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Burgen und Schlösser in der Region Hannover (Teil 12): Wunstorf: Die Kranenburg versank im Meer

Die Inselfestung Wilhelmstein.
 
Bilder von der Festung Wilhelmstein.
 
Bilder von der Festung Wilhelmstein.
Wunstorf: Steinhude | Wunstorf verfügt mit dem Steinhuder Meer über ein touristisches Ziel von überregionaler Bedeutung. Immerhin handelt es sich bei dem „Meer“ um den größten Binnensee Niedersachsens.

Die Wellen des Steinhuder Meeres haben nicht nur das erste U-Boot der Welt (den Steinhuder Hecht) gesehen, sondern auch eine alte Burg verschlungen. Und mitten im See thront auf einer künstlichen Insel eine Festung: der Wilhelmstein.

In alten Sagen wird oft von versunkenen Burgen berichtet. Ein heute tatsächlich von Wasser überspültes Schloss gab es in Steinhude: die Kranenburg. Um 1320 wurde die Anlage zerstört und vom Steinhuder Meer überflutet. Ihren einstigen Standort markiert eine Untiefe, die den bezeichnenden Namen „Burg“ trägt. Hier kamen Steine, Pfahlsetzungen und Keramik zum Vorschein. Im Jahr 2009 gingen Wissenschaftler dann auf Spurensuche. Mit geophysikalischen Messungen konnten im Seeboden archäologische Strukturen ermittelt werden.

Über die Kranenburg ist nicht viel bekannt. Besser dokumentiert ist hingegen die Geschichte vom Wilhelmstein. Von Steinhude ist die Festung mit den sogenannten Auswandererbooten gut erreichbar. Dieses kleine Fort wurde vom Grafen Wilhelm von Schaumburg (daher der Name Wilhelmstein) in den Jahren 1761 bis 1765 ange-legt und diente in den unterschiedlichsten Funktionen. Mal war hier ein Gefängnis, mal eine Offiziersschule (Praktische Artillerie- und Genieschule) untergebracht. Heute befindet sich in den Kasematten ein kleines Museum.

Ursprünglich handelte es nicht eine einzige Insel, sondern Graf Wilhelm ließ eine Sternschanze, die von vier Bastionen umgeben wurde, erbauen. Die einstigen Bastionen waren selbst nur mittels Zugbrücken erreichbar. Erst zwischen 1811 und 1814 wurden die Gräben zwischen den einzelnen Teilanlagen zugeschüttet. Der kleine Turm auf dem Zentralbau, in dem der Kommandant der Festung wohnte, entstand 1774. Auf ihn betrieben die Inselbewohner auch astronomische Studien.

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Informationen zur Besichtigung des Wilhelmsteins:
Eintritt : 3,- Euro zzgl. 5.- Euro für die Bootsfahrt
Öffnungszeiten
täglich vom 1. April bis 15. Oktober von 9.00 - 18.00 Uhr geöffnet
Führungen, Informationen und Reservierung:
Tourist-Info Steinhude
Meerstr.2
31515 Wunstorf/Steinhude
Tel: 0 50 33 / 95 01-0
Fax: 0 50 33 / 95 01-20
E-mail: touristinfo.steinhude@steinhuder-meer.de
Festung Wilhelmstein (direkt) : Tel : 0 50 33 / 14 36
(Stand 2004)
Gastronomie auf dem Wilhelmstein für ca. 150 - 200 Personen Tel.: 05033/911811

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Steinhude war nicht der einzige Ort der Stadt Wunstorf, in dem früher eine Burg wachte.

So besaßen die Grafen von Roden und Wunstorf im 14. Jahrhundert in Blumenau ein festes Schloss. Vermutlich wurde es bald nach 1317 errichtet, nachdem die Burg der Grafen in Wunstorf selbst zerstört worden war. 1871 wird noch von einem vorhandenen Rest vom ehemaligen Burggraben gesprochen. Vielleicht ging die Burganlage in den alten Amtshof auf, der ebenfalls von einem Wasser-graben umgeben war. Den Amtshof rissen unsere Vorfahren leider Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Etwa 300 Meter von diesem Standort entfernt, errichteten Bauarbeiter 1865 bis 1867 das Herrenhaus des Rittergutes Blumenau. Eine kleine Schlossanlage, die „very british“ daherkommt und auch Schauplatz eines Edgar-Wallace-Films hätte sein können.

