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In der Jakobikirche von Goslar: Die Pietà, die Tröstung bietet

Der Leichnam Jesu liegt auf dem Schoß seiner Mutter Maria, die in hilflosem Schmerz erstarrt ist, unfähig zu weinen, ihr Blick geht ins Leere. Die Hilflosigkeit des Menschen angesichts des Leides wird sichtbar.
Goslar: Jakobikirchhof | Kunsthistorische Reisebücher stimmen darin überein, bei einem Goslar-Aufenthalt unbedingt in der St.-Jakobi-Kirche die Pietà aufzusuchen, die als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Gotik gilt und in ihrer Bedeutung neben das Goslarer Evangeliar in der Neuwerk-Kirche gesetzt werden kann.

Das einzigartige Kunstwerk aus dem Jahre 1520 (andere Quellen nennen 1510) wird dem Bildhauer Hans Witten (wegen der deutlich erkennbaren Initialen H und M) zugeschrieben. Die herausragende kunstgeschichtliche Bedeutung dieses Andachtsbildes, eine Darstellung der Maria mit dem Leichnam Christi auf ihrem Schoß, soll erst Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt worden sein.

Damals habe sich die Holzskulptur in einem äußerst bedenklichen Zustand befunden. Holzwürmer hatten sie weitgehend befallen, nur der dicke Kreidegrund hielt die mehlig bröckelnden Teile zusammen. Grundlegende Restaurierungen erfolgten in den Jahren 1952 und 2004.

In der Literatur wird die Goslarer Pietà, die auch Marienklage genannt wird, wegen ihrer kunstvollen Zusammenstellung, wegen ihres leidenschaftlichen Ausdrucks der Ergriffenheit herausgestellt. Die dargestellte Szene komme zwar nicht in den Evangelien vor, aber durch sie werde manchem in seinem Kummer Tröstung und Zuspruch geboten. Besonders durch das Antlitz Jesu lasse der Künstler erahnen, dass Tod und Schmerz nicht das Letzte seien. Wahrscheinlich sei das der Grund, warum die Goslarer Pietà von vielen aufgesucht und geschätzt werde.
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