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Erkenntnisreicher Besuch in Ulm

 
Die Tiefgarage
Wie berichtet veranstaltete der Verein Lebendige Innenstadt Gersthofen e.V. am zurückliegenden Wochenende eine kostenlose Informationsfahrt nach Ulm, um das dort realisierte Verkehrsprojekt „Neue Straße“ zu begutachten und weitere Erkenntnisse für die in Gersthofen laufende Debatte zur Neugestaltung der Bahnhofstraße im Zentrumsbereich zu gewinnen. Vor allem mit den bisherigen Kritikern des Shared-Space Konzeptes wollten die beiden Vorsitzenden Gerardo Olita und Florian Weiß bei dieser Gelegenheit ins Gespräch kommen, diese blieben jedoch allesamt der Veranstaltung fern. „Einige Personen scheinen gar nicht wirklich an einer Lösung interessiert zu sein und lehnen sämtliche Anregungen schon im Vorfeld kategorisch ab. Nur auf die bestehenden Verkehrsprobleme zu verweisen und alle modernen Ansätze schon im Voraus für untauglich zu erklären wird dem Planungsziel überhaupt nicht gerecht“, so Olita. Für die Beiden ist klar, dass moderne Verkehrsplanung nicht wie in früheren Zeiten bei Umgehungsstraßen, Ampeln und Kreisverkehren aufhört, sondern heutzutage vielfältige andere und vor allem durch realisierte Projekte belegbare Ansätze bietet. Dazu ergänzt Stellvertreter Weiß: „Der Fall Ulm ist ein ideales Beispiel für Gersthofen und kann sehr wohl als Vergleich für unsere Situation im Stadtzentrum herangezogen werden. Mit durchschnittlich 15.000 Fahrzeugbewegungen und mehreren Ampeln an den Zu- und Abflussstellen verhält sich der Verkehr sehr ähnlich“. Dabei war der Tag der Reise laut Herrn Kalupa, dem Referenten der Stadt Ulm aus der Hauptabteilung Stadtplanung, Umwelt und Baurecht äußerst repräsentativ gewählt. „Samstags haben wir den höchsten Fahrzeug- wie auch Fußgängerverkehr, des Weiteren kommt in diesen Tagen das Weihnachtsgeschäft hinzu“. Positiv überrascht waren die Teilnehmer, wie reibungslos und scheinbar zufällig sich der gesamte Verkehr in dem Areal arrangiert. „Seit Umsetzung des Projektes vor sieben Jahren haben wir keinen Unfall mehr verzeichnet“. Auch lobten alle die hohe Platzqualität, die durch die umliegende Architektur unterstützt wird. Stadtrat Max Poppe, ebenfalls im Verein engagiert, kann sich einen Kommentar in Richtung seines Ratskollegen nicht verkneifen. „Wenn Herr Kaps behauptet, dass er den Fall Ulm bestens kennt und dieser nur deshalb funktioniert, weil dort im Gegensatz zu Gersthofen keine Ampeln stehen, dann wäre er besser mitgefahren“. Neben Poppe beobachten auch viele interessierte Mitglieder des Vereins mit Sorge, wie das für die Aufwertung des Stadtzentrums so wichtige Gesamtvorhaben scheinbar mit dem Thema Verkehr zerredet werden soll. In ihren Augen werden immer wieder Fakten unter den Tisch gekehrt oder nur einseitig beleuchtet. So wiederholen die Kritiker zwar stets, dass größere Verkaufsflächen im Zentrum auch eine drastische Verkehrszunahme von außen zur Folge haben und man doch schon jetzt ein erstklassiges Angebot im Herypark vorfinde. Dass aber die Gersthofer Bürger beim Einkaufen am Stadtrand ebenso innerstädtischen Verkehr verursachen und dieser gegengerechnet werden muss kommt niemandem über die Lippen. Eben auch aus solchen Überlegungen heraus haben alle Teilnehmer der Fahrt die Entscheidung der Stadt Ulm gelobt, die Planungen nicht einzig auf die Verkehrsspitzen hin zu optimieren, die im Mittel zweimal am Tag zu den Stoßzeiten bestehen. Im Fall Gersthofen wirkt auch die Hervorhebung des Umleitungsverkehrs von der Autobahn überzogen. Völlig geleugnet wird derzeit die Tatsache, dass durch den Autobahnausbau eine Verdopplung der Fahrbahnbreite von einst vier Spuren auf jetzt sechs Spuren plus zwei Standstreifen stattgefunden hat und auch die Fertigstellung in Richtung Stuttgart bevorsteht. Nach Eröffnung sind auch die Rückstaus in westlicher Fahrtrichtung zu größten Teilen passé. „Oder sollen wir unser Ortszentrum ernsthaft für eine mögliche Komplettsperrung auf der A8 dimensionieren“. Stadtrat Poppe hofft auf eine zielgerichtete Auseinandersetzung mit dem Thema in den nächsten Monaten. „Wichtige nächste Schritte sind in meinen Augen die von uns geforderten Simulationen des Verkehrs und die Vorbereitung der Rückwidmung der Bahnhofstraße, um mit Erlangung der Planungshoheit auch das Thema LKW-Durchfahrtsverbot anzugehen“.
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Claudia Wegele aus Gersthofen | 04.12.2012 | 22:24  
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