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Barbara Rütting:"In der V- Partei herrscht Aufbruchstimmung wie seinerzeit bei den Grünen"-V-Partei nimmt begleitendes Sterbefasten ins Parteiprogramm auf-Mehr im Interview mit Barbara Rütting

Barbara Rütting im Interview (Foto: V-Partei³)
 
(Foto: V-Partei³)
 
Barbara Rütting und Roland Wegner (Foto: V-Partei³)
Thomas Rank: Sie haben in den 80er Jahren ihre Schauspielkarriere beendet, und sind politisch aktiv geworden. Was hat sie damals zu diesem Schritt bewogen?

Barbara Rütting:Ich war schon politisch aktiv seit ich denken kann, habe Anfang der 60er Jahre an meiner ersten Demo teilgenommen, in München gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands. Heute ist Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur, unfassbar. Ich habe mich 1982 am Tor des Pharmakonzerns Schering in Berlin gegen dessen Tierversuche angekettet, in Mutlangen immer wieder gegen die amerikanischen Massenvernichtungswaffen demonstriert, in Wackersdorf gegen die Wiederaufbereitungsanlage von Brennstäben, war und bin in vielen Tierschutzorganisationen aktiv – all diese Dinge wurden immer wichtiger, so dass ich die Schauspielkarriere 1982 ganz bewusst beendete.
Im Grunde ist alles politisch, was ich tue oder nicht tue.

1970 zog ich auf einen Bauernhof und konnte mir die die Tiere, die ich nun hautnah kennen lernte, nicht mehr gesotten und gebraten auf dem Teller vorstellen, konnte sie nicht mehr essen, wurde Vegetarierin. Schrieb 1976 mein erstes vegetarisches Kochbuch, es wurde ein Bestseller. Es dauerte jedoch noch Jahrzehnte, bis ich mich für die vegane Lebensweise entschied. Denn auch die männlichen Küken von Bio-Hennen werden geschreddert, auch den Kühen aus Bio-Haltung werden die Kälbchen entrissen und geschlachtet. Ich denke, jeder wirklich konsequente Vegetarier wird irgendwann zum Veganer. Kurzum – auch mit Messer und Gabel betreibe ich Politik, trage ich dazu bei, ob diese Welt noch zu retten ist oder zugrunde geht.

Thomas Rank: Sie sind Ehrenmitglied des Vegetarierbundes (VEBU) Deutschland. Waren sie überrascht über die Verleihung?

Barbara Rütting:Nein, ich war nicht überrascht, denn durch meine inzwischen über 20 Bücher zu den Themen gesunde Ernährung, Tier-und Verbraucherschutz habe ich entscheidend dazu beigetragen, dass die Vegetarierbewegung in Deutschland heute so stark ist. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.
 
Thomas Rank: Sie sind in die V-Partei eingetreten. Was hat sie dazu bewogen?

Barbara Rütting:Im Programm dieser Partei finde ich endlich alle die Themen vertreten, für die ich mich nun schon seit Jahrzehnten einsetze und die ich bisher bei allen anderen Parteien vermisst habe - der Schutz von Mensch, Tier und Natur – für mich untrennbar. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt auch für die Tiere – eine vegane oder zumindest vegetarische Ernährung ist daher unabdingbar. Selbst Wissenschaftler sind sich heute überwiegend einig: Die Zukunft wird vegan sein – oder sie wird nicht sein.
Das Ziel ist, im September in den Bundestag einzuziehen. Ein ehrgeiziges Ziel – aber wie hat Ben Gurion gesagt: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.
Damit die Partei möglichst in jedem Bundesland überhaupt zur Wahl antreten kann, braucht sie genügend UnterstützerInnen – allein in Bayern zum Beispiel 2000. Das muss doch zu schaffen sein! Zur Zeit fehlen noch 500. Liebe LeserInnen und Leser von my Heimat, ihr seid doch dabei?

Thomas Rank: Wie sehen Sie die Partei aufgestellt?

Barbara Rütting:Ich habe den Eindruck, dass es sich bei den Gründungsmitgliedern wirklich um Idealisten handelt mit soliden Berufen und nicht um Karriereristen, die es auch mal in der Politik versuchen wollen. Der Initiator und Gründer der V-Partei³, Roland Wegner, von Beruf Kämmerer, sagt zum Beispiel sinngemäß: Wenn jemand kommt, der es besser machen kann als ich – nur zu! Und ich selbst strebe mit fast 90 Jahren auch keine Karriere an, sondern möchte ganz einfach meine Erfahrungen und mein Wissen auf so vielen Gebieten in die Partei einbringen solange ich kann.


