Abschied von meiner Mathematik-Nachhilfe

Es beginnt die Zeit des Abschiednehmens. Nachhilfeschüler, welche sich auf ihr Abitur vorbereiten oder mit der 10. Klasse ihrem Schulabschluss entgegen sehen, werden nur noch wenige Male kommen, möchten diese Zeit noch nutzen, einige Themen zu wiederholen, Unsicherheiten abzustellen, sich an Übungsaufgaben aus vergangenen Jahren noch einmal zu erproben.

Für mich ist die Zeit des Abschieds von ihnen auch gekommen. Die meisten dieser jungen Menschen habe ich zwei oder gar mehr Jahre geführt. Viele von ihnen konnten ihre Noten deutlich verbessern, sind an ihren Leistungen auch menschlich deutlich gewachsen, werden sich auch im nun folgenden Lebensalltag ohne Schule „ihren Mann“ stehen. Sie sind sehr wertvolle Menschen, welche sich aus Leistungstiefs selbst herausgearbeitet haben.

So könnte ich ja ganz einfach voller Freude sein, sie auf ihrem Weg begleitet und soweit möglich geholfen zu haben, in Mathematik ihrem Schulabschluss einen ausreichenden Abschluss mit bereitet zu haben. Ja, das bin ich auch.
Mit den Jahren meines Wirkens in der „Schülerhilfe“ habe ich nicht nur diese Tätigkeit regelrecht lieb gewonnen. Auch sind mir die Jugendlichen immer wieder und mehr ans Herz gewachsen. Jede gute Note war auch für mich ein kleiner Sieg, wie ich natürlich eine schlechte mit ihnen durchlitt. Da half auch nicht, dass sie mich mehrfach trösten wollten, dass sie wieder einmal versagt hatten, sich zu viele Schusselfehler einschlichen und ich wahrlich nichts dafür könne.
Umso mehr war ich stolz, wenn meine Hinweise, das Üben von Lösungsmethoden, gar die Freude am gefundenen Themenverständnis die Jugendlichen echt weiter gebracht hatten.


Der bevorstehende Abschied gerade von den 12-Klässlern fällt mir auch dieses Jahr besonders schwer. Es sind prächtige Persönlichkeiten, deren Kenntnisse in anderen Schulfächern, in Literatur, Geschichte und vor allem in Sprachen meine hohe Achtung haben. Und in Mathe versuchte ich, ihnen Verständnis wie auch möglichst einfache Lösungswege nahe zu bringen, was auch mit der Zeit immer besser fruchtete.
Jetzt, wo ich sogar einige Namen dem jeweiligen Jugendlichen zuordnen kann, werde sie mit der Schule auch die Nachhilfe und mich verlassen. Das erinnert mich an meine eigene Schulzeit. Nach dem Abitur besuchte ich noch mehrfach einige meiner Lehrer. Diese freuten sich, zu erfahren, was aus ihrem Schüler geworden war, weil sie im Grunde von den „losgelassenen“ Schülern kaum noch etwas hören oder erfahren.

Wie schon in den zurückliegenden Jahren, drücke ich all diesen Jugendlichen für ihren neuen Lebensabschnitt die Daumen. Mögen sie erfolgreich und weitestgehend gesund sein, Berufe finden, in denen sie sich verwirklichen können und Menschen, durch welche ihre Leben wechselseitig in jeder Hinsicht wertvoll wird.
Und wenn sie später einmal ihren eigenen Kindern sagen, dass man Mathe auch verstehen kann, sie darüber selbst erlernen konnten, wie man Probleme angeht und ihren Lösungen findet, dann könnte ich erneut stolz auf diese ehemaligen Nachhilfeschüler sein und darüber, ihnen ein Stück ihres Schulwegs in Mathe zur Seite gestanden zu haben.
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So schwer, wie mir dieser bevorstehende Abschied selbst fällt, freue ich mich freilich auf die weitere Arbeit mit denjenigen, welche mich erst im kommenden Jahr verlassen werden.

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Siehe auch:
Meine gedruckte „Mathe – Hilfe“
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2 Kommentare
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Günter Presnitz aus Schwabmünchen | 08.03.2020 | 16:33  
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 20.09.2021 | 20:35  
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