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Sonden messen radioaktive Strahlung - Mit 17 Sonden in Ostvorpommern und einer in Greifswald misst das Bundesamt für Strahlenschutz täglich die radioaktive Strahlung. Im Falle einer atomaren Bedrohung

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Greifswald: Etwa 1,40 Meter groß, schlank und unauffällig: Den grauen Stäben mit ihren gelben Aufklebern ist nicht anzusehen, was für eine wichtige Aufgabe sie täglich meistern. Deutschlandweit gibt es etwa 1800 Sonden. Davon stehen 86 in Mecklenburg-Vorpommern, 17 im Landkreis Ostvorpommern und Uecker-Randow sowie eine in Greifswald. Sie ermöglichen Mitarbeitern des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) im Falle einer radioaktiven Wolke schnell zu reagieren. Eine dauerhafte geringe Strahlung ist normal. Sie setzt sich aus natürlichen radioaktiven Stoffen im Boden wie Uran oder Kalium sowie einer kosmischen Strahlung aus dem Weltraum zusammen. Diese so genannte Gamma-Ortsdosisleistung wird mehrmals täglich gemessen. Etwa alle 20 Kilometer steht eine Sonde, in der Nähe von Atomkraftwerken in geringeren Abständen. In der Region gibt es vergleichsweise wenig Sonden: ?Wäre Lubmin noch am Netz, wären es natürlich auch deutlich mehr Kontrollpunkte?, erklärt Roger Luff, der die Außenstelle des Bundesamtes für Strahlenschutz in Rendsburg leitet. ?Trotzdem messen wir natürlich auch hier die Strahlung.? Die Sonde in Greifswald auf dem Gelände der Wetterwarte übermittele an den Messnetzknoten in Rendsburg alle zehn Minuten ein Signal. Dass durch die dramatischen Vorfälle im japanischen Kernkraftwerk Fukushima eine erhöhte Strahlenbelastung in der Region gemessen werden könne, sei aber vollkommen unrealistisch: ?Die radioaktive Wolke wird über Amerika und Russland jede Menge Material verlieren, da geht bei uns keine Gefahr mehr aus.? Sollte jedoch, so unwahrscheinlich es auch sein mag, eines Tages eine Strahlenwolke verzeichnet werden, kann das Bundesamt für Strahlenschutz auf Grund der Messergebnisse sofort reagieren. ?Dann fährt ein Team von uns zu den entsprechenden Sonden und überprüft die Messwerte mit mobilen Geräten?, erklärt Roger Luff. Zugleich werde die Strahlung analysiert: ?Wenn es sich um eine kurze Zerfallszeit handelt, beispielsweise um eine Woche, dann werden wir keine besonderen Maßnahmen ergreifen?, sagt der zuständige Institutsleiter. ?Wenn wir es jedoch mit Cäsium zu tun haben, das erst nach 30 Jahren zerfällt, sieht das schon ganz anders aus.? Die erste Maßnahme wäre die Evakuierung aller Anwohner.Geringe Schwankungen sind normal. Nach jedem Regen weist der Boden eine normal erhöhte Strahlung auf, durch die Messwerte leicht ansteigen können. Eine Schneedecke reduziert die Werte. Im bundesweiten Vergleich ist die normale Strahlung in der Hansestadt allerdings sehr gering. Gemessen wird sie in Mikrosievert pro Stunde. Die Greifswalder Sonde verzeichnete in den letzten Tagen durchschnittlich etwa 0,075 Mikrosievert in der Stunde. Zum Vergleich: Bei einer Röntgenaufnahme wird der Körper ungefähr mit 40 Mikrosievert belastet. In Japan wurden in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks jüngst Maximalwerte von 11 900 Mikrosievert aufgezeichnet. Mittlerweile ist auch das Bundesamt für Strahlenschutz Sparmaßnahmen ausgesetzt. Dadurch gibt es jedes Jahr weniger Sonden.Das Messnetz des Bundesamtes für Strahlenschutz1800 Sonden gibt es bundesweit, 86 davon in Mecklenburg-Vorpommern. 17 sind es in Ostvorpommern und Uecker-Randow, eine in Greifswald auf dem Gelände der Wetterwarte. Sie zeichnen die Gamma-Ortsdosisleistung auf, im Normalfall eine geringe Strahlung. Aufgezeichnet wird sie in Mikrosievert pro Stunde (µSv/h). In der Hansestadt werden durchschnittlich Werte zwischen 0,09 und 0,1 µSv/h gemessen. Bei einer Röntgenaufnahme des Oberkörpers beträgt die Belastung etwa 40 µSv/h. 100 000 Mikrosievert gelten als gefährlicher Grenzwert, der das Krebsrisiko drastisch ansteigen lässt. Das Messnetz des Bundesamtes für Strahlenschutz ermöglicht zum einen eine Dokumentation der Umweltradioaktivität, zum anderen schützt es die Bevölkerung vor gesundheitsgefährdender Strahlung. Um eine Verfälschung der Werte zu vermeiden, werden die Messstellen auf einer ebenen Fläche aufgestellt, die in einem Radius von 20 Metern frei von Bewuchs ist. Es werden Mittelwerte gebildet, die in der Regel einmal täglich von dem nächsten Messknotenpunkt abgerufen werden (im Fall der Hansestadt ist das Rendsburg). Über eine interaktive Karte können aktuelle Werte der einzelnen Standorte abgerufen werden. Informationen unter ? http://odlinfo.bfs.de
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