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Neuer Theaterintendant will Künstler entlassen - Dirk Löschner bereitet seinen Amtsantritt im August 2012 vor. Donnerstag beginnt die Anhörung von Ensemblemitgliedern.

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Greifswald: Die Angst geht um am Theater Vorpommern: Einen Monat nach seiner Berufung zum neuen Intendanten der Bühne lädt Dirk Löschner zur Anhörung. In Briefen kündigt der designierte Chef einigen der 286 Mitarbeiter an, über die Nichtverlängerung ihrer Verträge reden zu wollen. Es dreht sich um den 1. August 2012, wenn der jetzige Intendant des Theaters der Altmark das hiesige Zepter übernimmt.?Es ist richtig. 15 Ensemblemitglieder haben einen solchen Brief erhalten?, bestätigt Rainer Steffens als kommissarischer Geschäftsführer des Hauses gestern eine entsprechende OZ-Anfrage. Allerdings hätten diese Briefe nichts mit einem Stellenabbau wegen desolater Haushaltslage zu tun, stellt er klar. Zur Erinnerung: Angesichts der seit 15 Jahren nahezu gleichbleibenden Zuschüsse von Land und Gesellschaftern sowie ständig steigender Aufwändungen unterliegt das Theater Vorpommern mit seinen drei Standorten Greifswald, Stralsund und Putbus einem immensen Sparzwang. Drohende Entlassungen, ja ganze Spartenschließungen schwebten monatelang wie ein Damoklesschwert über dem Theater. Nur mit neuen Haustarifverträgen ? die Verhandlungen gehen Mittwoch in die nächste Runde ? sind nach aktuellem Stand die zuletzt 24 empfohlenen Kündigungen abzuwenden. Das ist eines der Ergebnisse, die das seit Mai 2010 agierende Interimsduo Rainer Steffens und Hans-Walter Westphal den politischen Gremien im März mit ihrem Prüfbericht vorlegten. Aber das habe alles nichts mit den Anhörungen zu tun, die am Donnerstag dieser Woche beginnen, versichert Steffens. Vielmehr nehme der neue Mann damit sein Recht auf Veränderung wahr, ?das ihm laut Tarifsystem bei einem Intendantenwechsel zusteht?. Und in der Tat: Dirk Löschner will für frischen Wind sorgen. ?Aufgrund der Fristen bin ich gezwungen, relativ schnell zu agieren?, sagt der 44-Jährige und erklärt: ?Anders als im öffentlichen Dienst haben Künstler in der Regel Jahresverträge, die sich automatisch um ein weiteres Jahr verlängern.? Da er beabsichtige, zu seinem Amtsantritt im Sommer 2012 neue Leute mitzubringen, sei er gezwungen, schon jetzt über die Nichtverlängerung einiger Verträge zu sprechen. ?Doch ich habe noch keine Entscheidungen getroffen?, versichert Löschner. Zweck einer Anhörung sei schließlich, dass beide Seiten ihre Ansichten und Situationen darlegen können. ?Vielleicht erkennt der eine oder andere Künstler dann auch, dass eine Veränderung für ihn selbst gut wäre?, hofft Löschner, der Wert darauf legt, mit seinem Handeln keine Leistung der Mitarbeiter zu schmälern. Im Gegenteil: ?Ich habe in letzter Zeit viele Produktionen am Theater Vorpommern, speziell des Schauspiels, gesehen und weiß, dass man in Vorpommern gutes Theater macht.? Dennoch habe er für seine künftige Arbeit bestimmte Vorstellungen, die er gern verwirklichen möchte. Dazu gehört auch, seinen Bruder Sascha Löschner als Chefdramaturgen einzustellen. Dieses Amt bekleidet er bereits am Theater der Altmark. ?Es geht dabei nicht um einen Versorgungsposten für ein Familienmitglied?, wehrt der designierte Intendant von vornherein ab und argumentiert: ?Wir beide sind ein eingespieltes Team. Davon kann sich gern jeder, der will, hier in Stendal überzeugen?, gibt sich Dirk Löschner selbstbewusst. Ballettmeisterin Sabrina Sadowska, Vorsitzende des Betriebsrates am Theater Vorpommern, wollte sich auf OZ-Anfrage zu den bevorstehenden Veränderungen im Ensemble nicht äußern. Man werde die Anhörungen abwarten. Generell sei die Situation im Haus auch aufgrund der laufenden Tarifverhandlungen schwierig. Das sieht auch der neue Intendant so, der den bisherigen Verzicht der Belegschaft als hartes Brot bezeichnet. ?Dennoch bin ich verhalten optimistisch und hoffe, dass die Verhandlungen zu einem guten Ende geführt werden, damit der Start 2012 gelingt?, so Dirk Löschner.
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