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Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch erzählen Teil 1 Michaela Main aus Niedersachsen

Elisabeth Keller im Gespräch mit Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch

Hans Georg van Herste, Autor, Schmerztherapeut, Lebensberater, Herausgeber, war selbst Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch, häuslicher Gewalt und Psychoterror. Seit seiner Jugendzeit macht er Übergriffe gegen Opfer von sexuellem Missbrauch und Diskriminierungen gegen Frauen und Homo- und Transsexuelle öffentlich.
Seine Bücher und Dokumentationen schlugen hohe Wellen, da er kein Blatt vor den Mund nimmt, Tathergänge nicht verniedlicht und eine deutliche Sprache spricht. Obendrein hat er die „Insel-Methode“ erdacht, um Opfern und Betroffenen vor Ort zu helfen.
Diese Vorgehensweise hat ihm nicht nur viel Anerkennung eingebracht, sondern auch viel Ärger, da sich Täter und ihre Helfer und Sympathisanten nicht gern auf die Schliche kommen lassen. Neben Beschimpfungen übelster Art wurde auch eine Verleumdungskampagne großen Stils gegen ihn losgetreten, um ihn unglaubwürdig zu machen. Diese Verleumdungsprofis wussten genau, dass die Worte „Sekte, Sex und finanzielle Ausbeutung“ ihr Ziel nicht verfehlen würden.
Trotzdem hat sich Hans Georg van Herste nicht von seinem Weg abbringen lassen. Die Entwicklungen der letzten Zeit haben ganz klar bewiesen, dass „seine“ Opfer nicht allein sind, dass sie keine Märchen erzählen, und dass seine Aussagen zur Häufigkeit und zur Vorgehensweise der Täter absolut der Wahrheit entsprechen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, Opfer, die von Hans Georg van Herste begleitet wurden, die keine Angst vor der Öffentlichkeit haben und anderen mit ihrer Aussage Mut machen wollen, zu befragen.

EK Wie alt sind Sie heute?

MM Neunundvierzig

EK Was machen Sie beruflich?

MM Ich bin Küchen- und Hauswirtschaftsleiterin in einer Einrichtung für Suchkranke.

EK Wer waren die Täter?

MM Mein Vater und meine Schwester

EK Wusste Ihre Mutter davon?

MM Ja. Die wusste davon.

EK Was hat man mit Ihnen gemacht?

MM Meine Schwester musste ab und zu auf mich aufpassen, wenn meine Eltern ausgegangen waren. Ihr hat das nicht gepasst. Eines Tages war sie dermaßen wütend, dass sie mir ihren nackten Po vor die Gitterstäbe meines Kinderbettes hielt. Später stieg sie über das Gitter, hockte sich über mich und pinkelte mich an. Noch später musste ich sie anschließend sauber lecken – auch ihren Po.
Mein Vater nahm mich häufig mit zur Wiese. Dort suchte er eine Kuh aus. Dann machte er sich an ihrem Euter und an ihren Genitalien zu schaffen. Das machte ihn immer ganz wild. Manchmal musste ich ihn dann mit der Hand befriedigen. Manchmal musste ich mich auch bücken, damit er mich vergewaltigen konnte.

EK Welche Gefühle hatten Sie dabei?

MM Es war einfach nur eklig. Und mir tat die Kuh leid, weil er die manchmal mit der Peitsche verprügelte. Auch auf unser Pferd hat er häufig eingedroschen. Ich war Bettnässerin und bin nachts oft zu meiner Schwester ins Bett geflüchtet. Die war mir lieber, da ich Angst hatte, mein Vater könnte nachts kommen. Obendrein fing ich an, meine Haut zu zerkratzen. Ich kann mich noch erinnern, dass meine Schwester mir manchmal die Beine mit Binden umwickelte, weil ich alles blutig gekratzt hatte.

EK Ist Ihnen das allein passiert?

MM Ich weiß nichts von anderen Kindern, die er ebenfalls missbraucht haben könnte.

