex diesbezüglich nichts. "Entweder ihr nehmt mich so, wie ich bin, oder gar nicht", murrt der Mann mit Krücken und Gitarre und Bryan sieht die Verantwortung auch bei sich, die Karten nicht wahllos zu verschenken, sondern Leuten zu geben, die sie am meisten wollen.

Als Bryan Klaus dann trifft, ein weiterer Kumpel von damals, wird schnell klar, dass es für Klaus weniger um Karten, als ums Überleben geht, denn Klaus ist erkältet und das schon seit über einem Jahr. "Du wirst sterben, wenn Du so weiter machst", warnt Bryan den alten Mann mit krausem Haar, der nicht jede Hilfe annimmt.

Tragisch auch die Geschichten des jungen Dennis, der mit 16 von zu Hause weg ist und dann 3 Jahre lang obdachlos war. Inzwischen ist er 27 und immer noch auf der Strasse und er will weg von den Drogen, nimmt jetzt eine Ersatzdroge und hofft auf ein besseres Leben fern der Strasse mit Arbeit und Wohnung.

Beim Essen in der "Alimaus" - einer Hamburger Sozialstation am Nobistor 42 - trifft Bryan dann auch einen 70-jährigen Wohnungslosen, der sich das "Jungsein" bewahrt hat, wie Bryan es bezeichnet. Seit ein paar Wochen schon schläft Detlef im "PikAs", einer Übernachtungsstätte für Obdachlose. Zum Enten füttern an der Alster trifft Bryan den Mann dann wieder und Detlef erzählt von sich und seiner Vergangenheit, ein typischer Fall von Alters-Armut. Als junger Kerl viel gereist, kellnerte er mal hier und mal da, meistens im Ausland und die kleine Rente, die er heute dafür bekommt, reiche kaum zum Leben, sagt der Mann mit Pudelmütze und weißem Haar, der selbst nichts hat und trotzdem auch an andere denkt.

Ob er noch Träume hat, fragt Bryan den Mann und Detlef antwortet: "Mit meinen 70 Jahren habe ich aufgehört zu träumen" und "es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen". In der Geschichte von "Rocky" sieht er einen Maßstab, ein Vorbild, auch für´s eigene Leben.

Wir fragen nach und erreichen Max Bryan am Telefon. Wie es ihm geht und warum er die Initiative ins Leben rief, wollen wir wissen und Bryan antwortet: "Ich war selbst mal ohne Wohnung und weiß wie es ist, wenn man sich überhaupt nichts leisten kann. Es gibt viele Sozialstationen und man bekommt Essen, Kleidung und Wärme, aber was fehlt ist die Teilnahme an Kultur. Dieser Mann von der Alimaus war 30 Jahre in keinem Theater mehr, weil er sich das gar nicht leisten kann und die Freude in seinem Gesicht, als ich ihm die Karte schenkte, wiegt mehr als die Anstrengung auf dem Weg dahin und jeder sollte das einmal tun, seinem Nächsten ein Stück Freude schenken, dann ist die Welt schon gar nicht mehr so traurig", beschreibt Max Bryan seine Aktion.

Beeindruckend auch die Mischung der Bilder und Geschichten, die sich zu einer Art Gesamtwerk fügen und die Freude der Beschenkten ist spürbar in fast jedem Satz.

"Das war so authentisch, das war Poesie", sagte Detlef nach Ende der Vorstellung und hofft nun auf einen "kleinen Anhang", eine Frau wie "Adrian" würde er gern noch einmal kennenlernen und Bryan verspricht zu vermitteln, soweit er das kann.

Auch Siegfried, Erich und Dominik hat der Besuch im Theater sehr gefallen und ihre Begeisterung ist groß.

"Der Rocky lebt in Euch", gibt Bryan den Beschenkten noch mit auf den Weg und "er lebt jetzt in meinem Herzen", antwortet die Frau im Rollstuhl.

Menschen wie Dominik seien es, "die jeden Tag den Mut und die Kraft eines 'Rocky' brauchen", schreibt Max Bryan im Resümee seines bislang wohl umfangreichsten Berichts und bedankt sich darin auch bei allen Helfern und Spendern, die das Projekt erst ermöglicht haben.

Auch Stage Entertainment, die Firma, die Plan A, B und C ursprünglich abgelehnt hatten, zeigte Reaktion und schreibt Folgendes:

"Lieber Max Bryan, vielen Dank für Ihren Abschlussbericht, Ihre Initiative, Ihre Entschlossenheit und Ihr gutes Herz. Ihr unbeirrbarer Einsatz für die Idee und die Umsetzung ist wirklich sehr beeindruckend und verdient unseren Respekt!".

Stage will die Idee im Laufe des Jahres nun aufgreifen und bietet dem ehemaligen Obdachlosen eine Zusammenarbeit an.

Fotos zum Thema im Blog von Max Bryan unter:
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.549057301...
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