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myheimat-Promikochen mit Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig

    Der erste Schnee fällt leise auf die Straße irgendwo zwischen Günzburg und Reisensburg. Auf den Straßenschildern kann man nicht viel mehr lesen als „An der …“, was vom Ansatz her mit der gesuchten Straße übereinstimmt, dennoch nicht ganz zutrifft. Die Reporter haben sich verfahren. Es bleibt nichts anderes übrig, als eine nette junge Frau zu fragen, die zufällig vorbei läuft.
- „Wie kommen wir zu „An der Schäferwiese“?“
- „An der Schäferwiese … das ist doch da, wo der Bürgermeister wohnt!“
- „Da wollen wir auch hin!“ – bekennen sich die Reporter zu ihrem Ziel und freuen sich über eine detaillierte Wegbeschreibung, die sie ihrem heutigen kochenden Prominenten näher bringt.

Lange überreden musste man Gerhard Jauernig nicht, uns einen Einblick in seine Küche zu gewähren. Eher schwierig war, den optimalen Termin in seinem überfüllten Kalender zu finden. Dass man günzburger Journalisten mit Freude an diesem Abend erwartete, sah man an lächelnden Gesichtern von Bürgermeister und seiner Frau Bettina, die gleich zu Beginn feststellten: „Das wird ein ganz normaler Abend, wir haben gerne Gäste und Freunde im Haus!“

Unsere erste Frage natürlich: was gibt’s zum Essen?
„Ich schwankte zwischen Italienisch und Thailändisch“ – gibt Gerhard Jauernig lächelnd zu – „aber ich habe mich für mein Lieblingsgericht entschieden. Muu Pad Ga-Prau ist eine Spezialität der Thai-Küche: ein im Wok zubereitetes Schweinefleisch mit Basilikum, Paprika und Reis. Zuvor gibt es eine Kokosmilchsuppe mit Zitronengras, Hühnerfleisch und Pilzen. Dann, als kleiner Zwischengang, Frühlingsröllchen mit süß-sauerer Sauce und zum Abschluss des Menüs empfiehlt der Küchenchef heute einen erfrischenden Obstsalat mit Mango, Litchi und Kokosfruchtfleisch!“ Die Reporter zeigen sich tief beeindruckt von solch ausgesuchter Menüfolge und ausgesprochener Kochbegeisterung, die uns den Blick auf eine so ganz andere Seite des Politstrategen Jauernig boten.
„Wann haben Sie Ihre Vorliebe für die thailändische Küche entdeckt?“ – fragen wir neugierig und bekommen eine ausführliche Antwort von Bettina Jauernig: „Wir haben vor 12 Jahren unsere Hochzeitsreise nach Thailand gemacht und waren auf Anhieb von Land und Leuten begeistert. Vor allem die Küche und die Vielfalt an Gewürzen, Zubereitungsarten und Saucen haben uns beeindruckt. Seitdem essen und kochen wir gerne nach unserem Lieblingsrezeptbuch aus Thailand!“ – erzählt die Dame des Hauses.

„Wir würden gerne noch mal hinfahren, aber die Zeit und meine Verpflichtungen lassen es kaum zu.“ – ergänzt Gerhard Jauernig und fragt daraufhin unvermittelt – „Mögen Sie es scharf?“ – während fein geschnittene Hähnchenstreifen in die kochende Kokosmilch hinein gegeben werden, sich sodann Zitronengras, Kaffir- und Zitronenblätter, Koriander, eine uns unbekannte, vermutlich höllisch scharfe Paste und Thaibasilikum dazukommen und der Maître de Cuisine des heutigen Abends uns halb zuversichtlich und halb fragend anlächelt: „Es wird Ihnen schmecken!“

Ein schön gedeckter Tisch mit kunstvoll gefalteten Servietten, Bambusblättern und weißem Porzellan, in sanftes Licht farbiger Teelichter getaucht, begrüßt uns im Wohnzimmer, das am Tag eine schöne Aussicht auf den Garten verspricht und heute Abend vom prasselnden Kaminfeuer gewärmt wird. Die Vorspeise ist fertig, der Bürgermeister höchstpersönlich serviert die kleinen dampfenden Schalen am Tisch, probiert den Wein, schenkt Wasser ein, wir fühlen uns immer mehr als Gäste denn als Journalisten, und das Gespräch am Tisch gleicht eher einer fröhlichen Plauderrunde, als einem offiziellen Interview. Wir lassen uns die ausgezeichnete Suppe schmecken, während wir fürsorglich ermahnt werden, das Zitronengras und die Kaffirblätter nicht mitzuessen. Danach gehen die Frühlingsrollen weg wie warme Semmel, während wir uns kollektiv verweigern das letzte Röllchen zu essen, obwohl es wirklich sehr lecker war.

