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Sie arbeitete aus Berufung für die Jugend / (09)

Mit der Wende hatten die „neuen Bundesländer“ ein neues Jugendhilfegesetz, welches sie einerseits sehr herausforderte aber andererseits aufgrund langjähriger Berufserfahrung auch wieder leicht umzusetzen war.
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Als es (in meinen Augen) lebensgefährlich wurde.
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Das Vertrauen zwischen Jugendgerichtshelfer und straffälligen Jugendlichen basiert auf einer unterschiedlich langen Zeit, in der gegenseitig Erfahrungen gesammelt werden, wie der jeweils Andere mit gegebenen Informationen umgeht.

Eines Abends – eigentlich bereits nachts – gegen 23:30 Uhr rief es an, sie ging ans Telefon. „Immer ruhig bleiben! Warte mal kurz“ - hörte ich sie sagen. Dann fragte sie mich, ob ich sie mal zum Jugendklub in Siebleben fahren würde. Ja, jetzt. Da fuchtelt einer mit ner Pistole herum.
Wenngleich ich freilich zusagte und sie ins Telefon sagte, gleich da zu sein, war mir recht mulmig im Magen.

Am Jugendklub angekommen meinte sie, dass es sicher nicht lange dauern würde. Ich wiederum betonte, nur 20 Minuten zu warten und dann die Polizei zu rufen. Ja, ja – und schon war sie gegangen.

Nach 20 Minuten sagte ich mir, dass ich nun auch noch 5 Minuten warten könne. Aber mir war bang.
Gut gedacht, denn sie kam flotten Schrittes, stieg ins Auto ein und meinte: „Kannst losfahren.“

Doch nun wollte ich erleichtert erst einmal wissen, was denn da abgegangen sein.
Einer „ihrer“ straffälligen Jugendlichen drohte mit geladener Pistole. Der Klubleiter hatte sie angerufen. Sie sprach mit dem Jugendlichen, machte ihm die Sachlage klar und,dass sie da sei, um ihm zu helfen sowie möglichen Ärger abzuwenden. Da er sie kannte und ihre Worte stets schätzte, gab er ihr die Pistole, welche sie dem Klubleiter gab mit dem Hinweis, dass er bitte umgehend das bestehende Problem des Jugendlichen bereden und möglichst klären solle.
„Aber wenn der Jugendliche geschossen hätte?!“ - warf ich ein.

„Weißt du: meine Gothaer Jugendlichen tun mir nichts. Wenn, dann ist er nicht von hier. Dann allerdings bekommt er es mit meinen zu tun – und hat sicher nichts zu lachen!“ - meine sie ganz trocken. Doch nun solle ich endlich losfahren, es sei ja schließlich spät geworden.

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Die erste Geschichte zu dieser Serie kann nachgelesen werden unter:
Sie arbeitete aus Berufung für die Jugend
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