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Betroffenheit über Film „Menschliches Versagen“

Das Thema lockte viele Besucher an
Betroffenheit herrschte bei Jugendlichen und Erwachsenen im Paul-Klee-Gymnasium, als sie den Film „Menschliches Versagen“ gesehen hatten. Dem Regisseur Dr. Michael Verhoeven gelang es mit diesem Streifen einen bislang weniger untersuchten Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaft zu beleuchten: die Arisierung von jüdischem Eigentum und Vermögen. Hier halfen viele Hände mit, Hab und Gut der deportierten jüdischen Mitbürger „unter die Leute“ zu bringen. Federführend waren die Finanzbehörden, die mit preußischer Bürokratie jüdisches Vermögen erfassten und Enteignungen durchführten um es dann als willkommene Einnahmen dem Staatshaushalt zuzuführen. In dem Film kamen außer Historiker auch Nachkommen deportierter Juden zu Wort, die sich an das demütigende und brutale Vorgehen der Nazis in der Reichskristallnacht 1938 erinnerten. Enteignung und Deportation folgten alsbald, von der deutschen Bevölkerung teils gutgeheißen oder aus „psychischer Überforderung“ nur zur Kenntnis genommen. Alles wurde von den deportierten und ermordeten Juden verwertet. Im Film wurde u. a. das „Recycling“ von Goldzähnen beschrieben; sie wurden akribisch erfasst, verwertet und das Gold landete wieder im Gebiss eines deutschen Volksgenossen...

Dass dieser Film gezeigt wurde, ist wieder dem rührigen Geschichtslehrer Dr. Bernhard Lehmann vom Paul-Klee-Gymnasium, Gersthofen, zu verdanken. Er und seine Schüler organisierten den Filmabend mit Unterstützung durch Forum interkulturelles Leben und Lernen e. V. , Bündnis für Menschenwürde, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Deutsch-Israelische Gesellschaft. Nach dem Film gab es ausreichend Gelegenheit mit Regisseur Verhoeven zu disskutieren. „Ich bin froh über die vielen jungen Gesichter“, begrüßte Verhoeven die Besucher. Er geht gerne in Schulen, denn dort „ist der Film am besten aufgehoben“. Der starke Beifall gab ihm recht.

Dem myheimat-Mann ist der Schlusssatz von Schauspieler August Zirner „hängen“ geblieben: „Eigentlich müssten ja die Nutznießer des ersteigerten jüdischen Eigentums sich mal fragen, woher Haus, Grundstück, Wertgegenstände usw. kommen.“
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 29.10.2010
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