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Höchste Musikalität und künstlerische Meisterschaft

Wann? 09.05.2010 17:00 Uhr

Wo? Basilika St. Peter Dillingen, Dillingen an der Donau DEauf Karte anzeigen
Domorganist Maurice Clerc aus Dijon (Frankreich) an der Dillinger Hubert Sandtner-Orgel
 
Der 64-jährige Orgelvirtuose Maurice Clerc begeisterte die Zuhörer in der Basilika St. Peter
Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter Dillingen | Ein weltweit anerkannter und gefragter Orgelvirtuose machte kürzlich Station in der Basilika St. Peter: für die nahezu einhundert Zuhörer ein Glücksfall. Zurecht sprach Schirmherr Monsignore Stadtpfarrer Gottfried Fellner von einer Sternstunde und dankte Axel Flierl für die Initiative und die Auswahl namhafter Könner auf der Königin der Instrumente, die zum vierten Mal die Basilikakonzerte bestreiten. Mit dem Domorganisten Maurice Clerc aus Dijon stellte sich ein Spezialist für die französische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts vor. So verwunderte es nicht, dass diese im Mittelpunkt stand. Nicht mit zwei oder drei Hauptwerken bestritt M. Clerc das Programm, sondern mit neun verschieden kurzen oder längeren bedeutenden Stücken. Er ordnete seine Vortragsstücke einer musikgeschichtlichen Reihenfolge zu, die von der Renaissance bis in die Jetztzeit reichte. Darunter Hochkarätiges wie J.S.Bachs Präludium und Fuge in h-Moll BWV 544. Hier huldigte Clerc dem Thomaskantor mit einer souveränen Ausarbeitung der kompositionstechnischen Struktur. Den herben Grundcharakter des Präludiums mit seiner vertrackten rhythmischen Gestaltung der Motivik und den Sequenzfortschreitungen wusste der Franzose mit überlegener Klarheit aufzuzeigen, was ihm auch besonders in der Fuge gelang. Ungewöhnlich und bemerkenswert das breite Schlussritardando quasi als "stille Erwartung des Schicksals", wie es Daniel Schubart in seiner "Ästhetik der Tonkunst" bezeichnet. Welch einen Kontrast dazu setzte M. Clerc mit dem "Allegro" aus der 2. Sinfonie von Louis Vierne aus dem Jahre 1902. Mit Autorität und Sicherheit sowie überschwänglicher Energie behandelte der Orgelvirtuose diesen temperamentvollen Satz in technischer und klanglicher Hinsicht wie ein Sinfonieorchester. Ganz im Sinne des Komponisten, der die Orgel als "ein anderes Orchester" sah ("cet autre orchestre"), nutzte Clerc die Möglichkeiten der Orgel bis ins Letzte aus, was der Dillinger Orgelbauer Hubert Sandtner mit Wohlwollen registrierte. Das kraftvolle Hauptthema und das lyrische Seitenthema kombinierte der Franzose miteinander und steigerte es vom zweifachen piano bis zum dreifachen forte in einer brillanten Reprise.
Dass Maurice Clerc sowohl ein Meister der Improvisation aber auch ein blendender Arrangeur ist, zeigten seine Transkriptionen. In "Spuntato ecco" aus dem Finale des 2. Aktes von Giuseppe Verdis "Don Carlos" überwältigte er mit einer kongenialen Übertragung wie auch im "Scherzo" seines Lehrers Pierre Cochereau, einem heiter gelösten Stück, in Variationen aufgebaut, mit fließendem Beiwerk, eleganten Registrierungen und einer übermächtigen Schlussszene. Eine kindlich naive Welt holte M. Clerc in sein Programm mit den für Klavier zu vier Händen komponierten Teilen der "Dolly-Suite" von Gabriel Fauré (1896). Liebliche Akkorde umschrieben eine zarte Melodie in "Berceuse" (Wiegenlied), der Kitty-Walzer kannte übersprudelnde Themen und der spanische Tanz iberisches Feuer. Verblüffend wie es M. Clerc mit eleganter Hand gelang, die Klavierwelt auf die Dillinger Orgel zu platzieren. Mit Renaissance-Tänzen (Claude Gervaise), dem Dialog der "falschen Bässe" aus dem Spanien des 16. Jh.s und einem "Adagio" von Benedetto Marcello konnte M. Clerc die 2006 erweiterten Register der Sandtner-Orgel wie Larigot, Dulcian, Cromorne, Piccolo und Oboe besonders herausstellen und in den originären Klang einfügen. Wie sehr Clerc auch den 1991 verstorbenen Landsmann Jean Langlais schätzte, bewies die eindringliche Interpretation von "Nativité und "Te Deum". Großer Applaus nach 75 Minuten erhebender Orgelkunst.
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