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Fürs Alter eine Portion Liebe

Das Seniorenheim als Begegnungsstätte: (von links) Alfons Sieber, Leitung des Sozialen Dienstes Inge Schmidt, Ehrenamtliche Emilia Gayko, Edith Reed, Fachkraft Kreativ-Gruppe Gabriele Mosbach, Heimleiterin Gabriele Kunze und Wilhelm Just im hellen Speisesaal der Pflegeeinrichtung der Heiliggeist-Spitalstiftung. Foto: Sabrina Schmidt/ Stadt Günzburg.

Im Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist-Spitalstiftung steht der Mensch im Mittelpunkt – Leiterin Gabriele Kunze: Kommunale Seniorenpolitik weiterverfolgen

Günzburg. 2035 werden rund 24 Millionen Deutsche älter als 65 Jahre sein. Auch in Günzburg steigt der Anteil der über 65-Jährigen. Deshalb entwickelt die Stadt Günzburg derzeit gemeinsam mit Vertretern des Seniorenbeirats und der Lokalpolitik sowie verschiedenen vom demographischen Wandel betroffenen Einrichtungen ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept für die Große Kreisstadt. Darin werden Handlungsfelder erarbeitet, die Seniorinnen und Senioren ein aktives und würdevolles Leben in der Mitte der Gesellschaft ermöglichen sollen. Dass dieses Bestreben vielerorts schon heute gelebt wird, zeigt ein Besuch im Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist Spitalstiftung.

Im Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist Spitalstiftung werden Seniorinnen und Senioren, die einer Betreuung bedürfen oder diese wünschen, seit 1998 umfassend versorgt. „Wenn die körperlichen Kräfte nachlassen oder Demenzerkrankungen den gewohnten Alltag unüberschaubar erscheinen lassen, ist es wichtig, den Menschen ein höchstmögliches und sicheres Maß an Begleitung im Alter zu geben“, erklärt die Leiterin der Einrichtung Gabriele Kunze. „Dazu gehört eine fundierte Pflegeausbildung genauso wie ein respektvoller, warmherziger und würdevoller Umgang miteinander.“

Gewohnt und gelebt wird in dem Alten- und Pflegeheim auf drei Stockwerken. Neben dem großen, hellen Speisesaal im Erdgeschoss befindet sich der erste Wohnbereich. Auf allen Etagen stehen Wohlfühlecken mit gemütlichen Polstersesseln zur Verfügung, damit die Seniorinnen und Senioren, die hier ihren Tag verbringen, Zeitung lesen, die Stimmung genießen oder einfach mal ein Nickerchen machen können, erläutert Gabriele Kunze.

Soziale Betreuung ein wichtiger Bestandteil

Für Abwechslung sorgen regelmäßige Gymnastik, Übungen zur Sturzprävention, Gedächtnistraining und kreatives und therapeutisches Arbeiten in kleineren Gruppen. So sollen die Senioren die Fähigkeit zur Bewegung zurückgewinnen, ausbauen oder zumindest erhalten. „Gezielte Bewegungsübungen können helfen, Stürze zu vermeiden, und durch aktive Teilhabe am Alltagsgeschehen erhalten wir die geistige Beweglichkeit unserer Bewohner“, erklärt die Leiterin des Sozialen Dienstes Inge Schmidt. Es bleibt aber auch Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit beim wöchentlichen Gottesdienst oder dem täglichen Morgenritual, ergänzt Kunze.

Beim Angebot der Betreuung wird das Heimpersonal derzeit durch zwölf ehrenamtliche Helfer unterstützt. Dazu Inge Schmidt: „Die Pflege ist das, was in einem Seniorenheim im Vordergrund steht. Doch sie ist nicht alles. Auch die soziale Betreuung ist wichtig. Durch die Ehrenamtlichen können wir zusätzliche Angebote für die Bewohner schaffen und gleichzeitig das Personal entlasten.“

So viel Alltag wie möglich

„So viel Alltag wie möglich“ wolle man für die Senioren schaffen, vor allem unterstützend wirken, so Schmidt. Ein kleiner Kiosk bietet Kosmetikartikel und Süßigkeiten, regelmäßig kommt eine Friseurin vorbei und Ehrenamtliche bieten Spaziergänge durch die Günzburger Innenstadt. „Und wer nicht mehr hinaus ins Leben kann, für den holen wir das Leben herein“, sagt Inge Schmidt. Im Jahresverlauf finden verschiedene Feste und Feiern wie etwa das Sommerfest oder regelmäßige Besuche eines Kindergartens statt. Zum Geburtstag dürfen sich die Bewohner ihr Lieblingsessen wünschen.

