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Bedeutsamer Schlag gegen Händlerring- Großgruppierung stellte Drogen im Tonnenbereich her

Innenminister Joachim Herrmann

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DES BAYERISCHEN LANDESKRIMINALAMTS UND DES BAYERISCHEN INNENMINISTERIUMS.

Großer Ermittlungserfolg gegen 'Neue psychoaktive Stoffe' (NpS): Nach aufwendigen internationalen Ermittlungen gelang dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) und der Staatsanwaltschaft, eine bandenmäßig strukturierte Organisation zu zerschlagen, die NpS im großen Stil produziert und weltweit versendet hatte. Bei der heutigen Vorstellung der Hintergründe in München mit Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaft erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, dass es sich um das deutschlandweit bislang größte Ermittlungsverfahren gegen einen NpS-Händlerring handelt. "Uns ist damit ein empfindlicher Schlag gegen einen weltweiten NpS-Händlerring gelungen", betonte Herrmann und lobte die akribische und hartnäckige Arbeit der Ermittler. Gleichzeitig machte der Innenminister deutlich, den Kampf gegen NpS künftig weiter mit Hochdruck zu führen. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe der Bayerischen Polizei, die aus Rauschgiftexperten aus ganz Bayern besteht, ins Leben gerufen. "Wir wollen NpS durch die Aufklärung potentieller Konsumenten und die Zerschlagung von Drogenküchen bestmöglich zurückdrängen", formulierte Herrmann als Ziel.


Wie Herrmann erklärte, sind NpS hochgefährlich. "Mit Verharmlosungen wie 'Badesalz' oder 'Kräutermischungen' hat dieses Teufelszeug überhaupt nichts zu tun", warnte der Minister. "Wer NpS konsumiert, spielt mit seiner Gesundheit und seinem Leben!" Ein besonderes Problem sei, dass die Hersteller von NpS nicht selten in kurzen Zeitabständen ihre Rezepturen ändern, um zu versuchen, gesetzliche Bestimmungen zu umgehen. Von einem Tag auf den anderen könne in einem Produkt gleichen Namens ein viel gefährlicherer Wirkstoff enthalten sein. "Damit gehen für den Konsumenten unkalkulierbare Risiken einher", so der Minister. Selbst Kleinstmengen im Milligrammbereich könnten tödlich sein. Die Anzahl der durch NpS Getöteten lag 2016 in Bayern bei 40, 2017 bei 37 und 2018 bei acht Personen. Ein Erklärungsansatz für diese rückläufigen Zahlen ist laut BLKA-Experten, dass 2018 eine hochpotente Substanz, die 2017 für ein Drittel der Toten verantwortlich war, vom Markt verschwunden ist.

Das BLKA führt in enger Kooperation mit der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ansbach seit Ende Dezember 2017 ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen die bundesweit agierende Tätergruppierung, die mit NpS im Tonnenbereich gehandelt hatte. Das Ermittlungsverfahren richtet sich derzeit gegen 42 Personen, davon befinden sich fünf in Untersuchungshaft. Weitere Informationen zum Ermittlungsverfahren können der beiliegenden Pressemeldung des BLKA entnommen werden.

Der Frau fielen die vier Pakete sofort auf: es roch so stark nach merkwürdigen Kräutern. Die Mitarbeiterin des Paketshops in Reichshof in Nordrhein-Westfalen sprach den Abholer darauf an. Und als sie mit der Polizei drohte, flüchtete der Mann. In Wuppertal fiel zeitgleich ein weiteres kleineres Paket auf, weil es nicht abgeholt wurde. Die aufmerksamen Mitarbeiter hatten ein gutes Gespür bewiesen: In den Paketen fand die Polizei insgesamt 87 Kilogramm „Neue psychoaktive Stoffe“ (NpS). Diese Menge der synthetisch hergestellten Drogen hat einen Straßenverkaufswert von 700.000 Euro.

