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(Aus meinem Tagebuch:) Erst, wenn es nicht mehr da ist, dann ... *

Wie fast jeden Morgen, so wurde ich auch heute wieder kurz vor 06 Uhr munter, lächelte dem Wecker zu und gab ihm die Hand, um ihn auszustellen. Dann stutzte ich! Etwas war anders als sonst und störte mich. Falsche Zeit? Nein! Ruhig legte ich mich noch einmal hin und spitzte Ohren und schärfte die Augen!

Da hörte ich, dass ich sie nicht hörte, die fleißig trällernde Amsel auf dem Baum vor dem Schlafzimmerfenster. Ein Baum, der uns leider nur im Winter den Blick auf die Stadt und Schloss Friedenstein gestattet – aber seit einigen Tagen der Platz für die fröhlich-amselige Morgenmusik ist.
Heute nicht? Ja, heute nicht!
Wieder einmal mache ich die Erfahrung, wie sehr man sich an etwas gewöhnt, mag es gut oder weniger gut sein. Und wenn es weg ist, fehlt es einem zum gewohnten Tageslauf – auch das weniger Gute!

Nun, wo ich die Ursache meiner Verwunderung kannte, überlegte ich fix, ob damit der Tag für mich auf dem falschen Bein begonnen habe.
Nein! Auch ohne diesen Sänger beginnt mein Tag wie immer voll optimistisch: „Was kann ich heute Gutes tun, erleben oder sehen?“
Neugierig stehe ich auf, gehe ins Bad und begrüße die Zahnbürste, deren Borsten mich anlachen. Jeder andere würde jetzt den Kopf schütteln, doch das Sehen mit Kinderaugen und das Entdecken liebenswerter Kleinigkeiten gehören eben zu mir.

Und schon jetzt weiß ich, dass es etwas Schönes geben wird, an das ich beim nächtlichen Einschlafen denken kann und werde. Möglicherweise ist es die Freude auf den morgen wünschenswert wiederkehrenden Amselgesang im Baum ganz nah bei meinem Bett.
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3 Kommentare
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 11.04.2020 | 13:01  
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Uwe Zerbst (Thüringen) aus Gotha | 11.04.2020 | 15:28  
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Silke Dokter aus Erfurt | 22.04.2020 | 11:34  
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