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Burgund: Leicht gerät man ins Schwärmen

Verschwenderische Pracht für mittellose Kranke: das Hôtel-Dieu in Beaune
 
Essen wie Gott in Frankreich: unter dem Kreuzrippengewölbe eines ehemaligen Weinkellers im Château de Gilly
Spätabends in dem einsamen Weiler Cruzy-le-Châtel angekommen, versichert uns das Ehepaar, in dessen Fremdenzimmer wir logieren wollen: „Falls Sie noch ausgehen möchten - die Haustür bleibt offen. Wir brauchen hier nicht abzuschließen.“ Die zweite Überraschung am Morgen beim Frühstück im Wohnzimmer der Familie. Selbstgemachte Marmelade. Nichts Besonderes? Und ob - denn sie besteht aus grünen Tomaten, mit Zitronenscheiben und Zucker verkocht. Ein so einfaches wie köstliches Rezept und zur Nachahmung empfohlen.
Wir befinden uns im Herzen Frankreichs, in der Bourgogne. die auch unsere Herzen höher schlagen lässt. Denn hier leben wir wirklich wie Gott in - Burgund. Überall treffen wir auf Restaurants mit „Michis“, Michelin-Sternen. Vorzüglich speisen wir aber auch dort, wohin die Einheimischen strömen und wo der Burgunder preiswerter strömt. Sogar die Gerichte sind voll der Promille: „Oeufs en meurettes“, pochierte Eier in Rotweinsauce auf Toast, „Coq au vin“, Hähnchen in Burgunder, oder „Boeuf bourguignon“. Keinesfalls versäumen darf man ein „Onglet“ oder Entrecôte von den berühmten weiß-beigen Charolais-Rindern, „bleu“ natürlich, wie die Franzosen es lieben, sozusagen rein in die Pfanne, gewendet und raus auf den Teller. Oder die Bresse-Hühnchen, deren silbern schimmernde blau-graue Füße auch noch auf dem Teller erkennbar sein müssen. Ebenso verführerisch die Weinbergschnecken. Herrlich, dieses Schwelgen...

Ins Schwärmen gerät man leicht im Burgund. Die schönen mittelalterlichen Städte Auxerre, Cluny, Clamecy, Nevers, La Charité-sur-Loire, Paray-le-Monial sind ein einziges architektonisches Juwel. Schmalbrüstige Wohnhäuser muten an wie Kirchen, Kathedralen dienen als Wohnraum, Hospitäler sind in verschwenderischer Pracht erbaut und erinnern an Klöster. Reiche Herzöge von Burgund waren es, die diese einzigartigen „Hôtels-Dieu“ errichteten, um den Ärmsten der Armen kostenlose Pflege angedeihen zu lassen. Das älteste „Gotteskrankenhaus“, das von Tonnerre, datiert aus dem 13. Jahrhundert. Das in Louhans wurde noch bis 1977 benutzt. Mit seinen buntglasierten Ziegeln, rauten- und kreuzförmig oder mäandernd auf Türmen und Dächern platziert, leuchtet schon von fern das Vorzeige-Hospiz in Beaune aus dem Jahre 1443. Barmherzige Schwestern brachten nicht nur mildtätige Hilfe mit, auch ihren ganzen Besitz, weshalb die lang gestreckten Säle, heute Museum, voll kostbarem Mobiliar sind. Bett für Bett so ausgerichtet, dass die Kranken der Messe lauschen konnten, die eigens für sie aus der Kapelle am Saalende gelesen wurde.

Farbig glasierte Fayencetöpfe aus Nevers zur Aufbewahrung der Heilmittel sind in der Apotheke der Hôtels-Dieu zu bewundern, in Beaune wie in Louhans. Als Höhepunkt in Beaune stellt sich ein Polyptychon aus dem 15. Jahrhundert heraus, das dem flämischen Maler Roger van der Weyden zugeschrieben wird: ein eindrucksvolles „Jüngstes Gericht“. Die fahrbare Riesenlupe bringt auch das kleinste Detail groß heraus. Wenn man dann noch erfährt, dass das Hospital seit 1859 jedes Jahr die angeblich berühmteste Weinversteigerung der Welt organisiert, wird einem auch die Bedeutung der flachen Silberschälchen in der Glasvitrine klar: Es sind alte „tastevins“ für die Weinverkostung, die mit Rippenmuster für den Weißburgunder, die mit Noppen für den Roten.

Obwohl schon die Römer im 6./7. Jahrhundert den Wein ins Burgund brachten, trugen speziell die Zisterzienser zum Aufschwung bei. Ob Chablis, Côte d`Or, Côte de Nuits oder Mersault, Weinberge gehören hier zum Landschaftsbild, und die „Route des Grand Crus“, die Straße mit den besten Lagen, ist als Touristenattraktion ausgeschildert. Weinkeller haben immer eine offene Tür. Gleich hinter Dijon beginnt diese Straße der großen Lagen, wo man die besten kaufen kann.
Aus der Hauptstadt Dijon kommt nicht nur der scharfe Senf, in Dijon war es auch, wo der 1968 verstorbene ehemalige Bürgermeister und Domherr Felix Kir das nach ihm benannte Modegetränk schuf: Nur wenn der Cassis-Johannisbeerlikör dem trockenen Weißwein Aligoté zugefügt wird, entsteht ein echter Kir!

Nicht in Schlafsälen wie denen der Hôtels-Dieu muss man im Burgund nächtigen. Nein, es bieten sich die vielfältigsten Unterkünfte an, etwa auf einem Hausboot, mit dem man gemütlich Burgunds unzählige Wasserstraßen durchkreuzen kann, oder in einem zum Nobelhotel restaurierten Schlösschen wie dem „Manoir de Sornat“ in Bourbon-Lancy, wo nichts und niemand die Ruhe stört und der Schlossherr persönlich kocht.

Hotelführer „Logis de France“, Atout France - Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 100128, 60001 Frankfurt am Main, info.de@rendezvousenfrance.com,
www.rendezvousenfrance.com
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2 Kommentare
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Manfred Hermanns aus Hamburg | 04.03.2013 | 12:42  
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Elke Backert aus Hamburg | 04.03.2013 | 12:45  
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