Würdevoller Umgang wird großgeschrieben

Der würdevolle Umgang mit den Bewohnern wird im Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist-Spitalstiftung großgeschrieben. „Dazu gehören die gängigen Höflichkeitsformen genauso wie eine wertschätzende Kommunikation“, sagt Gabriele Kunze. „Deshalb ist uns auch die Vermittlung von Kompetenzen im richtigen und würdevollen Umgang mit Demenzkranken ein besonderes Anliegen.“ Bei Schulungen erlernen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Methoden zum individuellen Umgang mit den Betroffenen. Die Inhalte dieser Ausbildung beziehen sich auf die unterschiedlichen Krankheitsbilder der Demenz und auf den Bereich der „Integrativen Validation“, einer Kommunikations- und Umgangsmethode, die eine Begegnung mit Demenzkranken auf „Augenhöhe“ ermöglicht.

Die Einrichtung bietet vollstationäre Pflege für alle Pflegestufen an. Auch Schwerstkranke wie Apalliker (Wachkomapatienten), können aufgenommen werden. Für die palliativpflegerische Versorgung bietet die Einrichtung eine intensive Pflege und Betreuung. Der Abschiedsraum, das „Raphaelzimmer“ ist hierfür liebevoll gestaltet und bietet den Angehörigen die Möglichkeit, die letzten Lebensstunden des Sterbenden intensiv zu begleiten. „Wenn es mit einem menschlichen Leben zu Ende geht, ist es unsere oberste Aufgabe, das Leben dieses Bewohners bis zur letzten Sekunde so lebenswert und vor allem schmerzfrei wie möglich zu gestalten“, erklärt Gabriele Kunze. „Die Bedürfnisse des Bewohners stehen im Mittelpunkt, seine Würde ist bis zum Tod und darüber hinaus unantastbar.“

Pflegeeinrichtung als Ort der Begegnung

„Im Kern geht es uns darum, den Bewohner wahrzunehmen, ihn ernst zu nehmen und auf seine Bedürfnisse einzugehen“, sagt Inge Schmidt. Dazu gehört auch der Austausch mit den Angehörigen. Neben einem Angehörigenabend, der einmal im Jahr stattfindet, legt die Heimleitung in regelmäßigen Abständen Fragebögen aus, um die Bewohner und deren Angehörige nach ihrer Zufriedenheit zu befragen. „Aber natürlich stehen unsere Türen das ganze Jahr über offen“, sagt Heimleiterin Gabriele Kunze. Die Pflegeeinrichtung will sie als Ort der Begegnung und des Austauschs verstanden wissen. Für die Zukunft ist deshalb ein Angehörigenstammtisch geplant.

Kunze: „Seniorenpolitik weiterverfolgen“

Entsprechend positiv bewertet Kunze die Bestrebungen der Günzburger Stadtverwaltung, ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept für die Große Kreisstadt zu entwickeln. „Durch den demographischen Wandel stehen wir – auch hinsichtlich der altenpflegerischen Versorgungslandschaft – vor großen Herausforderungen.“ Bereits heute ziehen es viele Senioren vor, ihren Alltag so lange wie möglich zuhause oder im Familienkreis zu verbringen, so Kunze. „Künftig werden die Menschen noch älter sein, ehe sie sich für das Wohnen in Pflegeeinrichtungen entscheiden.“ Der Bedarf an Betreuung steige. „Im Bereich der Intensivbetreuung, in der Palliativpflege und bei der Demenzbetreuung, aber eben auch im sozialen Bereich werden Einrichtungen künftig noch mehr leisten müssen“, erklärt die Einrichtungsleiterin. „Dazu bedarf es gut ausgebildeten Pflegepersonals. Und das muss für seine Tätigkeit angemessen honoriert werden.“ Deshalb sei es immens wichtig, frühzeitig ein Bewusstsein für die Folgen des demographischen Wandels zu entwickeln, sagt Kunze. „Die kommunale Seniorenpolitik muss weiter verfolgt werden.“

Einrichtung feiert im Herbst 15-jähriges Bestehen

Wenn das Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist in diesem Herbst sein 15-jähriges Bestehen feiert, wünscht sich Gabriele Kunze vor allem eins: „Dass unsere Einrichtung nicht einfach als Pflegeheim wahrgenommen wird, sondern als Ort, von dem man sagt: ‚Ja, so kann ich mir meinen Lebensabend vorstellen.‘“
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 07.01.2014
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