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Ausgezeichnete Betreuung demenzkranker Menschen in Ichenhausen

Unser Foto zeigt von links Stefan Riederle (Geschäftsführer), Irmgard Juschka (Betreuungskraft), Angela Meißle (Pflegefachkraft), Tina Bartenschlager (Pflegekraft) und Marianne Fetzer (stellvertretende Pflegedienstleiterin) mit der Urkunde und einer sogenannten „Nesteldecke“ für Demenzkranke. Die Decke spendete die Tochter eines Bewohners.

Das Ernst-Ott-Seniorenzentrum in Ichenhausen wurde mit dem Qualitätssiegel Demenz ausgezeichnet.

Das Beschützende steht im Ernst-Ott-Seniorenzentrum in Ichenhausen im Vordergrund. „Es ermöglicht den Bewohnern ein Leben nahe der Normalität“, sagt Stefan Riederle, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation im Landkreis Günzburg und damit auch Chef des Ernst-Ott-Seniorenzentrums.

In der Gerontopsychiatrischen Fachpflegeeinrichtung leben 32 Demenzkranke. Keiner von ihnen muss in seinem Zimmer bleiben oder sich starren Regeln unterwerfen, was bei dieser Erkrankung sowieso nur zu Dauerkonflikten führen würde. Jeder lebt seinen Rhythmus, erledigt das, was er noch kann und möchte. Dabei helfen freundliche Pflegekräfte, wo es nötig ist. Bis elf Uhr schlafen ist kein Problem. Wer im Aufenthaltsraum am Couchtisch essen möchte, kann auch dies tun. Ehrenamtliche Kräfte gehen bei Wind und Wetter mit den Bewohnern spazieren, wenn diese den beschützenden Rahmen des Heimes verlassen möchten.

Aktuell freut man sich im Ernst-Ott-Seniorenzentrum über das „Qualitätssiegel Demenz“, das die Einrichtung zum dritten Mal von der Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken verliehen bekommen hat. „Zertifikate sind oft Momentaufnahmen und orientieren sich an bürokratischer Dokumentation. Die Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken geht bei ihrem Qualitätssiegel einen anderen Weg. Sie ist einen ganzen Tag im Haus, schaut zu und lässt die Atmosphäre auf sich wirken“, erklärt Stefan Riederle. Deshalb stehen im Gutachten Sätze wie „richtet sich nach den Interessen der mittlerweile auch immer jüngeren dementen Bewohnern“, „die respektvolle und wertschätzende Interaktion zwischen Mitarbeitern und Bewohnern erfolgt auf Augenhöhe“ oder „insgesamt herrscht in der Einrichtung eine sehr ruhige und entspannte Atmosphäre“. Auch die Befragung der Angehörigen attestiert den Mitarbeitern einen „liebevollen Umgang“.

Ein Urteil über das sich Marianne Fetzer, stellvertretende Pflegedienstleiterin, sehr freut. „Unser Haus beschützt in zweifacher Hinsicht. Es kann niemand weglaufen, sich aber trotzdem frei in Haus und Garten bewegen. Zweitens bleibt die Welt mit ihren Anforderungen außen vor. Wer sich zwei verschiedene Socken angezogen hat, wird gelobt, dass er es geschafft hat und nicht darauf hingewiesen, dass sie nicht gleich sind. Wer seinen Schrank zum hundertsten Mal umräumt, räumt ihn eben um.“

Das kleine Haus mit nur 32 Plätzen sei ein großes Pfund, wenn es darum gehe den Erkrankten in seiner Welt abzuholen, zu spüren, was in ihm vorgehe, wenn er Woche für Woche mehr abgleite, aber trotzdem noch irgendwie im Hier und Jetzt gehalten werde. „Die Familien sind am Anschlag, wenn die Entscheidung für das Ernst-Ott-Seniorenzentrum fällt“, ist sich Fetzer sicher. Und so ist der Einzug in die Facheinrichtung oft für beide Seiten eine Erleichterung. Wenn der gesunde Partner wieder durchschlafen kann, aber auch für den Demenzkranken, wenn er nicht immer wieder spürt, dass sein Tun nicht normal ist.

Eines ist bei diesem Krankheitsbild klar: Man macht viel, pflegt und tut Gutes, aber der Krankheitsverlauf schreitet trotzdem fort. Um das Auszuhalten und um mit dem Verhalten der Bewohner klarzukommen, sind alle Mitarbeiter gerontopsychiatrisch ausgebildet. Hilfreich sind ihre Teilzeitarbeitsverträge, da bleibt einerseits Zeit zum Abschalten, andererseits kann der Dienstplan auf die familiäre Situation der Mitarbeitenden abgestimmt werden.

Tritt ein Bewohner in die letzte Lebensphase, dann, wenn es zum unvermeidlichen letzten Abschied kommt, hat das Ernst-Ott-Seniorenzentrum eine weitere Besonderheit. Ausgebildete Palliativ- und Hospizkräfte stehen bereit, ein spezieller Abschiedsgottesdienst für Bewohner und Mitarbeiter gehört zur Sterbekultur.

Für Stefan Riederle und sein Team ist das Qualitätssiegel Lob und Ansporn zugleich. Mariann Fetzer wird auch künftig schnell zum Bäcker fahren, um einem Bewohner einen ganz besonderen Wunsch zu erfüllen.

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1 Kommentar
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 15.12.2018 | 03:04  
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