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Der Dillinger Orgelsommer: eine Erfolgsgeschichte

Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Sie kommen zu Fuß aus der Großen Kreisstadt, mit dem Fahrrad und dem Auto aus der Umgebung: die Zuhörer in der päpstlichen Basilika St. Peter und Paul. Es sind Musikbegeisterte, Kunstsinnige und Touristen, angelockt vom markanten Werbebanner, dass sich quer über die Königsstraße vom Vermessungsamt zum Rathaus spannt. Acht Wochen lang konnte Stadtpfarrer Msgr. Gottfried Fellner an jedem Samstag um 11.15 Uhr zwischen 100 und 200 Besucher begrüßen. Hausfrauen vergaßen das Kochen, Ehepaare unterbrachen ihren Einkaufsbummel, Rentner vertauschen den sonnigen Caféplatz mit der harten Kirchenbank. Ein Verhalten, dass einem Geheimtipp im Konzertalltag geschuldet war. Großstadtniveau, zwar in der Provinz, immerhin aber im "Schwäbischen Rom". In einer Stadt mit reicher Musiktradition. Seminardirektor, Chorregent und Komponist Msgr. Thaddäus Hornung (1876 - 1962) wirkte hier, Josef Anton Laucher (1737 -1813) wurde berühmt als Organist und Komponist, aber auch durch seine Tochter, die im Salzburger Dom unter der Leitung W.A.Mozarts als erste Vokalsolistin tätig war. Schließlich Leopold Mozart, der mit seinen Kindern Nannerl und Wolfgang 1768 in Dillingen weilte und mit dem Augsburger Bischof zusammentraf. Darauf konnte Regionaldekan Fellner als Schirmherr der Basilikakonzerte 2010 hinweisen. 25 Jahre ist Msgr. Gottfried Fellner Seelsorger in der Basilika St. Peter und Paul. Seine kirchenmusikalische Großtat war die Generalsanierung und Erweiterung der von Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen 1889 errichteten Basilikaorgel, die 1948, 1978 modernisiert wurde. Orgelbaumeister Hubert Sandtner aus Dillingen reinigte, renovierte und erweiterte 2006 das Instrument auf 53 Register mit 3585 Pfeifen. Neben dem liturgischen Einsatz konnte die Dillinger Königin der Instrumente renommierten Organisten aus aller Welt angeboten werden.
Im Jahre 2007 fand das erste Orgelfestival statt, das der neu installierte, damals 30-jährige Basilikaorganist initiierte, organisierte und mitgestaltete. Axel Flierl zählt zu den wichtigen Konzertorganisten der jüngeren Generation. Er studierte katholische Kirchenmusik, Konzertfach bei Edgar Krapp sowie Orgelimprovisation bei Wolfgang Hörlin in München. Ein dreijähriges Aufbaustudium absolvierte Flierl in Paris bei Thierry Escaich und Vincent Marnier. Zahlreiche Konzertverpflichtungen führten Flierl als Orgelsolist an die Domkirchen in München, Passau, Trier, Fulda, Eichstätt, an die Kathedralen in Paris, Lausanne, Dijon und Narbonne. Mit Rundfunk- und CD-Einspielungen sowie als Autor verschiedener Fachpublikationen (Monografie über Karl Höller) machte sich Flierl einen Namen.
Die guten Verbindungen und die gegenseitige Wertschätzung erlaubten es dem Basilikaorganisten hervorragende Solisten nach Dillingen zu holen. Waren es im ersten Jahr u.a. zwei Schweizer Virtuosen (Tobias Willi und Willibald Guggenmos), gastierten 2008 mit Douglas Lawrence ein Australier, mit Katarina Lelovics eine Slowakin und mit Yoon-Hee Kim eine Südkoreanerin in Dillingen, kamen im Jahr darauf Balasz Perneczky aus Ungarn, Jean-Christophe Geiser aus der Schweiz und Karsten Askeland aus Norwegen. Heuer schließlich konzertierten Maurice Clerc aus Frankreich und Martin Setchell aus Neuseeland. In diesen Reigen exklusiver Gastorganisten, zu denen bedeutende Solisten aus Deutschland gehören, reiht sich Axel Flierl selbst ein und stellt sich dem Wettbewerb. Sein außergewöhnliches Können und musikalische Reife beweist Axel Flierl beim Eröffnungs- und Schlusskonzert. Eine weitere Attraktion sind die internationalen Konzertzyklen, in denen Axel Flierl wegweisende Zeichen setzt. Dabei unterstützt er zum Beispiel das Münchner Bach-Trompeten-Ensemble als Solist, bringt ein Kammerkonzert für Violine (Alexander Möck) und Orgel, spielt fünf Concerti d'Organo von G. Fr. Händel oder bietet ein Nachtkonzert an mit Hans-Christian Dellinger (Sopransaxophon).
Wer als Konzertbesucher die Basilika betritt, zahlt keinen Eintritt, erst nach Programmende wird beim Hinausgehen eine angemessene Spende erwartet. Zur Finanzierung trägt auch der Förderverein Dillingen Basilikakonzerte e.V. bei, dessen 1. Vorsitzender Alt-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl ist.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Regionalmagazin dillinger | Erschienen am 03.09.2010
1 Kommentar
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Tanja Wurster aus Augsburg | 16.08.2010 | 10:06  
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