EK Wie alt waren Sie als alles begann?

MM Ich denke, dass ich etwa drei Jahre alt war, als meine Schwester sich über mir erleichtert hat. Das mit meinem Vater muss etwa ein Jahr später angefangen haben. Ich weiß, dass es noch vor meiner Einschulung passiert ist.

EK Wann endeten die Übergriffe?

MM Als ich elf war, setzte meine Periode ein. Dann war es vorbei.

EK Haben Sie es jemandem erzählt?

MM Nein. Ich habe mich nicht getraut.

EK Haben Sie die Täter konfrontiert?
MM Ich habe meine Schwester, meinen Bruder und meine Mutter mit meinen Erinnerungen konfrontiert und erntete die übliche Reaktion. Sie sagten, ich hätte mir alles nur eingebildet oder ausgedacht, Sie hätten gut für mich gesorgt und ich hätte alles bekommen. Ich wäre sehr undankbar.

EK Haben Sie Anzeige erstattet?

MM Nein. Mein Vater war längst gestorben und obendrein war sowieso alles verjährt.

EK Was ist daraus geworden?

MM Ich hatte erhebliche psychische Probleme. Ich konnte keine Kritik ertragen, war krankhaft misstrauisch, introvertiert, nicht beziehungsfähig, eifersüchtig, hatte das Gefühl, zu Höherem geboren zu sein, minderwertig. Ich wartete immer auf den Prinzen, der mich auf seinem Pferd in sein Königreich holt. Im Grunde genommen suchte ich immer noch die Liebe meiner Eltern, meiner Schwester, die ich allerdings doch nie erhielt.
Obendrein hatte ich mehrfach im Jahr Magen- und Darmprobleme. Dauernd hatte ich Nasennebenhöhlenentzündungen, Pilzinfektionen in der Scheide und auf meinen Schultern schien ein großes Gewicht zu lasten. Das wiederum führte dazu, dass ich häufig meine Arme nicht bewegen konnte und dadurch ständig krank war und nicht arbeiten konnte.
Ich versuchte z. B. mit Makrobiotik diese Leiden zu lindern, hatte aber keinen Erfolg. Ich wollte damit mein inneres Gleichgewicht finden.

EK Warum sprechen Sie jetzt darüber?

MM Früher habe ich mich nicht getraut, darüber zu sprechen. Ich habe viele Ärzte aufgesucht, ohne dass die allerdings nach der wahren Ursache geforscht hätten. Hier gab es Pillen oder Zäpfchen, dort gab es Spritzen und das war ´s. Erst Herr van Herste brachte mich auf die richtige Spur. Zu ihm war ich durch eine Freundin gekommen. In der Zeit musste ich einfach etwas unternehmen. Ich war inzwischen so weit, dass mir beim Anblick von Hundescheiße das Wasser im Munde zusammenlief. Da dachte ich, ich werde langsam aber sicher verrückt. Herr van Herste hat mir Vertrauen entgegengebracht, mich nicht ausgelacht und eines Tages war ich so weit, dass ich ihm alles erzählen konnte. Das hat mir sehr geholfen. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin, und ich werde ihn bei seinen Aktivitäten unterstützen. Ich finde, es ist eine bodenlose Schweinerei, was überall mit Kindern gemacht wird – und keinen scheint es zu interessieren.

EK Vielen Dank für das Gespräch

Buchtipp
Hans Georg van Herste
Das Borderline-Syndrom
ISBN: 9783837095593
108 Seiten
9,80 Euro
Anhand von Beispielen aus seiner Praxis erklärt der Autor in für jeden verständlichen Worten die mannigfaltigen Fassetten des Borderline-Syndroms, einer psychischen Störung, die durch sexuellen Kindesmissbrauch und nicht ausgelebte Homo- und Transsexualität ausgelöst werden kann und bietet Lösungen an.
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1 Kommentar
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Christina Hahn aus Weingarten | 13.09.2010 | 23:31  
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