Die Pause zwischen Vorspeise und Hauptgang verbringen wir wieder in der Küche. Bettina Jauernig schaut nach dem Reis, der im Reiskocher vor sich hin dampft, während ihr Mann die Zutaten für sein Leibgericht vorbereitet. „Wie lange sind Sie schon beim Magazin?“ – fragt mich Frau Jauernig unvermittelt, noch etwas worin sich dieser Abend von allen anderen Interviews abhebt: auch Journalisten werden ausgefragt, persönliche und berufliche Geschichten werden ausgetauscht. Dabei kommen wir auf das Thema Medien in Günzburg zu sprechen. Gerhard Jauernig findet zwischen Anbraten, Rühren und Abschmecken die Zeit, zu dieser Entwicklung Stellung zu beziehen. „Wir brauchen ein sensibles und dynamisches Medium, das anders ist als die klassischen Tageszeitungen. Ich denke, dass günzburger gut in diese Nische passt. Das Magazin berichtet über Kultur und Lebensart in der Stadt, bezieht aber auch interessante Themen oder Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft mit ein.“ – sagt er und wird wieder ein ernsthafter Politiker, dessen Herz für die Stadt schlägt. „Und heute kochen Sie für uns!“ – scherzen wir und lugen gespannt in den Wok.

Jetzt nähert sich das Kochevent seinem Höhepunkt: á la Paul Bocuse, mit roter bodenlanger Schürze ausgestattet und mit einem Kochlöffel bewaffnet, schreitet der Oberbürgermeister von Günzburg zur Tat und ermahnt uns, die Aufmerksamkeit wieder dem Kochvorgang zu widmen. „Das in Streifen geschnittene Schweinefleisch in Sojaöl anbraten, dann reichlich den fein gewogenen Knoblauch dazugeben (dabei betont er lächelnd das Wort, um uns darauf hinzuweisen, dass in seiner Küche nicht nur die Zutaten, sondern auch das Vokabular vom allerfeinsten ist), Frühlingszwiebeln, grüne Paprikaschoten schneiden und hinzufügen. Und immer weiter rühren! Chili nach Geschmack dazugeben.“ – und wieder dieses einnehmende Lächeln mit augenzwinkerndem „Gut scharf?“. Mit etwas Zucker, Fischsauce und Golden-Mountain Sauce wird noch abgeschmeckt und schon ist der Hauptgang fertig. Jetzt kommt die Probe: drei aufmerksame Augenpaare verfolgen den Bürgermeister, als er vorsichtig das Gericht probiert, während wir den Atem anhalten, solange bis Gerhard Jauernig mit einem hochzufriedenen Gesichtsausdruck zu uns rüber blickt und ruft: „Ich bin begeistert!“ Dem können wir nur zustimmen, als wir schließlich alle wieder am Tisch sitzen und die gelungene Kreation genießen.

Im Laufe des Gesprächs kommen wir wieder auf ernsthafte Themen zu sprechen und erkundigen uns, wie wird man eigentlich Bürgermeister, nachdem wir feststellen, dass es diese Berufsbezeichnung im BIZ nicht gibt.
„Natürlich muss man ein ausgeprägtes Interesse an Politik mitbringen und schon in den jungen Jahren anfangen, sich zu engagieren und für die Belange der Kommune einzusetzen. Ich wurde damals, als der Rücktritt des Altbürgermeisters zur Debatte stand, von der Partei gefragt, ob ich meine Kandidatur zur Wahl stellen möchte. Die Entscheidung war für mich und meine Familie nicht sofort gefallen: es war uns klar, dass der Job viel Zeit und Kraft fordern wird. Zeit, die ich gerne mit meiner Familie verbringen würde. Aber wir waren uns einig, dass es eine einmalige Chance ist, tatsächlich etwas zu bewegen, ganz nah am politischen Geschehen in der Region zu sein, Veränderungen aktiv mitzugestalten.“

„Auch eine Herausforderung?“ – fragen wir nach.
„Natürlich! Ein jeder Prozess ist eine Herausforderung. Manchmal neigen die Menschen dazu, die Vorgänge in der Kommunalpolitik zu unterschätzen. Die Dimension einer Kreisstadt ist selbstverständlich kleiner als die „große Politik“ auf der Landes- oder Bundesebene, aber auch die Möglichkeiten sind deutlicher, die Lösungen konkreter und deshalb auch oft effektiver. Man kann mit weniger Bürokratie auf direktem Wege sichtbare Ergebnisse liefern, die überzeugen!“ – stellt der Bürgermeister fest – „Und es ist befriedigend zu sehen, dass man etwas bewegt hat.“

Wir sitzen noch eine ganze Weile am Tisch, lassen uns die Süßspeise schmecken, sprechen noch über vieles Interessante und denken darüber nach, wie viel zugänglicher und authentischer ein Gespräch in gemütlicher Runde bei gutem Essen ist, als ein offizieller Termin im Zimmer 404 sein kann. Heute Abend haben wir nicht nur den Politiker Gerhard Jauernig besser kennen gelernt, dessen Arbeit und Überzeugungen man in Günzburg bereits kennt und zu schätzen weiß. Wir sahen auch den Menschen jenseits der politischen Notwendigkeiten, fernab des Rampenlichts, dafür mit viel Wärme und natürlicher Mittelungsfreude, einen Familienmenschen mit erstaunlichen Kochqualitäten, der am Rednerpult wie am Herd gleichermaßen zu überzeugen weiß.

Text: Eleonore Siebert | Fotos: Bernd Aue
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 25.12.2019 | 09:02  
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