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Wo Naherholung auf Naturschutz trifft

Der scheue und lärmempfindliche Flussregenpfeifer zeigt sich in seinem na-türlichen Habitat an den Günzburger Baggerseen nur selten; vor wenigen Jahren galt sein Be-stand gar als bedroht. Doch jetzt stehen die Chancen gut, dass sich der possierliche Vogel wieder an den Kiesflächen entlang der Vollmer-Seen in Riedhausen ansiedelt. Foto: ARGE Donau-moos.
 
Der Frust sitzt bei allen Beteiligten tief: Das kleine neugeschaffene Badeparadies, das die Stadtverantwortlichen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wollten, wurde schon wieder in erheblichem Umfang vermüllt. Foto: Daniela Rossmanith.

Rekultivierung an den Vollmer-Seen in Riedhausen geht weiter - Nutzungslenkung intensiviert - Frust über rücksichtslose Badegäste

Beinahe kostümiert sieht er aus, der kleine schwarz-weiß gefiederte Vogel mit den leuchtend-gelben Ringen um die Augen. Doch trotz seines auffälligen Federkleids zeigt sich der scheue und lärmempfindliche Flussregenpfeifer in seinem natürlichen Habitat an den Günzburger Baggerseen nur selten; vor wenigen Jahren galt sein Bestand gar als bedroht. Die Chancen stehen gut, dass sich der possierliche Vogel wieder an den Kiesflächen entlang der Vollmer-Seen in Riedhausen ansiedelt. Denn die Stadt Günzburg hat die dortigen Rekultivierungsmaßnahmen mit viel Engagement vorangetrieben – allerdings gibt es immer noch Badegäste, die ihren Müll nicht mit nach Hause nehmen.

Bereits seit Jahren bemüht sich der Kiesunternehmer, die gemäß Landratsamtsbescheid festgelegten Rekultivierungsmaßnahmen für die so genannten Vollmerseen im Ortsteil Riedhausen durchzuführen. Gemeinsam mit der Stadt, die überwiegend Eigentümerin der Flächen ist, und dem Landratsamt Günzburg als zuständiger Wasser- und Umweltbehörde ist die Wiederher-stellung von naturnahen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere im ehemaligen Kiesabbaugebiet das erklärte Ziel. Dazu gehört die Beruhigung der geschützten Bereiche durch Verbotsschilder und durch das Aufschütten von Hindernissen. Allerdings werden diese Anstrengungen durch rücksichtslose Badegäste und Fahrzeughalter, die ihre Autos widerrechtlich kreuz und quer parken, zunichte gemacht. Indem sie in Bereiche vordringen, die als Biotopflächen angelegt wurden, Müll und sonstigen Unrat zurücklassen und Feuer entzünden, werden die sensiblen Bereiche permanent gestört und bedrohten Tierarten wie dem Flussregenpfeifer ihr ohnehin begrenzter Lebensraum streitig gemacht. Ein neu angelegter Liegebereich an der Nordseite des südlichen Vollmersees soll jetzt Abhilfe schaffen.

Dort hat der städtische Bauhof seit Februar in Absprache mit den Fachbehörden großflächig Schilf- und Graswurzelstöcke entfernt, die gerodete Fläche mit einem Bagger eingeebnet und anschließend begradigt. Um einen stabilen Untergrund für die Pflege in den kommenden Jahren zu schaffen, wurde ein Teil der Fläche mit Humus aufgefüllt und mit Grassamen eingesät. Entstanden ist ein flach ins Wasser ablaufender Sandstrand. „Wir hoffen, mit der Attraktivierung dieses Uferbereichs die Besucherströme weg von den besonders schützenswerten Uferzonen im östlichen Teil des Sees zum leichter zugänglichen Sandstrand zu lenken“, erklärt Sirka Negretti, die in der Servicestelle W.I.R. bei der Stadtverwaltung unter anderem für die Rekultivierung der verpachteten Kiesabbauflächen zuständig ist.

Der angelegte Badestrand liegt in unmittelbarer Nähe zu neu geschaffenen Parkmöglichkeiten an der von Riedhausen zum See führenden Straße. Die Stadt hofft, dass sich durch diese Maßnahme die Parksituation an heißen Badetagen entspannt: In der Vergangenheit hatten wild parkende Fahrzeuge zum Teil chaotische Zustände ausgelöst, landwirtschaftliche Anliegerfahrzeuge und Rettungsfahrzeuge waren an der Durchfahrt gehindert worden.

Ganz besonders setzen sich die Fischer vor Ort für die schützenswerte Natur entlang der Vollmerseen ein. „Vier Mal im Jahr durchkämmen wir das gesamte Gelände nach Müll und Unrat. Von Badematten über Handtücher, zerbrochenen Flaschen und ausrangierten Matratzen haben wir hier schon alles gefunden“, stöhnt der Vorstandsvorsitzende des Fischereivereins Ried-hausen, Helmut Weeber. Er begrüßt die Anstrengungen der Stadt Günzburg, will aber noch weiter gehen: „Es gibt einfach Leute, denen kann man noch so gute Angebote unterbreiten, die nehmen sie trotzdem nicht an.“ Er hofft, dass die Stadt mit zusätzlichen Maßnahmen den Schutz der ökologisch wertvollen Bereiche forciert, etwa mit drastischen Strafen für Park – und Müllsünder.

Denn Badegäste, die sich in den zur Badenutzung verbotenen Bereichen aufhalten, stören die Tiere. „Im schlimmsten Fall verlassen die heimischen Vögel ihre Nistplätze und hören auf, ihre Jungvögel zu füttern. Diese verenden dann elendig“, wie die städtische Umweltschutzbeauftragte Christine Hengeler mahnt. Deshalb appelliert Oberbürgermeister Gerhard Jauernig jetzt nochmals an die Bevölkerung: „Bitte nehmen Sie Rücksicht auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt und unterstützen Sie uns in unseren Bemühungen!“

Doch nun sitzt der Frust bei allen Beteiligten tief: Das kleine neugeschaffene Badeparadies, das die Stadtverantwortlichen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wollten, wurde schon wieder in erheblichem Umfang vermüllt. „Zuhause räumt doch auch jeder seinen Müll weg! Schade, dass die Unachtsamkeit einiger Weniger jetzt auf Kosten aller geht“, bedauert Sirka Negretti. Resignieren will die Projektbeauftragte der Stadt aber nicht: „Es ist ein steiniger Weg, den wir mit unseren Verbündeten im Interesse der Natur gehen wollen, aber wir gehen ihn Schritt für Schritt weiter!“

Info: Seit 1969 wird durch die Firma Vollmer im Donauried südlich von Riedhausen Kies und Sand abgebaut. Durch den Kiesabbau wurde die Flora und Fauna jahrzehntelang gestört, Erholungssuchende, die in die besonders sensiblen Bereiche vordrangen, taten ihr Übriges. Nachdem bereits 2009 Uferlinien modelliert sowie Schutzwälle und Dämme eingezogen wurden, hat die Stadt Günzburg mit der Aufbereitung des Strandes nun einen weiteren Schritt unternommen, um Vögeln wie dem Flussregenpfeifer ihren Le-bensraum zurückzugeben.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 04.01.2013
1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 04.07.2012 | 14:22  
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