Es wird berichtet, dass die Veste Bokeloh von Ludolf, Bischof von Minden, gegen die in Wunstorf ansässigen Grafen von Roden erbaut worden sein soll. Wohl um 1300 herum errichtet, wird die Burg 1317 als „castro Boklo“ erwähnt. Aus der Burg ist der heutige Amtshof hervor gegangen. Das ehemalige Herrenhaus des Gutes an der Schlosstraße ist jedoch jünger, von der Burg stecken im Erdboden noch die Fundamente eines Turmes und es gehört wohl auch ein altes Kellergewölbe im Herrenhaus zu der früheren Anlage. Die Burgräben sind längst trocken und verfüllt.

Der Wunstorfer Ortsteil Idensen ist eigentlich wegen seiner sehr alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert bekannt. Der Mindener Bischof ließ sie zwischen 1120 und 1129 errichten. Zu seiner Sicherheit mussten seine Leute ihm neben der Kirche auch noch einen steinernen Wohnturm errichten. Die Fundamente dieser Turmburg konnten an der Nordwestecke der Kirche im Boden nachgewiesen werden.

In Kolenfeld gibt es den Möchehof mit seinem Herrenhaus, die Bausubstanz dürfte wahrscheinlich bis auf Ende des 18. Jahrhundert zurückgehen.

1447 ist bereits das Landgut Liethe erwähnt, 1547 ist vom Bau eines festen Hauses die Rede. Das heutige Herrenhaus des Gutes stammt aber erst aus dem Jahr 1840.

Auf das Jahr 1055 dürfte die Burg in Mesmerode zurückgehen, die nach einem Inventar des Jahres 1675 eine von Gräben und Wällen umgebene Wasserburg war. Die Burg verschwand im 19. Jahrhundert.

Im Gebiet der Kernstadt von Wunstorf gab es gleich mehrere Burganlagen. Wahrscheinlich standen hier einst drei dieser Wehrbauten.

Um 1220 wird auf dem Friedhof der Wunstorfer Marktkirche eine zerstörte Befestigung erwähnt, die man nicht wieder aufgebaut hatte. In der gleichen Urkunde ist von einem weiteren Platz im Westen die Rede, der ebenfalls befestigt war und dem Bischof von Minden und den Grafen von Roden überlassen wurde. Hierbei dürfte es sich wohl um die Spreensburg handeln, auf die Flurbezeichnungen hinweisen. Noch 1909 soll der Burggraben erkennbar gewesen sein. Untersuchungen haben ergeben, dass es sich bei der Spreensburg wohl um eine Turmhügelburg, d.h. eine sogenannte Motte, gehandelt hat.

Wo die um 1247 erwähnte, "Neue Burg" in Wunstorf gestanden hat, ist bis heute unklar. Bereits 1317 wurde der Abriss dieses festen Schlosses vereinbart, aber noch 1364 wird die Burg erwähnt. Vielleicht stand diese Wunstorfer Burg am Platz des alten Rathauses. Immerhin ist 1423 der Name „Burgstraße“ hier belegt.

Erst 1929 wurde das Gebiet des Rittergutes Düendorf in das Stadtgebiet von Wunstorf eingegliedert. Die Geschichte des als Wasserburg angelegten Burgmannenhofes geht bis in das späte 13. Jahrhundert zurück. Das einst von einem Wassergraben geschützte Gut wurde 1270 erstmals erwähnt. 1533 war die Burganlage allerdings schon wüst geworden. Von der neuen Burg, die 1580 entstand, gingen Teile im heutigen Herrenhaus auf, das aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammt. Teile des alten Kellers könnten noch von dieser Burg stammen. Im Gelände selbst ist noch der alte Burggraben zu erkennen, der ebenfalls auf das 13. Jahrhundert zurückgeht.

Gliederung:
01. Einleitung / Literaturverzeichnis - 30.10.11
02. Burgen im Stadtgebiet von Hannover - 04.11.2011
03. Schlösser der Stadt Hannover – 13.11.2011
04. Burgen und Herrensitze in Hemmingen – 24.11.2011
05: Herrensitze in Laatzen – 15.12.2011
06. Schlösser und Burgen der Stadt Pattensen –
02.01.2012
07. Springe – Waldspaziergang mit Burgresten –
08.01.2012
08. Gutshäuser in Ronnenberg – 20.01.2012
09: Gehrden- Auf dem Burgberg ging eine weiße Frau
um – 29.01.2012
10. Wennigsen: Die mächtigste Wasserburg des
Calenberger Landes und ein Jagdschloss des
Königs – 09.02.2012
11. Burgenreiches Barsinghausen – 17.02.2012
12. Wunstorf: Die Kranenburg versank im Meer –
24.02.2012
13. Burgen in Neustadt: Schloss Landestrost war den
Untertanen kaum ein Trost – in Vorbereitung
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 25.02.2012 | 07:20  
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Uli Holste aus Wunstorf | 15.05.2012 | 19:52  
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