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Muna - Grebenhain/Vogelsberg/Hessen

 
Hitler beim Besuch eines Manövers 1937, ganz in der Nähe der Munitionsanstalt. Es ist anzunehmen, dass er diese auch besucht hat; Dokumentarische Überlieferung davon ist allerdings nicht erhalten.
 
1936 wurde im Oberwald bei Grebenhain mit dem Bau einer Luftwaffenmunitionsanstalt begonnen. In den oberirdisch errichteten Bunkern sollten Flakmunition und Bomben (zuerst bis 1000 Kg.) untergebracht werden. In sehr kurzer Zeit entstanden 64 Munitions- un
Grebenhain: Muna | GESCHICHTE:

Das Gelände der späteren Muna Hartmannshain wurde bis in die
1930er Jahre landwirtschaftlich durch die Bauern der benachbarten Dörfer
Grebenhain und Bermuthshain genutzt. Bis zum Spätmittelalter
befand sich dort außerdem das zur Wüstung gewordene Dorf Schershain. 1902 wurden am Rand des Oberwaldes ein Jagdhaus und die Waldvilla erbaut. Seit 1906 führte außerdem die Vogelsbergbahn daran vorbei.

Wenige Tage vor dem Herannahen amerikanischer Truppen entdeckten die
Piloten acht amerikanischer Jagdbomber, der Bahnlinie folgend, einen abfahrbereiten und fast vollbeladenen Munitionszug auf dem Gelände der Muna. Dieser wurde sofort angegriffen und in Brand geschossen. Die folgende Explosion zerstörte mehrere Hallen der Muna und riss einen gewaltigen Krater in die Erde. In Bermuthshain, Grebenhain und Crainfeld wurden zahlreiche Fensterscheiben von der Detonation eingedrückt und im letzteren Ort eine Scheune durch einen herumfliegenden Bombensplitter in Brand gesetzt.
Gemäß dem Nero-Befehl wurden die Bunkeranlagen in der Muna
vor dem Eintreffen amerikanischer Verbände durch die deutsche Wehrmacht
zur Sprengung vorbereitet. Dieser erfolgte ab dem 29. März 1945 mit
Hilfe von Zeitzündern. Betonbrocken und vor allem Munitionsteile wurden weit durch die Gegend geschleudert und verseuchten den Oberwald für viele Jahrzehnte mit gefährlichen Munitionsrückständen.
Zwei Tage später besetzten Einheiten der 3.US-Armee das Gelände. Während der ersten Wochen danach war die Muna jedoch weitgehend sich selbst überlassen und wurde im großen Stil durch Bewohner der benachbarten Gemeinden ausgeplündert. Die amerikanische Besatzung der Muna, während der auch weitere Sprengungen vorgenommen
wurden, dauerte bis 1947.

Wenige Tage vor dem Herannahen amerikanischer Truppen entdeckten die
Piloten acht amerikanischer Jagdbomber,der Bahnlinie folgend, einen abfahrbereiten und fast vollbeladenen Munitionszug auf dem Gelände der Muna. Dieser wurde sofort angegriffen und in Brand geschossen. Die folgende Explosion zerstörte mehrere Hallen der Muna und riss einen gewaltigen Krater in die Erde. In Bermuthshain,Grebenhain und Crainfeld wurden zahlreiche Fensterscheiben von der Detonation eingedrückt und im letzteren Ort eine Scheune durch einen herumfliegenden Bombensplitter in Brand gesetzt.

ANLAGEN UND INFRASTRUKTUR:

In ihrem letzten Ausbaustand erstreckte sich die Luftmunitionsanstalt
Hartmannshain über eine Fläche von 176 Hektar. Für die Offiziere
und die Standortverwaltung existierte eine eigene Siedlung mit im Heimatstil
gehaltenen Wohnhäusern, Verwaltungsgebäuden und einem Wachhaus mit
Zufahrt von bzw. zur Reichsstraße 275. Daran und im gesamten
Muna-Gelände schlossen sich zahlreiche Packhallen, Arbeitshäuser,
Garagen und Werkstätten an. Im Hauptteil der Anlage befanden sich
zuletzt rund 120 oberirdische, gut getarnte Munitionsbunker. Außerdem
existierten noch einige Luftschutzbunker für das Personal und Bunker für
technische Einrichtungen.

