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(05:) „Ach ging es uns doch gut, als es uns noch schlecht ging!“

Woher dieser Ausspruch kommt, kann man hier nachlesen.

Viele Ferienlager haben meine Kindheit/Jugend geprägt. Was ich gesehen und erlebt habe, was ich lernen durfte und wie ich mich in der Gemeinschaft wohl fühlte, bleibt in so vielen Bildern und Begebenheiten lebendig, dass es darüber vielleicht gar ein Buch geben könnte.

Nach einem Jugendlager in Trassenheide (Usedom), welches wir Jugendlichen selbst gestalteten, organisierten und lebten – fast ohne die Notwendigkeit von Erziehern/Gruppenleitern – war diese Zeit unwiederbringlich zu Ende.

Als sich allerdings die Gelegenheit bot, als Gruppenleiter für Kinder/Jugendliche in ein Ferienlager zu fahren, ergriff ich diese Gelegenheit mit allen Armen und vor allem mit dem Herzen.
(Es werden meine letzten Ferienlagergedanken in dieser Beitragsserie.)
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(008)
Mutti arbeitete bei Jenapharm, wo man Gruppenleiter für ein Betriebsferienlager suchte. Eine ganze Reihe Pädagogikstudentinnen bewarb sich. Ich durfte an dem ersten Lagegespräch teilnehmen und war sofort Feuer und Flamme. Tatsächlich wurde ich eingeteilt – als purer Laie.

Die Zeit kam und wir fuhren ins Betriebsferienlager von Jenapharm nach Bad Saarow, wie ein kleines „Dorf“, in dem jede Gruppe ihren Bungalow und Dumherum einen größeren Freiraum hatte.
Meine Gruppe bestand (glaube ich) aus sechs 12-jährige Jungen.
Was würde ich mit ihnen machen können? Mein Ansatz war, ihnen Erlebnisse zu schaffen, wie ich sie als Kind erleben durfte oder mir immer schon gewünscht hatte.

So waren wir – meine Gruppe und ich – immer mit Dingen beschäftigt, die uns andere oft neideten und gern mit ihrem Gruppenleiter auch erlebt hätten.

Gern denke ich daran, wie wir bis auf ein Ruderboot alle „beschlagnahmten“, an eines ein Schlauchboot mit Proviant hängten, um als Boot-Kolonne zur fast nahe liegenden klitzekleinen Insel zu rudern und dort zu baden. Ein Ruderboot blieb zurück, da es ja für den Lagerbadestrand als Rettungsboot bereit stehen musste.
Es war für uns alle eine richtige Piratenfahrt, die nur durch einen Rettungsschwimmer ergänzt wurde. Ich war wieder ein abenteuerlicher Jugendlicher – so fühlte ich mich jedenfalls.

Voll eifrig bereiteten wir ein Nachtgeländespiel vor, liefen die Strecke (mit drei vertrauenswürdigen Jungen) ab, kennzeichneten alles und waren schließlich ganz stolz, dass und wie gut es ankam und alle von einem besonderen Erlebnis sprachen.

Einer „meiner Jungen“ meinte später gegenüber seinen Eltern, dass er auch Lehrer werden wolle wie ich! Er wurde es! Ich wurde und war es nie. Aber noch heute bin ich fest davon überzeugt, dass man ein Vorbild geben kann, wenn man das Kindsein nicht ganz verlernt und sich in junge Menschen hinein versetzen will und kann.

In diesem Ferienlager begann meine Liebe zu einer der Studentinnen. Ein Jahr später waren wir beide wieder Gruppenleiter in Bad Saarow und verlobten uns.
Eine ältere Gruppenleiterin hatte aus diesem Anlass uns einen Beutel zum Lagerabschluss übergeben voller Pfennige für die Brautschuhe. Alle Kinder hatten einen Pfennig für uns gespendet.
Eigentlich wollten wir im folgenden Jahr auch in diesem Betriebsferienlager heirateten – sicher ein tolles Ereignis auch für die Ferienkinder. Doch familiäre Korsage verhinderte dies an diesem Ort.
Aber allein dieses Ansinnen dürfte dem Leser zeigen, was „Ferienlager“ für mich bedeutete, was sie mir gaben und ich hinein steckte – sich auch in der Erinnerung wieder stark vor mir aufrichten und mein Glück stets erneut aufleben lässt.

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