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"Angelus mortis" - Dokumentarfilm von Simon Ritzler (mit Diskussion)

Der Günzburger Simon Ritzler ist schon mehrmals durch seine Kurzfilme aufgefallen und mit Preisen bedacht worden. Der Student an der Filmakademie Baden-Württemberg begann vor fast einem Jahr mit der Arbeit an seinem 37-minütigen Dokumentarfilm "Angelus Mortis" (Engel des Todes).

Der Film feierte seine Festivalpremiere in Leipzig, welches eines der renommiertesten Dokumentarfilmfestivals in Europa ist. Ritzlers Film, ausgewählt von der Festival-Jury für den Wettbewerb aus über 2.500 weltweit eingereichten Filmen, beschäftigt sich mit dem berüchtigten, in Günzburg geborenen KZ-Arzt Josef Mengele.

Es gibt Namen, die zu Synonymen des Schreckens geworden sind. Der von Josef Mengele gehört sicher dazu. Der Lagerarzt von Auschwitz schickte an die 40.000 Menschen ins Gas und unternahm in den von ihm geleiteten Laboren eine Vielzahl bestialischer Menschenexperimente, bevorzugt an Zwillingen, Verkrüppelten, Sinti und Roma.

Hugo Höllenreiner ist ein Überlebender der „Operationen" von Mengele. Man spürt, dass er sich erst aufraffen muss, um sich selbst wieder mit diesem Teil seiner Geschichte zu konfrontieren. Es ist nichts, was er gern tut. Er tut es, weil wichtig ist, dass es getan wird. Simon Ritzlers Film erscheint in jedem Moment wie abgekoppelt von der gewöhnlichen Wirklichkeit: so wie Hugo Höllenreiner in einem weißgekalkten Gewölbekomplex von seinen Misshandlungen durch Mengele erzählt, so hat der Regisseur auch Fotografien an den Wänden und Böden arrangiert, denen er sich, der Passionsgeschichte seines Zeugen folgend, vorsichtig nähert. Das Hinschauen: eine Herausforderung. Und eine Zumutung. Immer noch und immer wieder. Die Fotografien bleiben dabei als Fotografien, d.h. als Medium der Vermittlung, d.h. als Zeichen an der Wand erkennbar. Aus Angelus Mortis spricht ein Formwille, bei dem es nicht um ästhetische Finesse geht. Das würde die Opfer verhöhnen. Mit Aufnahmen, bei deren Anblick man sich immer wieder fragt: „Wie ist so etwas möglich?", spielt man nicht. Man tut voller Scham, was man zu tun hat und nichts weiter. Dann senkt man den Blick." (Bewertung des Internationalen Dokumentarfilmfest Leipzig)

Dauer des Films: 37 Minuten
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