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Spielend besser lesen

Beim Empfang der Lesepaten im Historischen Rathaus. Hintere Reihe von links: Brigitte Wagner (Dominikus-Zimmermann-Realschule), Monica Bayer-Kulle (Maria-Ward-Gymnasium), Siegfried Ranz (Jugendreferent), Angelika Gathemann-Schnelle, Heiko Obeser, Initiatorin Reinhilde Koch, Claudia Huber (Maria-Ward-Realschule), Alexandra Steibel. Vordere Reihe: Demet Karatas, Denis Riemer, OB Gerhard Jauernig, Vanessa Zeiser, Miriam Bröckl, Franziska Klein, Antonia Munk. Foto: Stadt Günzburg.

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig empfängt Jugendlesepaten im Rathaus

Wer viel liest, der weiß auch viel. Doch was so einfach klingt, bereitet zahlreichen Schülerinnen und Schülern im Landkreis Probleme. Viele Kinder können nach der dritten Klasse immer noch nicht flüssig lesen und verlieren deshalb das Interesse an Büchern. Abhilfe leistet seit 2011 das „Jugendlesepaten-Projekt“ in Leipheim, das junge Lesepaten an Schüler mit mangelnder Lesekompetenz vermittelt. Die Jugendinitiative „PowerGirl and PowerBoy“ bildet an Günzburger Schulen junge Lesepaten aus, die die Lesefreude bei Grundschülern wecken wollen. Acht dieser ehrenamtlich engagierten Lesepaten hat Oberbürgermeister Gerhard Jauernig jetzt im Münzkabinett des Historischen Rathauses begrüßt.

Der Rathauschef nutzte die Gelegenheit, um den Lesepaten seinen Dank für die Unterstützung von Schülern beim Lesen lernen auszudrücken. Außerdem nahm er sich Zeit, mit jedem Lesepaten ins Gespräch zu kommen. Die Lesepaten erzählten von ihren guten Erfahrungen an den Schulen in Günzburg und Leipheim und mit den ihnen zugeteilten Schülerinnen und Schülern. Nicht nur die Kinder profitieren demnach, sondern auch die jugendlichen Lesepaten fühlen sich reich beschenkt.

Verantwortlich für das Jugendlesepaten-Projekt im Landkreis Günzburg zeichnet seit den Anfängen die Hobbyregisseurin Reinhilde Koch. Während eines Theater-Workshops war den Jugendlichen aufgefallen, dass sich viele mit dem Lesen und Verstehen der Texte schwer taten. Daraus entstand die Idee, eine Leseförderung für Kinder und Jugendliche ins Leben zu rufen. „Wenn fundierte Lesefähigkeiten fehlen, hat das fatale Folgen für den Betroffenen und die Gesellschaft, in der er lebt. Bildungschancen gehen verloren und die Kinder verlieren wertvolle Zeit“, erklärt Reinhilde Koch.

Mit einer gezielten, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder zugeschnittenen Leseförderung könne man die Lesefähigkeit und vor allem das Leseverständnis dieser Kinder verbessern. „Im Idealfall beginn eine solche Leseförderung bereits im Kleinkindalter, und zwar direkt in den Familien. Dort sollten die Kinder spielerisch an Bücher herangeführt werden, so dass ihnen das Lesen Freude bereitet. Spätestens aber in der Schule muss kräftig geübt werden“, sagt die Projektverantwortliche.

„Doch oftmals fällt das Vorlesen dem Fernsehen und dem PC zum Opfer, in vielen Kinderzimmern fehlen Bücher nahezu komplett. Das Lesen wird ausschließlich der Schule überlassen“, moniert Reinhilde Koch. Ihr Fazit: Wenn in den Familien nicht mehr gelesen wird, kann die Schule die fehlende Lesekompetenz und Lesemotivation kaum noch kompensieren. Es müssen also externe Fachkräfte ran, die „Jugendlesepaten“.

Das Besondere an dem bundesweiten Projekt: Ein Leseförder-Team besteht jeweils aus einem ausgebildeten Jugendlesepaten und einem Kind als Lesepartner. „Es handelt sich also um eine individuelle Leseförderung, im Verhältnis 1:1“, beschreibt Reinhilde Koch, die das Projekt 2010 nach Leipheim holte.

Seitdem hat sich viel getan: Regelmäßig werden an Schulen in Günzburg und Ichenhausen sowie in den Räumen der Jugendinitiative neue Jugendlesepaten ausgebildet, insgesamt sind es schon 72 Paten. Diese Paten treffen sich wöchentlich mit den ihnen zugeteilten Schützlingen, um gemeinsam zu spielen, zu lesen und das Gelesene zu besprechen. Die Buchauswahl nehmen die Paten selbst vor und orientieren sich dabei an den Interessen und Hobbys der Kinder. Außerdem übernehmen die Lesepaten an den Schulen zusätzliche Aufgaben: bei der Hausaufgabenbetreuung, als Sprachpaten von Migrantenkindern oder in der Schulbücherei.

Als Hauptverantwortliche für den Landkreis Günzburg hatte sich Reinhilde Koch für den festlichen Empfang im historischen Münzkabinett eingesetzt und das Treffen organisiert. „Die Lesepaten bereichern mit Ihrer wichtigen Arbeit das Zusammenleben in unserer Region“, stellte sie fest und würdigte das Engagement von so vielen Aktiven als „zukunftssichernden Beitrag für das Gemeinwohl“. Auch Jugendreferent Siegfried Ranz fand lobende Worte: „Die Lesepaten wecken bei den Kindern die Freude am Lesen. Das ist großartige Arbeit an der Basis, um Lesekompetenz und Lesefähigkeit zu vermitteln.“

Als Dankeschön für ihr ehrenamtliches Engagement schenkte Oberbürgermeister Gerhard Jauernig allen Lesepaten Freikarten für das Waldbad.
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