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Auch die Zone besuchen

Als es die DDR noch gab, wurde mitunter bewusst von der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) oder auch kurz Zone gesprochen.

Als Kind hatte ich das nicht so richtig mitbekommen, war es nicht von Interesse.
Als Jugendlicher, der Kindheit und Jugend voll genossen hat in all den vielfältigen Möglichkeiten (Kindergarten / Kinderhort / Ferienlager / Ferienspiele), mit den Eltern über Wanderungen und Urlaube die Heimat kennen und lieben gelernt hat, stieß es mich schon ziemlich ab, "meine DDR" nicht wahrnehmen zu wollen und sie kurz und nicht historisch sondern eher abfällig als Zone zu bezeichnen.

Schließlich wurde DDR immer mehr auch in der alten BRD gesagt, sprach man meist nur etwas mit Unterton von „drüben“.
Na, da es für mich nicht lebenswichtig war, gewöhnte ich mich daran und nahm es mehr oder weniger einfach hin.

Mit der Wende wurde ich zum „Heimatvertriebenen“. Die DDR gab es nicht mehr und alles, was es in ihr an Gutem gegeben hatte, wurde zumindest in Frage gestellt oder einfach abgeschafft. Und es muss Gutes gegeben haben und nicht meine nostalgische Vorstellung sein, wenn in all den Jahren vieles wieder belebt wird – allerdings unter anderem Namen, um den Bezug zu dem Gewesenen der DDR nicht aufkommen zu lassen.

Um den ehemaligen DDR-lern einen Stempel aufzudrücken, welcher sie in ein Abseits stellen soll, falls sie Mängel oder Ungerechtigkeiten der neuen BRD ansprechen oder gar Vergleiche zur DDR-Vergangenheit ins Gespräch bringen, wird auch noch heute die Frage ins Gefecht geführt, wie man denn in der DDR zur Stasi stand, vielleicht gar Stasi-Informant war?
Ganz aktueller Kommentar zu einem meiner Beiträge in diesem Portal:
„Vom Kindergarten bis zum Stasi- Herr Zerbst, wo standen Sie ?“

Nun könnte ich diesem Kommentator ja anbieten, ihm meine 40 Jahre in der DDR näher zu bringen, auch meine Erlebnisse mit der Stasi.
Doch das will er ja gar nicht wissen! Es ist eine provokative Frage und eine Abstempelung meiner Person als Stasi-Mann, ohne dies direkt zu sagen oder zu belegen – eben nur mal wie nebenbei in den Ring zu werfen. Man könnte vielleicht gar einen Hass-Unterton herauslesen.

Ein weiterer Kommentar zeigt aber, dass er die Reife der letzten 30 Jahre wohl übersprungen haben muss, wenn er kommentiert:
„Ich werde in diesem Sommer auch einmal die Zone besuchen.“

Normalerweise würde ich das begrüßen, weil ein Besuch der neuen Bundesländer immer zu empfehlen ist. Allerdings sollte ich ihm vielleicht abraten, um einerseits sein „Zonenbild“ nicht beschädigen zu lassen und andererseits die Ex-DDR-ler nicht gar zu erschrecken.

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Gern wurde ich in all den Jahren nach der Wende beruflich wie auch privat überall aufgenommen und nahm auch ebenso andere mit in meine eigene Gegenwart und Vergangenheit. So entstanden gegenseitiges Verständnis und Achtung der Lebenswege.

Dass aber noch heute die „Zone“ als Titulierung des Bereiches der ehemaligen DDR aktuelles Menschenbild ist, hat mich echt stark mitgenommen und zu diesem Beitrag veranlasst.

Schließlich möchte und brauche ich mich weder für meine intensiv gelebten DDR-Jahre noch für meine Nichtzugehörigkeit zur Stasi entschuldigen.
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12 Kommentare
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 11:47  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 11:53  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 11:57  
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Uwe Zerbst (Thüringen) aus Gotha | 30.06.2020 | 11:57  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 12:18  
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 30.06.2020 | 12:27  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 12:35  
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  e:Due aus Weimar | 30.06.2020 | 14:18  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 30.06.2020 | 14:29  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 01.07.2020 | 08:47  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 01.07.2020 | 09:05  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 01.07.2020 | 11:22  
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