Thomas RankDie V-Partei tritt bei nun schon bei Landtags- und Bundestagswahlen an. Hat Sie das angesichts der kurzen Zeit ihres Bestehens überrascht, und worauf führen sie den Mitgliederzuwachs den die V Partei von Tag zu Tag erlebt, zurück
 
Barbara Rütting:Nein, hat es nicht. Ich hatte sogar noch mehr Zuspruch erwartet, schließlich gibt es in Deutschland zur Zeit bereits ca. 9 Millionen Vegetarier inklusive der Veganer. Viele von ihnen zögern wohl noch nach ihren schlechten Erfahrungen mit den anderen Parteien und der üblichen Verwässerung der ursprünglichen Ziele, wenn man erst mal an der Macht ist. Die Menschen sind weniger politik- als parteienverdrossen.
Immerhin: Am 30. April 2016 wurde die V-Partei³ gegründet – knapp ein Jahr später zählt sie bereits fast 1000 Mitglieder und konnte mit 150 Mitgliedern und Delegierten am 01. April 2017 in Weimar ihren ersten Parteitag abhalten.
Es herrschte eine Aufbruchsstimmung wie seinerzeit beim Einzug der Grünen in den Bundestag. Lang lang ist es her …
Obwohl ich nach den enttäuschenden Erfahrungen mit den Grünen als Abgeordnete im Bayerischen Landtag auch nie wieder in eine Partei eintreten wollte, habe ich es also doch getan, wurde spontan Mitglied der V-Partei³ und gleich auf Platz 2 der Landesliste für Bayern gewählt.
Ich bin sehr glücklich, dass ich beim Parteitag eine Petition vorstellen konnte, die ich im Herbst letzten Jahres im Internet gestartet habe, mit der Forderung einer gesetzlichen Regelung zum Sterbefasten. (Siehe PS.) Sie fand 100% Zustimmung und wurde sofort ins Parteiprogramm aufgenommen. Damit ist die V-Partei³ die erste und bisher einzige Partei, die sich dieses Themas angenommen hat.

Thomas Rank: Wie schauen Ihre Aufgaben in der V-Partei aus?

Barbara Rütting:Ich werde natürlich ganz bewusst meinen Bonus als so genannte Promi einsetzen, habe in Interviews mit den Medien die Möglichkeit, nicht nur meinen Mund aufzumachen, sondern auch gehört zu werden, und so für die Partei zu werben. Ich denke, die Menschen fühlen und schätzen an mir, dass ich authentisch bin und für meine Themen brenne. Die ältere Generation kennt mich als Schauspielerin in 45 Filmen und ebenso vielen Bühnenrollen, die mittlere aus der Friedensbewegung, meinen Kochbüchern und Gesundheitsratgebern, von denen so gut wie alle Bestseller wurden - ich bin ja auch ausgebildete Gesundheitsberaterin - und die Jungen kennen mich aus der Tierschutzszene.

Thomas Rank: Was würden sie Menschen sagen, die Sie nach Gründen für einen Eintritt in die V- Partei fragen?

Barbara Rütting:In dieser Partei sind Sie richtig, wenn Sie zu den Menschen gehören, die nicht nur über den Zustand der Welt jammern, sondern etwas dafür tun, dass sich diese Welt doch noch zum Guten verändert, und dass dazu zumindest ein Schritt in Richtung vegetarischer - oder besser noch veganer - Lebensweise unerlässlich ist.
Wie schon der Dichter Erich Fried vor fast hundert Jahren gesagt hat: Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt!

NEU INS PARTEIPROGRAMM AUFGENOMMEN

Gestorben wird Zuhause – Ja zum begleiteten Sterbefasten!
Gerade weil wir das Leben lieben fordern wir das Recht auf ein Sterben in Würde. Sterbefasten bedeutet, freiwillig auf Nahrung und Flüssigkeit zu verzichten, um den eigenen Tod herbeizuführen. Dafür brauchen wir ein Gesetz. Ärzten und Pflegepersonal muss es erlaubt sein, Schwerstkranke und Sterbende beim Sterbefasten zu begleiten, statt den Sterbeprozess wie das inzwischen üblich ist  durch lebensverlängernde Maßnahmen qualvoll für den Patienten, aber mit Riesengewinnen für Pharmakonzerne und Co hinauszuzögern. Das ist im Moment weder erlaubt noch verboten! Barbara Rütting hat im vergangenen Sommer im Internet eine entsprechende  Petition gestartet, die innerhalb einer Woche von 35.000 BefürworterInnen unterzeichnet wurde, darunter viele Ärzte und Pflegepersonal. Für viele Menschen bedeutet die Möglichkeit des begleiteten Sterbefastens einen großen Trost.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 19.04.2017 | 00:42  
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