Die Muna verfügte über ein eigenes Strom-, Wasser-, Kanalisations- und Telefonnetz und asphaltierte Straßen. Es bestanden ein internes Gleisnetz mit Laderampen und Lokschuppen für zwei Diesel-Rangierlokomotiven sowie eine modern ausgerüstete Feuerwehr. An- und Abtransport der Munition erfolgte über ein Anschlussgleis auf der Vogelsbergbahn und per LKW über die R 275. Hauptlieferant der bereits weitgehend vorgefertigten Munition waren die ebenfalls geheimen Munitions- und Sprengstofffabriken in Allendorf bei Marburg.

Für die Luftabwehr befanden sich in der Muna selbst befanden sich in ausgebauten Stellungen vier Zwillings-FlaMG und drei Vierlings-FlaMG. In der Umgebung der Muna waren außerdem drei 2cm-Flakgeschütze aufgestellt. Die Bedienungen sämtlicher Geschütze waren angewiesen, nur bei erkannten Angriffen das Feuer zu eröffnen, um die Anlage nicht zu verraten. Für die Überwachung des Luftraums über dem Vogelsberg war weiterhin eine bei der Muna Hartmannshain und dem Warnkommando Gießen eingerichtete Warnstelle zuständig. Sie verfügte über mehrere hölzerne Unterstände mit Beobachtungstürmen auf dem Maienberg bei Crainfeld, auf dem Hoherodskopf und bei Freiensteinau, deren Besatzung vorwiegend durch Einheimische gestellt wurde

In der Muna waren etwa 200 Arbeitskräfte tätig. Sie wurden vorrangig durch dienstverpflichtete Männern der Nachbargemeinden wie Bermuthshain, Grebenhain, Crainfeld, Hartmannshain und Herchenhain gestellt. Ab 1943 stellten die zuletzt rund 120 Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine die Mehrheit des Personals. Ihre Unterbringung erfolgte in dem der Muna gehörenden Barackenlager in Bermuthshain. Die Bewachung der Muna übernahm anfangs ein SS-Zug aus Gießen. In der Kriegszeit waren Landesschützen der Wehrmacht und später eine Wach- und Schließgesellschaft aus Friedberg hierfür zuständig.

SPÄTERE NUTZUNG:

Die Wohnsiedlung der Muna entging der Zerstörung und blieb größtenteils
bis heute erhalten. Sie ist der Kern des heutigen Grebenhainer Ortsteils
Oberwald. In den ebenfalls überwiegend erhalten gebliebenen
Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden siedelten sich zuerst kleine Firmen
von vertriebenen Sudetendeutschen aus Gablonz an. In den 1950er Jahren nutzte eine Tuchfabrik diese Gebäude. 1964 ließ sich dann das
Verpackungsmittelunternehmen Stabernack(jetzt STI Group) auf dem Muna-Gelände nieder. Die Muna Hartmannshain wurde somit zu einem Ausgangspunkt der Industrialisierung in der vor ihrem Bau ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägten Vogelsbergregion.

Die gesprengten Bunkeranlagen waren noch bis in die 1980er Jahre weitgehend erhalten. In den Jahren 1978 bis 1982 entstand dann im Rahmen des NATO-Verteidigungskonzepts im Fulda Gap ein Versorgungsdepot der US Army, auch Natolager genannt. Dieses wurde nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991 geräumt und einer zivilen Nutzung als Gewerbegebiet zugeführt. In den 1980er Jahren begann auch die mittlerweile fast abgeschlossene Entmunitionierung, der jedoch auch die meisten Bunkerruinen und andere Relikte zum Opfer fielen.

Seit 2004 existiert eine Vereinigung interessierter Bürger aus der Großgemeinde Grebenhain, um die Geschichte der Luftmunitionsanstalt Hartmannshain aufzuarbeiten. Die noch erhaltenen Reste sollen bewahrt und in ein Museum als Mahn- und Erinnerungsstätte eingebunden werden. Im Rahmen dieses Museums ist auch ein Informationszentrum mit Dauerausstellung zur Muna in der alten Schule in Bermuthshain vorgesehen.

Recherche: Harald Fäth mit freundlicher Unterstützung durch Wilhelm S., Grebenhain und Gemeinde Grebenhain
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