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Frauen-Union Gersthofen beleuchtet das aktuell diskutierte Flüchtlingsproblem

Pfarrer Ralf Gössl (Pfarreiengemeinschaft Gersthofen), Gül Solgun-Kaps (Lehrbeauftragte der Universität Augsburg), Ingrid Grägel (Vorsitzende der Frauen-Union Gersthofen) und Referent Hans-Jörg Fischer (2. Bürgermeister Donauwörth)
Die arabisch-muslimische Welt ist im Wandel und viele Menschen dort verlassen ihre Heimat, in der Hoffnung auf ein neues Leben. Was das für Europa, insbesondere aber für Bayern bedeuten könnte, erklärte Referent Hans-Jörg Fischer beim Themenabend „Pulverfass Orient - Auswirkungen auf Bayern“ im Gasthof Strasser in Gersthofen. Die Informationsveranstaltung wurde von der Frauen-Union Gersthofen organisiert. Vorsitzende Ingrid Grägel freute sich, dass 40 Gäste anwesend waren, um den Vortrag von Fischer, Donauwörths zweitem Bürgermeister, zu hören.

Fischer dokumentierte die Entwicklungen Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jemen, Syrien, Jordanien und Beirut. Die Ursachen der Aufstände in diesen Ländern seien eine Mischung aus wirtschaftlicher Not bis hin zur Nahrungsmittelknappheit und jahrelang aufgestauter Frust über die Machtelite. „Der ökonomisch motivierte Protest der armen Bevölkerung mischte sich mit dem Verlangen junger und gebildeter Schichten nach Meinungsfreiheit“, erläuterte der Referent, der selbst im Kosovo gedient hatte und bei der Bundeswehr im Nachrichtendienst tätig war. Er weiß, wovon er spricht und beobachtet täglich die Ereignisse und Stimmungen dieser Länder. Die Revolution-Tools seien heute nicht mehr die AK-47 und die Machete, sondern Twitter und Facebook. Diese sogenannten sozialen Netzwerke hätten die Revolutionen genährt und Herrscher wie Mubarak und Ben-Ali aus dem Sattel gehoben.

Die Rolle der Frauen bei den Demonstrationen sei eine sehr große, denn die in unseren Augen weltfremden Frauen mit Kopftuch gehen auf die Straße. „Es ist bewundernswert, was diese Frauen in der arabischen Welt momentan bewirken“, betont Fischer. Die meisten Flüchtlinge fliehen in die Nachbarländer Tunesien und Ägypten und nur verhältnismäßig wenige nach Europa. Pfarrer Ralf Gössl, der als Diskutant auftrat, macht das Flüchtlingsproblem betroffen.

„Von christlicher Seite aus muss man den Ängsten der Menschen vor Flüchtlingen entgegenwirken. Man hat nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten“, ist sich Gössl sicher. Zudem können die politikverdrossenen und wahlmüden Menschen in Deutschland von den Aufständischen der muslimischen Länder lernen, die ihren Kopf für den Umbruch hinhalten. Gül Solgun-Kaps, Lehrbeauftragte an der Universität Augsburg und Vorstandsmitglied der Frauen-Union Gersthofen, moderierte den Abend und warf die nachdenklich stimmende Frage auf: „Wie viele terrorisierte Menschen aus Deutschland flohen einst nach Amerika und wie haben die Amerikaner damals reagiert?“

Bayern habe derzeit 150 Flüchtlinge, die mit 40,90 Euro Taschengeld pro Monat das Sozialsystem nicht belasten würden. Deutschland sei das Altenheim Europas und sie würde es begrüßen, Flüchtlinge aufzunehmen. Fischer betonte, dass die Flüchtlinge es aber gar nicht erst nach Deutschland schaffen würden, denn wenn in einem EU-Land einmal ein Asylantrag gestellt wurde, können Asylanten nicht mehr in ein anderes Land. Im Falle der Flüchtlinge, die in Italien ankommen, bedeute das, dass diese in Italien festsitzen. Im Anschluss an Vortrag und Diskussion nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, selbst Fragen zu stellen.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 05.08.2011
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