Das war im März 2017. Damals fiel der Polizei gleich noch eine Gemeinsamkeit der beiden Paketchargen auf: Ein Absender aus dem mittelfränkischen Kreis Ansbach. Die Kriminalpolizeiinspektion und die Staatsanwaltschaft Ansbach übernahmen deshalb die Ermittlungen. Schnell wurden den Kriminalpolizisten und der Staatsanwaltschaft die Dimension des Verfahrens bewusst – das Bayerische Landeskriminalamt stieg in das Verfahren ein. Zusammen bildeten sie die Ermittlungsgruppe „Speer“.

Und gemeinsam kamen sie dem Absender auf die Spur: Ein 32-jähriger Wahl-Münchener. Er stellte NpS in verschiedenen, extra angemieteten Privatwohnungen her. Der Mann führte in München ein Luxusleben und gab an, im Monat über 60.000 Euro mit der Produktion von NpS zu verdienen. Demnach hat er von März 2017 bis zu seiner Festnahme im März 2018 mehr als eine Million Euro umgesetzt.

Ermittler aus Ansbach und München hatten den Produzenten zudem bereits lange vor seiner Festnahme überwacht und so ein ganzes Netzwerk aufgedeckt.

Mehr als 30 Online-Shops verkauften über das Internet ganz unauffällig sogenannte „Kräutermischungen“. Doch die Ermittler sahen genauer hin und erkannten, was die Mischungen wirklich enthielten. In den bunten 3-GrammPackungen waren keine harmlosen Kräuter, sondern gefährliche Drogen – NpS. 25 Euro zahlten die Kunden mindestens pro Packung, und zwar bar als Nachnahmegebühr an der Haustür. Auf diese Weise wurden nachweislich von November 2016 bis März 2018 über 1,2 Tonnen NpS an über 20.000 Kunden verkauft. Umsatz: mehr als 10 Millionen Euro.

An diesem Punkt kamen die Finanzagenten der Gruppe ins Spiel. Die Einnahmen wurden auf über 100 Konten verbucht und auf diese Art gewaschen. So konnten die Ermittler beispielsweise auf einem einzigen Konto im Zeitraum von nur fünf Monaten über 10.000 Kontobewegungen feststellen. Für ihre Arbeit bekamen die Finanzagenten bis zu 10 Prozent der Kontobewegungen oder aber einen Fixbetrag von bis zu 5000 Euro pro Monat.

Die Ermittlungen richten sich aktuell gegen 42 Personen. Von denen befinden sich noch fünf in Untersuchungshaft. Insgesamt konnten die Beamten 107 Kilogramm Kräutermischungen, 31 Kilogramm Fake-Hash und sechs Liter E-Liquids sicherstellen.

Diese Gruppe an Tatverdächtigen aufgespürt zu haben, ist für die Ermittler ein enormer Erfolg.


40 Menschen sind allein in Bayern im Jahr 2016 an den Folgen von NpS gestorben. 2017 waren es 37 - Was steht hinter dem Begriff „Neue psychoaktive Stoffe“ (NpS) und warum sind sie so gefährlich?

Neue psychoaktive Stoffe (NpS) – das sind neue chemisch hergestellte, berauschende Wirkstoffe, die den Rauschgiftmarkt in den letzten Jahren regelrecht überflutet haben. Für sie gibt es international noch keine einheitlichen Gesetze. So kann ein Wirkstoff in Deutschland verboten sein, jedoch in Spanien noch nicht. Oder umgekehrt.

NpS werden in bunten, Aufmerksamkeit erregenden Packungen über Staatsgrenzen hinweg im Internet verkauft und erwecken den Anschein, harmlos und legal zu sein. Doch kein Konsument kennt die Inhaltsstoffe und die verwendeten Dosierungen. Er weiß vorher nicht, wie die Drogen wirken werden. Es gibt noch keine Studien zu Langzeitwirkungen von synthetischen Cannabinoiden, wie sie auch in diesem Fall produziert und verkauft wurden. Diese künstlich hergestellte Droge ist wesentlich stärker als das herkömmliche Cannabis. In zu hoher Dosierung sind Todesfälle keine Seltenheit. Nebenwirkungen, wie Herz-Kreislauf-Probleme, Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit, Psychosen und Panikattacken sind möglich.
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