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Klangeruptionen und meditative Versenkung bei der 6. Orgelmatinee

Wann? 31.07.2010 11:15 Uhr

Wo? Basilika St. Peter, Dillingen an der Donau DEauf Karte anzeigen
Der Orgelvirtuose Winfried Lichtscheidel aus Sendenhorst bei Münster in Westfalen mit überwältigenden Interpretationen
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Das Geschick und der künstlerische Sachverstand des Basilikaorganisten Axel Flierl sind nicht genug zu loben. Wieder hat er mit der Verpflichtung des 30-jährigen Schwaben Winfried Lichtscheidel ein absolutes As der jüngeren Orgelkünstler in der Basilika präsentiert. Der ständige Besucher Werner Weigl aus Echenbrunn hat es auf den Punkt gebracht:" Dieser Konzertorganist hat die Sandtner-Orgel wie kaum ein anderer in ihrer ganzen Fülle gezeigt, höchste Virtuosität bewiesen und die Seele aufjauchzen lassen"! Dieses Kunststück brachte er mit nur zwei Werken fertig: mit der Orgeltranskription der h-moll-Sonate von Franz Liszt und dem "Triptychon" des 52-jährigen Norwegers Jon Laukvik, der an der Stuttgarter Musikhochschule lehrt. Die Erforschung und Erprobung neuer klanglicher, formaler sowie ästhetischer Möglichkeiten und Konzepte hat der norwegische Komponist in seinem dreisätzigen Werk verwirklicht. Winfried Lichtscheidel, der in Stuttgart studierte, kannte die kompositorischen Absichten Laukviks und setzte sie grandios um. "Improvisation, Meditation und Toccata" zeugten von einer radikal avangardistischen Haltung. Alle Linien sind variativ aufeinander bezogen; neue Melodien wachsen aus Ableitungen bereits erklungener heraus, wandeln sich nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab. Durch die Übereinanderschichtung entwickelt sich eine Heterophonie von schwankender Dichte, die auf der rhythmischen, melischen und durch Manualverteilung darüber hinaus oft auch klanglichen Unabhängigkeit von Stimmen basiert. Der Gastorganist machte sich bei der Interpretation Dieter Schnebels Ausspruch zu eigen: "Die Toccata hat das Ziel, den Reichtum des Instruments zu demonstrieren". Seine nachdrücklich geforderte Virtuosität stellte W. Lichtscheidel auch ganz in den Dienst der Lisztschen Sonate. Die Übertragung einer der gewaltigsten Tondichtungen der Klavierliteratur auf Orgel durch den Stuttgarter Orgelprofessor Bernhard Haas (dem Lehrer Lichtscheidels) ist ein kongeniales Unterfangen. Die große Anlage der Sonate wurde triumphal eingefangen: die Darstellung des dramatischen Hintergrundes genauso wie der Zauber von stegreifartiger Unmittelbarkeit. Besonders in der wundervollen Lyrik konnte Lichtscheidel die Widmung Liszt "an Robert Schumann" mit tiefem Registrierverständnis darlegen. Fulminant, wie der Sendenhorster Organist den kämpferischen Geist in den rhythmisch punktierten Doppeloktavengängen offen legte, wie er die ausladenden Motive zu strömender, gefühlsstarker Einheit verwob. Feurig und glanzvoll leuchteten die vollgriffigen und tremolierenden Akkorde auf und steigerten sich zu einem dröhnenden Jubelausbruch. Ergriffenheit, als nach der Schlussfermate ein kurzes Doppelkontra-H ertönte. Danach überaus starker Beifall der 75 überwältigten Zuhörer.
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1 Kommentar
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Tanja Wurster aus Augsburg | 03.08.2010 | 09:41  
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