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Sensationelles Debüt von David Franke aus Naumburg beim Orgelsommer

Wann? 07.08.2010 11:15 Uhr

Wo? Basilika St. Peter, Dillingen an der Donau DEauf Karte anzeigen
Spektakuläre Interpretation von David Franke auf der Basilika-Orgel
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Die Zuhörer schienen das Außerordentliche des Konzerts geahnt zu haben. Über 130 Besucher waren zur samstäglichen Mittagsstunde in die Basilika gekommen und wurden Zeuge eines singulären Ereignisses. Der erst 30-jährige David Franke zog sie alle in seinen Bann. Zunächst als er die aufzuführenden Werke näher erläuterte: Pièce d'orgue BWV 572 von J.S.Bach, drei Sätze aus der 6. Sinfonie in h-moll von Louis Vierne, dazu eine Miniatur von Olivier Messiaen und eine eigene Improvisation. Französische Meister wollte Franke vorstellen und zeigen, wie J.S.Bach sich auf solche seiner Zeit beruft. Vom ersten Takt an spürten die Gäste, dass ein Könner an der Sandtner-Orgel saß. Wie er das flirrende Passagenwerk des ersten Abschnitts aus Bachs "Pièce" anging, die ununterbrochene, rasch dahinperlende Bewegung strukturierte, den kontrapunktisch dicht gearbeiteten Mittelteil aufzeigte, die Arpeggien und den chromatisch absteigenden Bass darlegte, ließ bereits aufhorchen. Als der Naumburger Organist den 2. Satz (Aria) aus Viernes 6. Sinfonie präsentierte, demonstrierte er zugleich den Facettenreichtum der Basilika-Orgel. Arios entwickelte Franke die variablen Melodiesequenzen auf abwechselnd gespielten Manualen bis zur Reprise in D-Dur. Was der Konzertorganist im Scherzo und im Finale an technischer Perfektion und musikalischer Substanz bot, war atemberaubend. Rhythmische und modulatorische Spielereien gelangen wie von selbst, souverän breitete er die markanten, von großer Kraft bestimmten, pedalgesättigten Elemente aus und erkundete die erstrangige Pracht kontrapunktischer Schreibweise. Dazwischen wunderbare Erhabenheit und beruhigende Wirkung, quasi "ein Lichtblick auf eine bedrängte Seele" (A. de Montrichard). Im sehr kurzen "Sturmwind des Hl. Geistes" aus dem Orgelbuch (1951) von Olivier Messiaen für den Pfingstsonntag konnte David Franke seine hoch zu rühmende technische und künstlerische Meisterschaft explizit beweisen. Chromatische Zwölftonreihen in zeitlich festgelegten Pedalstimmen und Sechzehntelketten der Manualpartie des horrend schweren Stückes erklangen in selbstverständlicher Präsenz. Das französische Thema in Frankes fantastischer Improvisation entpuppte sich als Kinderlied vom "frère Jacques". Der Organist legte es an als Don Quijotterie im Stile Viernes. Klangarabesken umrahmten impressionistisch das Thema, Pedaltöne und kraftvolle Akkorde wichen einem Schwellwerkgesang, alles burlesk verspielt, wobei die Register die Melodie gegenseitig abgrenzten, ehe im Grand Jeu der Titelheld seinen Triumph auskostete. Jubelnder Beifall, den Franke mit dem Dillinger Wallfahrtslied belohnte, das er in liebevoller Homophonie improvisatorisch verklärte.
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