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Weihnachtszeit...besinnliche Zeit.

Weihnachtszeit
  Es war einmal.
So begannen alle Märchen, die meine Großmutter zur Weihnachtszeit in den ersten Jahren nach dem schrecklichen 2.Weltkrieg mir als kleinen Jungen vorgelesen hat. Als Kriegskind (geb. 1943) waren mir diese Geschichten Trost und Freude zugleich. Mein Vater war im 2.Weltkrieg gefallen. Eine sehr traurige Nachricht für meine Familie. Die fröhlichen, aber auch nachdenklichen Vorlesungen meiner Oma ließen mich die Entbehrungen der Nachkriegszeit für einige Augenblicke vergessen - ich träumte mich in eine bessere und glückliche Zukunft...
Nach und nach erholte sich unser Land vom Schrecken des Krieges. Wir gingen in die Schule und lernten fleissig(mehr oder weniger). Es war eine Zeit des Aufbruchs. Die Welt atmete auf. Die Zeit flog dahin. Und so wurden wir 1958 in die "Gilde" der Erwachsenen aufgenommen.

50 Jahre später - die Erinnerungen an eine erfahrungsreiche und auch fröhliche Kinderzeit wurden wieder lebendig:

SPÄTLESE
(mit Augenzwinkern)

Wenn du als Kind in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhundert lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!

Als Kinder sassen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.

Die Fläsch'chen aus der Apotheke konnnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso die Flaschen mit Bleichmittel.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.

Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt dem Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verliessen nach der Schule das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Srassenlaternen angingen.
Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir hatten uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne, und niemand wurde deshalb verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld, ausser wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal "grün und blau". Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht.

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 84 Fernsehkanäle,
Filme auf Video und CD, Surround Sound, eigenes Fernsehgerät, Computer, Internet-Chat-Rooms. WIR HATTEN FREUNDE!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir maschierten zu deren Heim und gingen einfach hinein, denn die Haustüren waren offen, sie hatten damals noch Klinken! Heute haben sie einen Knauf! Ohne Termine und ohne Wissen der Eltern waren wir unterwegs. Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein:
Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch keine Augen aus.

Beim Strassenfußball, Mordball, Räuber und Gendarm durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klar zu kommen.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstossen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen. Wir haben zwei Gesellschaftsordnungen erlebt. In der Zeit des verkorksten Sozialismus, der nie einer war, träumten wir von einer besseren Gesellschaft. Aber die angebeteten Götzen Profit und maßloser Wachstum in dieser Zeit taugen auch nicht für eine gerechtere Gesellschaft. Wir werden wohl keine bessere erleben. Ob die nächste Generation das besser macht?

Herzlichen Glückwunsch an allen meinen Altersgenossen, die das alles überlebt haben...

Allen Lesern von myheimat ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest.
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9 Kommentare
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 23.12.2016 | 20:31  
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Wolfgang Wirtz aus Duisburg | 23.12.2016 | 21:40  
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Werner Szramka aus Lehrte | 23.12.2016 | 21:42  
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Romi Romberg aus Berlin | 23.12.2016 | 23:16  
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Gundu la aus Mannheim | 24.12.2016 | 00:34  
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Rita Schwarze aus Erfurt | 25.12.2016 | 08:34  
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